Andreas van Appeldorn

Städtetour



Zwei Paare machen eine Tour von Leipzig nach Köln.
Henning sitzt am Steuer.
Er ist redseelig und guter Dinge.
Auf der Rückbank genau hinter ihm sitzt Erika, seine Frau, sie tuschelt gerade mit Ursel, ihrer seit Kindertagen allerallerbesten Freundin. 
Auf dem Beifahrersitz sitzt Gerhard.
Er ist der Neue von Ursel.
Mit seinen 1.98 wirkt Gerhard, im Gegensatz zu Ursel, die nur 1.57 klein ist; rieeesig.
Gerhard ist stark mit sich selbst beschäftig.
Er hört zwar, was Henning ihm die ganze Zeit erzählt, ist aber nicht recht bei der Sache.
Diese hellblaue Sardinenbüchse, namens Trabbi, bietet seinen langen Beinen nicht genug Platz,
außerdem stößt er jedesmal, wenn er seine geduckte Haltung vernachlässigt, unsanft mit dem Kopf
gegen das Autodach.
Verzweifelt fragt Gerhard sich, ob er die Fahrt hin und zurück heil überstehen wird.
Zur Entspannung will er erstmal ne Fluppe rauchen.
Er zieht eine Packung Reval ohne Filter aus seiner Brusttasche, fischt sich ne Zigarette heraus,
will sie gerade anstecken, aber...!
Henning deutet theatralisch mit seinem Zeigefinger auf einen rotweißen Aufkleber:
RAUCHEN VERBOTEN!
Unwillig steckt Gerhard die Kippe wieder weg.
Das Leben ist kein Wunschkonzert.

Henning gibt zum Besten, welche Reisen Erika und er mit Dem-guten-alten-Trabbi schon gemacht haben.
„...der Wagen ist achtzehn Jahre alt, der hat, ob du’s glaubst oder nicht, über zweihunderttausend Kilometer auf dem Buckl.“ 
Gerhard, von Beruf 'Testfahrer bei VOLVO-Trucks', schaut Henning ungläubig und genervt von der Seite an.
Hinten kichert Erika und Ursel fängt laut an zu lachen.
Die beiden amüsieren sich anscheinend blendend; wie alte Schulfreundinnen eben so sind.
Plötzlich steigt Henning voll in die Eisen.
Fast hätte er die auf Rot stehende Ampel übersehen.
Gerhards Knie prallen hart gegen die Armatur, gleichzeitig spürt er einen stechenden Schmerz im Rücken.
Seine Bandscheibe.
Henning flucht und schimpft über die, seiner Meinung nach, völlig falsch plazierte Ampelanlage.
Hinten jammert Ursel:
„Gerhard, kannst du mit deinem Sitz bitte noch ein Stückchen nach vorne rutschen, ich kann meine Beine kaum noch bewegen."
„Aber sicher Ursel; daß ist überhaupt kein Problem!“
Er steckt sich seelenruhig eine Reval an.
Henning, protestiert...!

Gerhard öffnet die Beifahrertür, steigt aus, bückt sich hinunter ins Wageninnere und verstellt die Position des Beifahrersitzes, soweit wie möglich, nach vorne.
„So Urselchen, bitte schön; mach’s dir gemütlich. Ich wünsche euch allen weiterhin eine angenehme Fahrt.“
Gerhard knallt herzhaft die Tür zu und – weg ist er.








 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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