Christa Astl

Der Fliegenpilz

Gemeinschaftsarbeit mit meinem fünfjährigen Enkel,
er hat die Geschichte erdacht, ich nur etwas ausgeschmückt und den Zauberspruch geschrieben.

 

Es war einmal ein Fliegenpilz, der stand allein mitten in einem Wald. Aber er fand es langweilig, immer am selben Platz zu stehen, die Vögel hatten ihm so viel erzählt, vor allem von den Menschen.

Eines Tages kamen wirklich zwei Menschen, ein Bub und ein Mädchen. Sie hatten Hunger, aber bisher noch keine Beeren gefunden. „Schau, ein Fliegenpilz, den wollen wir essen!“ rief der Bub. – „Nein“, antwortete das Mädchen, „Fliegenpilze sind giftig. Wenn du ihn isst, musst du vielleicht sterben!“

Aber der Bub hörte nicht auf das Mädchen, schon hatte er ein Stück aus der schönen roten Kappe des Pilzes gebrochen und aß sie. Aber es dauerte nicht lange, da bekam er ganz furchtbar Bauchschmerzen. „Nun muss ich wohl sterben!“ dachte er und legte sich nieder. Das Mädchen fing bitterlich zu weinen an, es wollte seinen lieben Freund nicht verlieren. „Wer kann uns denn helfen“, schluchzte es.

Die Bauchschmerzen des Buben wurden immer schlimmer, er konnte nicht mehr liegen, er krümmte sich und schrie vor Schmerz.

Das hörte die Elfenkönigin, die gerade im Heckenrosenbusch ihr Mittagsschläfchen machte. Was ist denn da passiert?“, dachte sie und schickte eines ihrer Elfenkinder, um nachzusehen, wer da so schreit.

Aufgeregt kam die kleine Fee zurück und berichtete: „Ein Mädchen weint und ein Bub schreit, weil er sterben muss. Und daneben liegt ein abgebrochener Fliegenpilz. Da hat er bestimmt davon gegessen!“

Das war nun eine Aufregung unter den Elfen. Alle redeten durcheinander, wie man dem Buben helfen konnte. Da winkte die Elfenkönigin einer schon größeren Elfe zu und sagte zu ihr: „Du hast doch schon ein Jahr die Zauberschule besucht, weißt du einen Zauberspruch gegen Fliegenpilzvergiftungen?“ Die Elfe überlegte nur kurz und rief: „Ja!“ Ganz sicher war sie sich zwar nicht, aber sie wollte unbedingt helfen. So durfte sie allein in den Wald fliegen. Unterwegs sagte sie sich immer wieder ihren Zauberspruch vor, damit sie ja nichts falsch machte. Von weitem schon hörte sie das Schreien und das Weinen. Die Kinder konnten sie nicht sehen, sie spürten aber einen feinen Hauch wie von süßen Waldveilchen. Die junge Elfe flog dreimal um den Buben herum, sagte jedes Mal ihren Spruch, da merkte sie, dass der Bub ruhiger wurde und zu weinen aufhörte, der Zauber hatte geholfen. Erfreut kehrte sie wieder zu den anderen Elfen zurück.

Aber es hatte sich doch ein Fehler eingeschlichen: Der Bub hatte auf einmal schwarze Zähne. Auch das Mädchen erschrak, als es ihn ansah. So furchtbar sah er aus, dass es sich fürchtete vor ihm und sich die Kinder nicht mehr nach Hause getrauten.

Müde und traurig legten sie sich unter einen Baum zum Schlafen.

Als der Vollmond vom Himmel schaute und die schwarzen Zähne sah, schickte er gleich einen Mondstrahl zur Zahnfee, dass sie unbedingt kommen müsse. Und sie konnte wirklich helfen: Mit ihrer Zauberzahnbürste polierte sie die Zähne, bis sie wieder weiß glänzten. Ein Milchzahn brach dabei ab und fiel ihm aus dem Mund. Die Zahnfee hob ihn auf und legte ihn vorsichtig in eine kleine Dose, die sie neben die Kinder stellte. Sie gab auch einen Zauberspruch mit hinein, der hieß:

„Iss nur noch gesunde Sachen,
dann wirst du bald wieder lachen.
Zähne, weiß wie Schnee,
tun dir niemals weh."

 

ChA 09.06.17


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.07.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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