Manuela Mittermayr

Earth Post War The Switchers 9

Planet Erde siebzehn Jahre nach einer gescheiterten Alien-Invasion:  David, ein freiwilliger Human-Controller und sein Yirk  werden Zeugen eines Anschlags und sehen sich bald mit Rassismus, Massenpanik und den anderen unschönen Folgen des Terrorismus konfrontiert . Aber nicht nur das: Neben dem ganz alltäglichen Horror werden sie auch noch  in eine Hetzjagd zweier extraterrestrischer Extremistengruppen verwickelt deren  Ziel ein äusserst geheimnisvoller Alien  zu sein scheint  ...

9. Wieder vereint


Ja  eigentlich bin ich ja selber Schuld!. Selber schuld und undankbar noch  dazu! denke ich  während Doktor Bogner , ein fülliger Herr mitte vierzig mit strengen eisblauen Augen und Halbglatze - meinen Blutdruck die Reflexe , Pupillen und so weiter untersucht und die anderen Ärzte schweigend rund um mein Bett aufgereiht stehen.

Immerhin  verschenkt Rafael einen ganzen Tag seiner Freizeit  weil ich sein   Angebot Arkan abzuholen und mich nach meiner Entlassung mit seinem Auto nachhause zu fahren sofort angenommen habe obwohl er  sicher genug damit zu tun hat sich auf sein  Studium vorzubereiten, der ehrenamtlichen Arbeit im YFCC nachzukommen und seinen drei jüngeren Geschwistern den einen oder anderen Gefallen zu tun , die natürlich auch mit beiden Händen feste zugreifen wenn es darum geht  irgendwann, irgendwie irgendwohin zu kommen.

Schließlich hat er im Moment als Einziger von den Vieren den Führerschein und  seine Eltern sind   beide Selbstständige die auch nicht gerade verlegen darum sind  eine Menge Arbeit auf ihren Ältesten abzuschieben.
Wenn ich ehrlich  bin  fühle ich mich auch wirklich nicht gut dabei und habe das Gefühl den armen Kerl auszunutzen .
Aber zusammen mit meinem Vater in ein Auto eingepfercht zu sein und dann wahlweise entweder drei Stunden angeschwiegen oder mit dämlichen Fragen bombardiert zu werden  gehört nun wirklich nicht zu meinen Vorstellungen von einem entspannten Nachmittag und wäre  mir noch viel mehr zu wider gewesen als alles andere was sonst noch zur Auswahl gestanden hätte .

Ausserdem  ist es unter Dons  auch einfach ein ungeschriebenes Gesetz einander wo es geht unter die Arme zu greifen .
Immerhin sind wir eine ziemliche Minderheit , umgeben von tausenden Dont´s von denen nach wie vor mindestens fünfzig Prozent den Yirks bestenfalls kritisch und ablehnend  gegenüberstehen und somit auch uns.

 Deshalb wird das  Wort "Miteinander" ziemlich großgeschrieben und ist bei weitem nicht nur unseren Yirks gegenüber quasi Programm.
Will heißen : So gut wie jeder Volontär oder Don in Deutschland- ganz egal ob er mich persönlich kennt oder nicht hätte vermutlich alles versucht um mir in selber Weise eine Hilfe zu sein wie jetzt Rafael.
Es gehört einfach zu unserem inoffiziellen Verhaltenskodex und ist etwas dass wir mit dem berühmt berüchtigten"Sharing"  zu Kriegszeiten gemeinsam haben.
Ta ta-ta-taaa!, und noch ein Grund warum uns viele Leute nicht mögen oder unheimlich finden aber nicht nur deshalb.

Auch ohne diese lästige Vorgeschichte der Invasion wären hilfsbereite Leute wie wir unseren Mitmenschen einfach nur unheimlich denn so böse es jetzt auch klingen mag : Besonders Fremden bedingungslos zu helfen gehört nicht unbedingt zum natürlichen Verhaltensreportoire der menschlichen Rasse.
Ja  meistens kriegt Homo Sapiens es ja nicht einmal  bei mehr oder weniger guten Bekannten hin sowie es um irgendetwas größeres geht  und lässt  sich lieber irgendeine blöde Ausrede einfallen warum es denn ausgerechnet jetzt gerade nicht geht anstatt einfach mal über den eigenen Schatten zu springen und Zeit in einen Mitmenschen zu investieren.
Nicht Ehrlichkeit hat uns klüger gemacht sondern das Lügen.
Traurig aber wahr und vor allem wissenschaftlich belegt.  

"So Herr Lawson,"
Doktor  Bogner knipst seine  kleine Augentaschenlampe aus und reißt mich damit aus meinen Gedanken.
"Sieht gut aus. Sogar sehr gut. Vorallem weil Sie sich seit gestern nicht mehr übergeben haben und das MRT absolut unauffällig war. Gerade wenn man ihre doch sehr ähm...besondere Alltagssituation  berücksichtigt ist es ja erforderlich größte Vorsicht walten zu lassen wenn es um Kofpverletzungen geht  aber ich denke wir können Sie bedenkenlos Nachhause entlassen."
"Danke sehr ." Sage ich leise und muß gleichzeitig wegen dieser aalglatten, politisch korrekten  Formulierung "besondere Alltagssituation" einbisschen lachen.

Schließlich wissen wahrscheinlich so gut wie alle Dokroren die momentan hier im Raum versammelt sind dass ich permanenter Wirt für einen Yirk bin und wenn ich ihnen der Reihe nach in die Augen schaue kann ich von Ekel über Hass und Mitleid bis hin zu  beinahe groupiehafter Bewunderung so ziemlich jede Emotion entdecken zu der ein  menschliches Wesen  fähig ist und ich hasse es .

Ich hasse dieses wortlose Starren  so abgrundtief dass es fast schon wie eine körperliche Krankheit ist .  Weil es im Grunde zu nichts weiter führt als zu unausgegorenen ,verschämt von Ohr zu Ohr geflüsterten Halbwahrheiten und Angst.
Weil es Menschen von einander trennt .
Wieviel einfacher wäre das Leben doch wenn einfach jeder mal seinen  verdammten Mund aufmachen und augenblicklich all die Fragen stellen würde die ihm gerade auf der Seele brennen.
Die Welt wäre eine bessere, ich weiß es einfach und oft stelle ich mir sogar vor dass ich plötzlich  einfach in die Köpfe meiner Artgenossen sehen und die darin verborgenen  Gedanken lesen kann wie Arkan meine.
Dass ich das schweigende Gemurmel im hintersten Winkel ihrer Gehirne einfach nur ans Tageslicht zerren und sie zwingen kann mit mir darüber zu sprechen und zuzuhören doch leider ist soetwas  unmöglich  und selbst wenn  nicht würde ich es wahrscheinlich trotzdem nicht tun .Ich bin nicht stark-  na ja, zumindest nicht auf diese Weise.

Deshalb lasse ich den Leuten meistens  auch einfachhalber die schöne Illusion ich wäre  zu blöd dazu um ihr Geglotze zu bemerken. So auch jetzt wo ich nur schweigend auf dem Krankenhausbett sitze,  warte  bis es vorrübergeht und schließlich sehr erleichtert bin als sie im Gänsemarsch allesamt mein Zimmer verlassen.

"Puh, das war jetzt ganz schön strange. Da fragt man sich ehrlich ob jetzt nur wir Ausserirdische im Kopf haben oder die auch. Na ja, unsere haben auf jeden Fall die besseren Manieren"
Sagt Rafael zu mir als sich die Tür geschloßen hat und de letzten Schritte auf dem Gang endlich verklungen sind.
Er will einfach nur witzig sein und die Stimmung etwas heben ganz klar, aber mir ist einfach nicht nach Lachen zu Mute.
" Hör mal Raff , sag mal hättest du was dagegen wenn wir das mit Arkan gleich machen solange wir allein sind ?." Wechsle ich deshalb das Thema.

Rafael weiß natürlich sofort was ich meine und holt  einen kleinen mattsilbernen Transportbehälter aus seinem Rucksack  der vom der Aussehen her ziemlich an eine Thermosflasche aus  Metall erinnert.
Ohne ein weiteres Wort  nehme ich ihn an mich und gehe damit ins Bad.
Warum genau ich die Tür zuziehe und absperre weiß ich nicht, aber wenn ich daran denke dass irgendwelche Wildfremden einfach reinplatzen könnten während ich oder Arkan so absolut hilflos sind wie man es als wirtsloser Yirk beziehungsweise Wirt während eines Infestationsvorganges nun einmal ist wird mir ganz anders.

Eine irrationale Angst ich weiß.
Besonders deshalb weil die meisten Leute,auch wenn sie es wahrscheinlich eklig finden würden zu beobachten wie ein Alien in meinen Kopf kriecht, wahrscheinlich nichts tun würden ausser zu starren oder sich zu übergeben.
Aber trotzdem bin ich heilfroh über die Erfindung des Schlosses  als ich schließlich den  Behälter  öffne , etwas von der darin befindlichen Flüssigkeit über das kleine Waschbecken gebeugt auf meine freie Hand gieße und kurz darauf Arkan aus dem Transportdingens fische.

Im Handling mit Yirks bin ich- verständlicherweise - bereits routiniert aber es ist dennoch immer wieder seltsam zu realisieren wie wenig ihnen ihre  Intelligenz  in  ihrem natürlichen Zustand bringt .
Zwar haben sie eine Art Sonar zur Orientierung ,einen guten Geruchsinn und  können Körperwärme wahrnehmen aber sie haben keine Möglichkeit sich zu verteidigen und sind ausserhalb eines flüssigen oder zumindest feuchten Millieus absolut hilflos.
Arkan kennt mich.
Er vertraut mir und hat niichts dagegen wenn ich ihn anfasse in sofern es notwendig ist aber ich soll es dennoch immer nur möglichst kurz tun und  auf  das Nötigste beschränken.

Dieses Mal würde ich mir dennoch gerne etwas mehr Zeit lassen . Vor allem weil an den Seiten von Arkans Körper zwei kleine Stellen entdeckt habe wo die normalerweise graugrüne Haut ins lachsrosane changiert und ich mir absolut sicher bin dass das als ich ihn vor cirka drei Monaten das letzte mal so genau gemustert habe noch nicht da war .

Aber ich weiß auch dass er es mir übelnehmen würde ihn so lange der trockenen Raumluft auszusetzen anstatt einfach danach zu fragen sobald er mir antworten kann .
Deshalb halte ich den Yirk schließlich ohne noch lang zu überlegen an mein Or und fühle bereits nach wenigen Sekunden wie  er langsam in meinen Gehörgang gleitet.

Es fühlt sich kalt  und eklig an und ist noch dazu ziemlich unangenehm- zumindest am anfang aber zum Glück sondert Arkan  fast sofort einen Stoff ab der mein ohr betäubt.
Auch wenn ich natürlich trotzdem spüre wie er  weiterkriecht.
Schließlich berührt er mein Gehin.
Die grauen Zellen selbst haben ja eigntlich keine Nerven aber ich merke es trotzdem und zwar daran dass   ich schrittweise  paralysiert werde .
Immer mehr in kleinen Stufen verliere ich jedes Gefühl für meinen Körper und auch wenn ich alles für Arkan tun würde, gebe ich zu dass dieses Gefühl eines von den Dingen ist die  ich am Wirtsein absolut nicht ausstehen kann.
Leider kann man aber nichts dagegen tun ausser die Zähne zusammenbeißen- wobei man ja strenggenommen in dieser Situation nicht mal das kann....



Sagt er auch gleich in gewohnt ausgeglichener Art nach dem alle Verbindungen zu meinem Körper da sind wo sie hin sollen.
Gleichzeitig merke ich aber auch wie er meine Erinnerungen anzapft noch bevor ich in Gedankensprache eine  Zustimmung formuliert habe aber ich bin ihm nicht böse deshalb. Schließlich ist es ja tatsächlich  wie bereits gesagt: Sprechen, so wie ich es mit anderen Menschen gezwungener maßen tue ist zwischen Arkan und mir nicht wirklich nötig.
Er weiß was ich weiß und möchte oder nicht möchte im selben Moment wo der erste Gedanke an eine Antwort aus meinen Gehirnwindungen schlüpft.
Meint er  schließlich als er fertig ist .

Zu meinem grenzenlosen Erstaunen fühlt Arkan  sich dabei allerdings weit mehr nachdenklich und unsicher an als tatsächlich interessiert und seine Emotionen färben auf mich ab und  machen mir Angst denn ich weiß dass er  nichts anderes als die Nachrichten meint.

Denkt er denn wirklich dass es wahr ist?. Dass diese ...diese Switcher noch leben und den Zug gesprengt haben?!.  
Antwortet Arkan.
Er versucht mich zu beruhigen und  meinen Körper daran zu hindern noch mehr Adrenalin auszustoßen aber das ist sinnlos solange ich auch nur ansatzweise fühle dass er selbst im Moment am liebsten nicht in seiner - beziehungsweise meiner  Haut stecken würde.
Absolut sinnlos!.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.07.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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