Yvonne Schwab

VIVA LAS VEGAS 12

 Die heiße Morgensonne Nevadas schien in die oberste Etage des Flamingo Hotels. Ich öffnete die Augen und stellte mit Erleichterung fest, dass ich in Elvis‘ Suite aufgewacht war. Genüsslich reckte und streckte ich mich. Wir hatten gestern Nacht wohl vergessen, die Vorhänge zu schließen. Meine Gedanken waren bei letzter Nacht und die Leidenschaft brannte immer noch in mir. Ich lächelte als ich in Richtung Fenster blickte. Es war ein großes Panoramafenster, das bis zum Boden reichte. Von da aus konnte man in der Nacht die Lichter von Las Vegas beobachten. Kein Wunder also, dass es mich magisch anzog, als ich mich letzte Nacht direkt nach der Show in Elvis‘ Suite schlich. Naja, das ging natürlich nicht ohne an Fred und Charlie vorbei zu müssen, doch die beiden ließen mich bereitwillig durch, hatten sie doch direkte Order von ihrem Boss erhalten. Elvis war nicht da und ich beschloss, einfach auf ihn zu warten und ihn zu überraschen. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass ich ihn bald für eine lange Zeit verlieren würde. Daher wollte ich jeden Augenblick mit ihm genießen. Ich machte es mir bequem, zog mein Kostüm aus und warf einen Morgenmantel über. Dann sah ich sie, die vielen bunten Lichter der Stadt. Ich trat ganz dicht vor das riesige Fenster und bewunderte wie lebendig die Stadt nachts wurde. Am Tage verzogen sich alle in die Casinos. An manchen Tagen war es draußen so heiß, dass niemand freiwillig auf die Straße wollte. Doch nachts kamen alle aus ihren Löchern und die Stadt wurde zu einer gigantischen Glitzerkugel auf der man sich stundenlang amüsieren konnte. Ich war mir sicher, dass ich an keinem anderen Ort sein wollte. Ich spürte, dass ich zu dieser Stadt gehörte. Hier fühlte sich alles so leicht an. Ich atmete tief ein. Da war wieder dieser intensive Schmerz im Rücken. Die Begegnung mit Jerry im Pool hatte doch größere Spuren hinterlassen, als ich eigentlich gedacht hatte. Es stellte sich heraus, dass ich über und über mit blauen Flecken übersät war. Das war auch kein Wunder, denn Jerry drückte mich während unseres Kampfes mehrfach mit aller Gewalt gegen die Beckenwand des Pools. Als Elvis diese Spuren entdeckte, war er außer sich vor Wut und äußerte sich besorgt um meine Sicherheit. Ich beteuerte, dass ich schon klar kommen würde, was ihn jedoch nicht davon abhielt, gleich die Order an Fred und Charlie zu geben, dass die beiden auf mich aufpassen sollten bis er nach Las Vegas zurückkehrte. Elvis war der fürsorglichste Mensch, dem ich je zuvor begegnet war.

 

Ich erschrak für einen kurzen Moment, als die Türe hinter mir ins Schloss fiel, doch ich bewegte mich nicht von der Stelle. Ich wollte meine Augen nicht von den Lichtern der Stadt abwenden. So blieb ich einfach wortlos am Fenster stehen. Ich hörte Schritte, die sich mir näherten. In der Spiegelung im Fenster tauchte Elvis‘ Gesicht auf. Er näherte sich langsam, blieb hinter mir stehen und schlang seine Arme um mich. Ich sagte immer noch kein Wort und schaute weiter auf die Stadt hinunter. Im Spiegelbild sah ich, wie er sein Gesicht in meinen Haaren vergrub und die Augen schloss. Dann begannen seine Hände langsam meinen Morgenmantel zu öffnen. Ich ließ ihn gewähren. Der Morgenmantel glitt sanft an meinem Körper entlang auf den Boden. Im Spiegelbild sah ich mich, nackt, und Elvis wie er lächelte. Ihm schien zu gefallen was er sah und mir gefiel was ich sah, denn Elvis hatte diesen unwiderstehlich sinnlichen Gesichtsausdruck. Zuerst strich er sanft mit seinen Fingern an meinem Körper entlang. Ein wohliger Schauer lief mir den Rücken hinunter. Es fühlte sich an, als würde jede noch so kleinste seiner Berührungen ein Feuerwerk in meinem Körper entzünden. Jetzt umfassten seine Hände meine Brüste und er begann sie sanft zu massieren. Ich konnte jede Bewegung im Fenster sehen. Ich musste aufpassen, dass ich nicht zu schnell in völlige Extase geriet. Elvis so mit mir zu beobachten war der Gipfel der Leidenschaft. Nun gab es kein Halten mehr. Ich drehte mich um und riss ihm förmlich die Kleider vom Leib. Elvis schien ein wenig überrascht von meiner brennenden Leidenschaft und er musste auch gleich schon wieder los kichern. Ich liebte seinen Sinn für Humor, doch in diesem Moment erstickte das meine Leidenschaft. Ich schaltete sofort wieder meinen Kopf ein, mir wurde klar wer da vor mir stand und ich zog mich innerlich in mein Schneckenhaus zurück. Doch als ich so in mich zusammensackte, packte Elvis meine Arme, schaute mich aus seinen tiefgründigen Augen an und küsste mich so leidenschaftlich, dass ich beinahe keine Luft mehr bekam. Entschlossen und mit einem Ruck drückte er mich sanft gegen die Fensterscheibe und nach einem tiefen Seufzer spürte ich ihn endlich in mir.

 

Tja, wir hatten wohl danach vergessen die Vorhänge zu schließen und ich wurde vom ersten Sonnenstrahl geweckt. Elvis lag tief schlummernd neben mir. Die Sonne schien direkt auf das Bett. Mir war heiß. Elvis musste auch warm gewesen sein. Sein Bettlaken lag locker über seiner Hüfte. Der Rest seines Körpers war unbedeckt. Die Sonnenstrahlen ließen seine Haut funkeln, als wäre sie mit abertausenden kleinen Diamanten besetzt. Es war ein faszinierendes Schauspiel. Mit seinem anmutig, jugendlichen Gesicht und dem perfekten Teint erschien mir Elvis an diesem Morgen wie ein junger Gott. Ich beschloss ihn schlafen zu lassen. Ich wollte diesen Moment genießen und schaute ihn einfach nur an.

 

Mein gesamter Körper bebte, so erschrak ich mich als plötzlich das Telefon klingelte. Ich schaute zu Elvis aber der schlief weiter und schien das Klingeln nicht zu hören. Es klingelte ein zweites Mal, ein drittes Mal, ein viertes Mal. Immer wieder schaute ich vom Telefonapparat zu Elvis und wieder zum Telefonapparat. Doch Elvis schlummerte immer weiter. Nur ein kleiner Seufzer war von ihm zu hören, als er sich auf die andere Seite drehte. Das Telefon wollte nicht verstummen. Sanft berührte ich Elvis‘ Schulter:

„Elvis? Wach auf mein Schatz!“ flüsterte ich ihm ins Ohr.

Doch er ließ sich einfach nicht wecken und ich wollte auch nicht, dass er wach wurde. So hatte ich ihn ganz für mich alleine. Wenn er aufwachte, hätte er doch nur wieder irgendwelche Termine. Ich wollte ihn an diesem Tag einfach nicht hergeben. Deshalb verzichtete ich auf weitere Weckversuche. Gleichzeitig machte ich mir Sorgen, dass der Anrufer der Colonel sein könnte. Er würde sicher gleich persönlich vorbei kommen wenn niemand ans Telefon ginge. Das wollte ich unter allen Umständen vermeiden. Auf eine Begegnung mit dem Colonel hatte ich erst Recht keine Lust. Also beschloss ich, das Telefonat anstelle von Elvis entgegen zu nehmen. Als ich zum Hörer griff bekam ich plötzlich Herzklopfen. Ich ahnte, dass dies ein folgenschwerer Fehler sein könnte.

„Ja, hallo?“ meldete ich mich unsicher

Eine männliche Stimme antwortete: „Hier ist der Empfang. Ein Airgespräch für Mr. Presley.“

In diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich das Gespräch besser doch nicht annehmen sollte und ich wollte den jungen Mann am anderen Ende der Leitung gerade bitten, das Gespräch zurück zu nehmen, da hörte ich nur noch ein leises Klicken in der Leitung. Danach kam Stille. Ich dachte schon, das Gespräch sei unterbrochen worden, als sich eine sanfte Frauenstimme leise meldete:

„Hallo?“

Einen kurzen Moment dachte ich darüber nach, den Hörer einfach aufzulegen. Aber was würde das bringen? Es hätte doch nur zur Folge, dass der Anrufer es erneut versuchen würde. Ich musste versuchen, diese Dame am Telefon loszuwerden.

„Ja, hallo? Wer ist da?“ meldete ich mich

„Wer sind Sie?“, antwortete die Frauenstimme, „ich möchte mit Mr. Presley sprechen. Hier spricht Priscilla Beaulieu“.

Mir stockte der Atem. Mein Herz raste und meine Hände zitterten. Was sollte ich jetzt nur tun?


- Fortsetzung folgt - 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.07.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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