Anja Pompowski

Herzlichen Glückwunsch

Am Morgen des 13. Februar wird Anna durch ein Geräusch in der Küche geweckt. Hoffentlich ist es kein schlechtes Omen, dass mein Geburtstag dieses Jahr auf einen Freitag fällt, überlegt sie. Sie will gerade aufstehen, da öffnet sich die Tür, Thomas kommt herein und setzt sich zu ihr auf die Bettkante.

 

„Alles, alles Liebe zum Geburtstag, mein Schatz“, sagt er.

 

Sofort fällt Anna auf, dass etwas nicht stimmt. Thomas sieht irgendwie so mitgenommen aus.

 

„Was ist los?“, fragt sie. „Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?“

 

Thomas seufzt. „Ach, ich wollte dir heute, an deinem Ehrentag, alle Arbeiten so gut es geht abnehmen. Ich bin schon um fünf Uhr früh aufgestanden und habe erst mal die Waschmaschine angestellt. Dann wollte ich einen Rührkuchen backen. Was anderes traute ich mir nicht zu. Ich habe den Teig in diese Gugelhupfform geschüttet und den Kuchen in den Ofen gestellt, bei 200° C., Ober-/Unterhitze. Das Rezept ist aus dem Internet. Dann habe ich schnell noch den Flur gewischt. Du hast ja diese Woche Flurdienst. Der Kuchen sollte 60 Minuten lang backen. Als ich mit dem Wischen fertig war, war er gerade 15 Minuten im Ofen. Noch Zeit genug, schnell Brötchen für das Geburtstagsfrühstück zu besorgen, dachte ich mir. Ich bin dann runter zum Parkplatz, setzte mich ins Auto und …., der Wagen sprang nicht an. Nach einigen Versuchen, ihn zu starten, klappte es dann doch. Beim rückwärts Ausparken fuhr ich vor diesen blöden Pfeiler. Ich stieg aus, sah mir den Schaden an. Nicht so wild, eine kleine Beule; ärgert mich aber. Ich will gleich mal einen Termin in der Werkstatt machen. Jetzt aber schnell zum Bäcker, dachte ich mir, stieg wieder ins Auto und fuhr los. Wohl etwas zu schnell; mir blieb ja auch nur wenig Zeit, der Kuchen, ….. du weißt schon. Auf der Friedrich-Ebert-Straße bin ich dann geblitzt worden. Die Polizei hat mich angehalten und mir ein Verwarnungsgeld von 30,00 EUR abgenommen. Weiter ging`s zum Bäcker. Die Verkäuferin packte mir die gewünschten Brötchen ein, zwei Kaisersemmeln, ein Rosinenbrötchen – die magst du doch so gern – und ein Vollkornbrötchen. Ich zog mein Portemonnaie aus der Hosentasche und stellte fest, dass nur noch 15 Cent drin waren. Den Zehner und den Zwanziger hatte ich ja dem Polizisten gegeben. Ohne Brötchen fuhr ich also wieder heim. Bevor ich hoch in die Wohnung lief, flitzte ich noch schnell in den Keller, um die Wäsche mitzunehmen. Als ich die Waschmaschine öffnete, traute ich meinen Augen nicht, denn die ganze Wäsche ist jetzt rosa.

 

Irgendwie ist mir dein rotes T-Shirt wohl dazwischengeraten. Auf dem Weg vom Keller hoch zur Wohnung kam mir im Hausflur Herr Schmidt aus dem zweiten Stock entgegen und sagte, seine Frau sei im Treppenhaus ausgerutscht, weil ich so nass den Flur gewischt hätte - kann ich mir gar nicht vorstellen -. Jedenfalls wäre seine Tochter mit ihr auf dem Weg ins Krankenhaus; das rechte Bein ist offenbar gebrochen. Was meinst du, ob ich schon mal unsere Haftpflichtversicherung einschalten sollte?“

 

Dann fällt ihm noch ein, dass die Kaffeemaschine kaputt ist.

 

„Na ja, das waren jedenfalls die schlechten Nachrichten, aber jetzt kommt die gute.“ Thomas strahlt. Er verlässt das Schlafzimmer und kommt kurz darauf mit einem perfekt aussehenden herrlich duftenden Gugelhupf zurück. Auf dem Kuchen sind ein paar Kerzen platziert. „Ist mir der nicht super gut gelungen?!“, sagt er stolz. „Puste die Kerzen aus und wünsch dir was.“

 

Bei dem Versuch, die Kerzen auszublasen bekommt Anna einen Hustenanfall. Schließlich gelingt es ihr aber doch und sie wünscht sich, dass heute, an diesem schrecklichen Freitag, dem 13., bloß nicht noch mehr Katastrophen passieren. Sie nimmt sich vor, nachher mal zu googeln, ob in den kommenden Jahren ihr Geburtstag nochmal auf einen Freitag fallen wird. Nicht, dass sie abergläubisch wäre, jedoch …….?

 

 

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