Christina Telker

Traumland

Es war wieder einmal so ein Tag, an dem Toni nicht einschlafen konnte. „Jetzt mache ich aber das Licht aus. Morgen früh musst du für die Schule ausgeschlafen sein!“ Schon mehrmals hatte die Mutti zu Toni reingeschaut und ihn gemahnt doch endlich mit dem lesen aufzuhören.  Nun legte er missmutig das Buch zur Seite, er wusste genau, kam die Mutter noch einmal ins Zimmer und sah noch Licht, konnte sie recht sauer werden. Als sie aus dem Zimmer war, nahm er seinen Bären um sich mit ihm zu unterhalten. Brummel konnte immer zuhören, er konnte ihm all seine Probleme anvertrauen. Nun kuschelte er sich mit dem Bären im Arm auf die Seite und versuchte zur Ruhe zu kommen. Das Fenster war angelehnt, um die Nachtluft hereinzulassen. „So schläft es sich besser“, meinte die Mutter stets.

Es war fast Mitternacht, der Mond erhellte das Zimmer mit seinem Licht. Toni befand sich in einem Zustand zwischen wachen und schlafen.  Die Gardine bewegte sich leicht im Nachtwind, herein kam ein Zauberwesen, zarten Träumen gleich und setzte sich zu Toni aufs Bett. „Wer bist du?“ Toni rieb sich verträumt die Augen. „Ich bin die Nachtfee. Jede Nacht komme ich und bringe dir die Träume. Ich nahm an, du schläfst bereits, wie sonst immer um diese Zeit, denn eigentlich darfst du mich gar nicht sehen. Für mich ist das schlimm, denn wenn mich ein Mensch sieht, ist es mit meiner Zauberkraft vorbei.“ „Oh, das tut mir aber leid. Jeden Abend freute ich mich schon auf meine Träume, was ich da so alles erlebt habe! Es war immer schön. Das habe ich also dir zu verdanken. Was wird nun, bekomme ich jetzt keine schönen Träume mehr?“ „Du wirst weiterhin träumen, zuerst muss die Nachtfrau jedoch eine neue Fee für dich bestimmen.“ Was Blue hier erzählte klang alles etwas traurig. „Kann ich dir irgendwie helfen?“ Toni wurde selbst traurig als er die kleine Fee so trübsinnig auf seinem Bettrand sitzen sah, kaum größer als ein Daumen. Immer war sie für ihn da gewesen, nun wollte er etwas für sie tun. „Es gibt eine Möglichkeit, die aber nicht so einfach ist.“ „Nun sag schon, ich werde es schon schaffen!“ Zuversichtlich blickte Toni zu ‚Blue‘ hinüber. „Wenn der Mond ins Fenster schaut, musst du auf einem Strahl zu ihm hinauf klettern. Wenn du den Mond bittest, bringt er dich zur Nachtfrau. Sie hat ein Gegenmittel, wenn ich dies bekomme erhalte ich meine Zauberkraft wieder und kann wieder zurück zu den Anderen. Du darfst aber nicht vorher einschlafen, es muss der erste Mondstrahl sein, auf dem du hinauf steigst.“ „Kein Problem, wenn weiter nichts ist!“ Toni schwoll richtig die Brust vor Abenteuerlust. Voller Aufregung schaute Toni auf das geöffnete Fenster und wartete auf den Mond. Durch die Anspannung wurde er so müde, dass er die Augen nur mit Mühe offen halten konnte. „Bitte schlaf nicht ein!“ ‚Blue‘ fing an zu zittern. „Keine Bange, ich bin putz munter“, antwortete Toni, dann war er weggetreten und kam erst am frühen Morgen wieder zu sich.

  „Du hast die Probe nicht bestanden.“ ‚Blue‘ liefen ein paar Tränen über ihr zartes Feengesicht. „Tut mir leid, wie kann ich dir nur jetzt helfen?“ „Du hast noch zwei Abende die Möglichkeit, die Probe zu bestehen. Ich werde jedoch von Nacht zu Nacht schwächer, kommt der dritten Morgen muss ich sterben.“ „Das wird nicht passieren, kommende Nacht passe ich besser auf“, versprach Toni. „Nun schnell in den Schrank, dort ist es dunkel und der erwachende Tag kann dir nichts anhaben.“ Auch in der kommenden Nacht konnte Toni seine Augen nicht offen halten. Durch den fehlenden Schlaf der letzten Nacht, war er schneller im Traumland, als er denken konnte. Morgens war er so traurig über sich selbst, das die kleine Fee es kaum mit ansehen konnte und ihn tröstete. „Lass mal Toni, ich bin ja selbst Schuld, ich hätte sehen müssen, dass du noch wach warst. Wäre ich nicht so unachtsam gewesen, ginge es mir jetzt nicht so schlecht. Ich wusste gleich, dass die Aufgabe zu schwer für dich ist.“ „Und ich schaffe es doch!“, nahm Toni sich vor. Am dritten Abend legte er sich nur zum Schein ins Bett. Sobald die Mutter annahm er schliefe und die Tür leise geschlossen hatte, setzte sich Toni aufrecht im Bett hin. „Das wäre ja gelacht, wenn ich es nicht schaffen würde, ‚Blue‘ zu erlösen“, dachte er bei sich. In dieser Nacht war der Himmel bedeckte wie selten. Regenschwer hingen die Wolken herunter. „Wann kommt nur endlich der Mond hervor“, dachte Toni immer wieder.

Endlich, die zweiten Nachthälfte war schon mächtig vorgeschritten, kam verstohlen ein Mondstrahl heraus und sofort in Tonis Zimmer. Er ließ sich nicht lange bitten und kletterte wie ein Wirbelwind hinauf. „Was willst du denn hier, das gibt’s doch gar nicht?!“ Erstaunt blickte der alte Mond auf Toni. Nun erzählte er schnell seine Geschichte und bat den Mond um Hilfe. „Oh, das sieht schlimm aus. In wenigen Stunden beginnt der Tag und bis zur Nachtfrau ist der Weg recht beschwerlich, aber ich will sehen das ich dir helfen kann.“ Schnell wurde eine Sternenkutsche eingespannt und los ging die Fahrt. „Bei dir ist ‚Blue‘ also! Es tut mir wirklich leid um die Kleine, ich glaube aber nicht, dass du es in der kurzen Zeit noch schaffst“, antwortete die Nachtfrau als sie Tonis Geschichte gehört hatte und reichte ihm den Zaubertrank. Zurück ging es wie der Blitz. Die Traumpferde legten ihren schnellsten Galopp ein. Als Toni daheim ankam, reichte er sofort ‚Blue‘ den Trank, den sie in letzter Kraft zu sich nahm. „Nun steig schon ein, die Kutsche hat extra noch auf dich gewartet und komm bald wieder zu mir“, verabschiedete sich Toni von der kleinen Fee. „Danke Toni, ich werde dich bald wieder besuchen“, flüsterte ‚Blue‘ noch im Entschwinden. Glücklich schlief Toni ein von süßen Träumen begleitet. (c) ChT

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.07.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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