Yvonne Schwab

VIVA LAS VEGAS 13

 Ich konnte mein Herz bis zum Hals schlagen hören. Was sollte ich bloß antworten? In diesem Moment wünschte ich, dass ich den Telefonhörer niemals abgenommen hätte. Es herrschte eine erdrückende Stille in der Leitung. Ich musste irgendetwas antworten, sonst würde Priscilla Verdacht schöpfen und ich hätte mal wieder für jede Menge Ärger gesorgt. Ich atmete tief ein:

Entschuldigen Sie Miss, ich bin das Zimmermädchen. Mr. Presley ist nicht da.“

Achso?“, Priscilla sprach so sanft und leise, ich musste den Hörer ganz dicht an mein Ohr pressen, so dass ich sie überhaupt verstehen konnte, „können Sie mir sagen wann er wieder kommt? Ich rufe gerne später nochmal an.“

Ich war erleichtert. Sie schien mir meine Tarnung abzunehmen.

Ich...“, ich wollte gerade antworten, als mir der Telefonhörer aus der Hand gerissen wurde. Erschrocken drehte ich mich um und blickte in die zornigen Augen von Elvis. Sein Gesichtsausdruck wirkte zwar noch sehr verschlafen, doch seine Augen sprachen Bände. Er hielt sich den Hörer ans Ohr:

Hallo? Honey, bist Du das? Ja, ich bin gerade zurück gekommen. Das ist ja ein tolles Timing. Ich freue mich so Deine Stimme zu hören. Wie geht es Dir mein Liebling?“

Mittlerweile hatte sich Elvis den Telefonapparat gegriffen, war aufgestanden und lief damit in der Suite umher. Das Telefonkabel zog er dabei gekonnt hinter sich her. Er war immer noch komplett nackt, was ich natürlich zum Anlass nahm, mich entspannt zurück zu lehnen und dem Spektakel grinsend zu zu schauen.

Ja, das war das Zimmermädchen,“ er schaute mich mit festem Blick an,

Danke Miss, Sie können jetzt gehen!“

Ich lächelte ihn an und zwinkerte ihm zu. Er spielte mit bei meiner Zimmermädchen-Masche. Doch statt einem Lächeln oder einem Zwinkern, bekam ich immer noch diesen durchdringenden, tief entschlossenen, beinahe schon strengen Blick von ihm. Ich verstand nicht sofort was seine Geste bedeuten sollte. Er deutete mit dem Telefon in der Hand in Richtung Zimmertüre. Doch dann verstand ich: Elvis wollte mich tatsächlich los werden. Ich schaute ihn fragend an, doch seine Augen waren pures Eis. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Da war er wieder, der andere Elvis. Der, dem ich nicht bei Nacht begegnen möchte. In diesem Moment wichen seine Gesichtszüge einer Maske aus kaltem Stahl, hinter die kein Mensch blicken konnte. Ich fragte mich was wohl in seinem Kopf vorging. Hastig suchte ich meine Sachen zusammen. Ein weiteres Mal musste ich aus Elvis‘ Suite flüchten. Ich schwor mir, dieses Mal wäre es das letzte Mal gewesen. Als ich an ihm vorbei in Richtung Ausgang ging, würdigte er mich keines Blickes. Beim Hinausgehen hörte ich noch wie er ins Telefon flötete:

Oh Liebling. Du ahnst ja gar nicht wie sehr ich Dich vermisse. Ich kann es kaum erwarten, wieder zurück in Graceland zu sein.“

Schön, ich kann es auch kaum erwarten!“, grummelte ich vor mich hin, als ich wütend zur Türe hinaustrat.

Bitte Miss Idy? Was hatten Sie gesagt?“ Charlie, Elvis‘ Bodyguard, schaute mich verdattert an.

Haben Sie eine Freundin Charlie?“ fragte ich ihn und hoffte, er würde meinen verbitterten Unterton nicht bemerken.

Ja, das habe ich Miss Idy“, antwortete Charlie mit stolz geschwellter Brust.

Ich legte ihm die Hand auf die Schulter:

Behandeln Sie sie bitte stets mit Respekt. Schenken Sie ihr Aufmerksamkeit, machen Sie ihr Geschenke, geben Sie ihr das Gefühl, dass sie die einzige Frau in Ihrem Leben ist. Würden Sie das für mich tun Charlie?“

Charlie schien komplett verwirrt. Er starrte mich an und stotterte:

Ja a-a-aber s-s-sicher. Das mache ich schon immer so. Meine Maggy und ich sind schon fünf Jahre zusammen und glücklich wie am ersten Tag.“

Das ist schön. Grüßen Sie mir Ihre Maggy. Sie ist ein Glückspilz.“

Charlie musste wohl bemerkt haben, dass mir die Tränen in die Augen schossen, denn sein verwunderter Blick wich einem besorgten Gesichtsausdruck:

Miss Idy, ich weiß es ist nicht immer leicht mit ihm“, dabei deutete er mit einem Blick auf die Türe,“ aber er hat es wirklich nicht leicht. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken. Das ist kein normaler Mann. Er ist ein Superstar, der ständig in der Öffentlichkeit steht. Er hat bestimmt seine Schwächen und Fehler. Wer hat das nicht, aber im Grunde ist er ein guter Mensch und er ist vor allem aufrichtig. Das habe ich in all den Jahren, die ich nun schon für ihn arbeite, sehr zu schätzen gelernt.“

Ich war völlig perplex. Mit solchen Worten hatte ich nicht gerechnet. Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten.

Charlie nahm mich tröstend in seine Arme. Ich ließ es laut schluchzend zu. Dieses Gefühlschaos mit Elvis war mir allmählich zu viel. Ich konnte und ich wollte das nicht mehr.

Wenn er so aufrichtig ist, wie Sie es sagen Charlie, warum betrügt er sie dann mit mir?“

Priscilla?“

Ich nickte und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht.

Charlie zuckte mit den Achseln: „Das passt so gar nicht zu ihm. Er ist ein Mann, der klare Verhältnisse wünscht. Mehr kann ich dazu leider auch nicht sagen.“

Was soll ich tun Charlie?“

Das kann ich Ihnen leider nicht beantworten Miss Idy.“

Er schaute mich aus seinen dunklen Augen warmherzig an. In diesem Moment wusste ich, dass ich vielleicht gerade die Liebe meines Lebens verloren, aber einen Freund dazu gewonnen hatte.

Auf Wiedersehen Charlie.“

Ich lief den Flur entlang und als ich nochmal zurück blickte, nickte mir Charlie aufmunternd zu. Ich hatte keine Ahnung wo ich jetzt hin sollte. Mein Herz schmerzte und ein dicker Kloß drückte mir den Hals zu. Wie konnte ich jemals herausfinden ob das mit Elvis und mir eine Zukunft hatte? Ich wollte jetzt auf keinen Fall alleine sein. Ich musste dringend mit jemanden darüber reden. Jemand, der mich gut kannte.

Ein paar Minuten später klopfte ich an Jennys Türe.

- Fortsetzung folgt - 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.07.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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