Es ging schon damit los, dass ich die "Erstkommunion" ** nicht mit meinen Schulfreundinnen würde feiern können. Denn das Haus in dem wir wohnten, wurde wieder (!) einmal von der Stadt München vom Stadtviertel "Haidhausen" in die "Au", sagen wir - verschoben. Also, neue Kinder, neue Kirche, neuer Pfarrer ...
Dann sollte ich ein langes (!) weißes Kleid, das meine Cousine in Amerika abgelegt und mir mitsamt passendem Hut (die spinnen ja die Amis) geschickt hatte, anziehen. Ja sonst noch was! Ja gar nia net! Schließlich hatte meine Mutter dann doch ein Einsehen und ich bekam mein "eigenes" Kleid.
Dann, am Morgen des 6. Mai 1951 - meinem Ehrentag - da kam Paula, die Friseuse meiner Mutter, zu spät. Völlig abgehetzt fing sie an, auf dem Küchenherd die Brennschere, mit der sie mir die
"Stopsellocken" (Korkenzieher- Locken) drehen wollte, heiß zu machen. Kurz darauf verbrannte sie mir bei der allerersten Locke mein linkes Ohr ...
Dann mussten wir bis zum "Maria Hilf Platz" rennen (immerhin gut eineinhalb Kilometer), denn wir waren verdammt spät dran. Völlig
außer Puste kamen wir dort an, wo die Kommunion-Kinder bereits schön in Reih und Glied in Richtung in Kirche marschierten. Plötzlich schubste mich meine Mutter zwischen die fremden Mädl, ich stolperte, verlor einen Schuh und brachte dadurch die ganze Prozession durcheinander.
Dann kam der nächste Dämpfer: weil nämlich die wunderschöne "Mariahilf Kirche" im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört worden war, musste die Feierlichkeit in einer "Behelfskirche", einem aus grauem Holz gezimmerten Flachbau, stattfinden!
Als wir alle zusammen das Gotteshaus betraten, tanzte der Staub von Generationen (!) auf den Sonnenstrahlen, die sich den Weg durch die trüben Fenster gebahnt hatten.
Hustend und räuspernd schoben wir uns in die Bänke - und schon war`s vorbei mit der feierlichen Stimmung.
Dann wurden unsere Kerzen, die vor uns in der Kirchenbank auf großen Nägeln steckten, angezündet ... Dadurch wurde es noch heißer und stickiger in dieser Holzbaracke. Als die Ministranten zu guter Letzt noch die Weihrauchfässer hin und her schleuderten, da war`s ganz aus. Ich begann zu schwitzen, ganz fürchterlich zu schwitzen und meine kunstvoll gedrehten Stopsellocken lösten sich langsam aber sicher in Wohlgefallen auf.
Dann begann sich auch noch meine (wahrscheinlich billige) Kerze unaufhörlich nach vorne zu biegen - immer weiter in Richtung des vor mir stehenden Mädchens. Hilfe suchend drehte ich mich nach meinem Vater um. Der kam, brach die Kerze einfach in der Mitte durch und steckte den Stummel wieder auf den Nagel ...
Durch die ganzen Ereignisse weiß ich von der eigentlichen Feier überhaupt nichts mehr. Was ich aber heute noch weiß ist, dass ich am Ende heulend, mit feuchten, steckerlg`rad herunterhängenden Haaren und dem Kerzenstummel in der Hand, aus dieser, dieser "Kirche" buchstäblich geflohen und mutterseelenallein nach Hause gerannt bin.
Nachtrag: Nur zwecks dem Fotografen, kaufte mir mein Vater eine neue Kerze (die habe ich heute noch) und Paula dreht mir
mit der Brennschere nochmal Stopsellocken.
** In der katholischen Kirche feiern Kinder, die das sogenannte "Vernunftlter" " (ich war zehn Jahre) erreicht haben, am Weißen Sonntag" den erstmaligen Empfang der Kommunion - daher
"Hl. Erstkommunion".
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.07.2017.
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Spreewaldlyrik
von Götz Grohmann
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