Marlene Remen

HALLO, KANINCHEN !!!

Es gibt so Tage, an denen einem Erinnerungen zurückkehren, die man
fast schon vergessen hat.  Von denen ich euch erzählen möchte, die kann
ich nie vergessen.

Als ich vor Jahren mit meinem Mann und den Kindern in den Ort nahe
Köln gezogen bin, weil mein Mann dort seine Arbeitsstelle hatte, da waren
die Besuche meiner Eltern nicht mehr so häufig, weil die Entfernung zu
groß war. Das hat mich oft sehr traurig gemacht, aber es ging ja nicht anders.

So freute ich mich immer über die Anrufe meiner Mutter und wartete schon
sehnsüchtig darauf.  "Hallo, Kaninchen, waren immer ihre ersten Worte und ich
sah sie vor mir, diese kleine Gestalt mit den lieben Augen und ihr Lächeln.
Oft haben wir dann nur ein wenig über dies und das geredet, oder sie erzählte
mir Neuigkeiten aus meinem kleinen Heimatort.

Dann gab es aber auch Tage, die etwas Besonderes waren, zum Beispiel mein
Geburtstag oder Namenstag und ich wußte,was dann kam.
Nach dem obligatorischen  "Hallo Kaninchen, veel Jlöck zum Namenstag,
kann aber leider nicht kommen und muß den leckeren Heidelbeerkuchen,
den ich gemacht habe, ganz alleine essen. "  Den hatte sie immer gemacht und
mitgebracht, wenn sie und mein Vater zu uns kamen. Doch nach dem Schlaganfall,
den mein Vater hatte, konnte er nicht mehr Autofahren und sie kam nur ab und an
mit meiner Schwester zu uns.

Bis heute weiß ich nicht, warum sie mich immer Kaninchen nannte. Hatte keine
Häschenzähne und auf Rohkost war ich auch nicht versessen. Vielleicht hatte
es damit zu tun, daß sie in der Zeit, als sie mit mir schwanger war, nur das essen
konnte, was es zu dieser Zeit bei meinem Opa im Garten gab. Es war ja kurz nach
dem Krieg und es gab auch kaum etwas zu Kaufen. So aß sie das, was zu Hause
wuchs, auch wenn es oft noch grün und nicht reif war. Es hat weder ihr, noch
mir geschadet.

Oft wünsche ich mir, dies nochmal zu hören :  "Hallo, Kaninchen, ech wönsch
dir veel Jlöck zum Namensdach !"
Es sind Erinnerungen, die mir sehr viel bedeuten und so nicht verloren gehn.

 

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