Claudia Ramm

Das Küsschen

Leise Schritte tapsten durch die Dunkelheit der Nacht.

Vorsichtige Atemzüge, nur keinen Lärm machen! Kleine Hände, schweiß feucht, suchten eine Schulter unter der Bettdecke. Endlich gefunden! Sachtes Wachrütteln. Keine Reaktion! Das Rütteln verstärkend, leise Worte hauchend: "Mina, Mina! Wach auf, bitte, bitte, wach doch auf!" Ängstlich abwartend stand Jessica neben dem Bett ihrer Schwester. Endlich zeigte diese eine Regung. "Hmmm, was'n hier los? Lass mich schlafen!" Sprach's und drehte sich mit dem Gesicht zur Wand. "Mina, wach auf, ich muss dir was ganz doll Wichtiges, fFrchtbares zeigen, ehrlich! Wach auf, bitte!" "Uhhh! Das gibt`s doch nicht! So was Wichtiges kann`s mitten in der Nacht doch gar nicht geben!" "Doch, echt, komm mit in mein Zimmer, dann kannst du es selbst sehen!" Jasmina seufzte tief. Wenn sie jetzt nicht mitgehen würde, dann würde die kleine Nervensäge sie ja doch nicht in Ruhe lassen! Also in den sauren Apfel beißen und sehen, was das kleine Monster will und dann schnell wieder ab in die Heia und weiter träumen! Ihr Beschluss war gefasst, noch etwas schlaftrunken und schweren Herzens verließ sie ihr Bett. Jessica ergriff die Hand ihrer großen Schwester und zog sie zu ihrem Zimmer. "Und, was gibt's nun hier zu sehen?" fragte Jasmina gähnend. Jessica zappelte nervös an ihre Hand herum. "Ich hab solche Angst! In meinem Bett ist etwas, ich trau mich nicht hinzugehen! Bitte guck nach ob's noch da ist, ja?" "Na gut, nur keine Aufregung! Was soll da schon sein, hat dich eines deiner Stofftiere gebissen oder was?" Etwas neugierig geworden, ging Jasmina zum Bett und hob die Decke an. "Das gibt`s doch gar nicht, das kann doch nicht sein!!! Nein, bin ich etwa verrückt geworden?" Jasmina trat erschrocken einen Schritt zurück. Im Bett lag tief schlafend ihre kleine Schwester Jessica! "Aber, aber, die stand doch gerade noch hinter mir!" verwirrt drehte Jasmina sich um. Hinter ihr stand keiner! Keine Schwester, keine Jessica, nichts, niemand!!! Jasminas Herz schlug ihr bis zum Hals! Was war hier los? Ihr Blick fiel wieder auf die schlafende Jessica im Bett. Irgendwie sah sie so blass aus, gar nicht gut, und ihre Atemzüge klangen gehetzt. Glänzte da nicht Schweiss auf ihrer Stirn? Vorsichtig legte Jasmina ihre Hand auf die Stirn ihrer Schwester. Feucht kalt und nass! Voller Sorge rüttelte sie Jessica an ihrer Schulter. "Jessica, Jessica, wach auf, was ist mit dir? Bist du krank?" Da schlug Jessica ihre Augen auf. Oh, nein! In ihren Augen glitzerte ein unheimliches Feuer. Ihre kleinen Hände griffen Jasminas Arme und zerrten sie zu sich herunter. Ihre blassen Lippen öffneten sich und zwei nadelspitze Zähne glänzten im Mondschein. "Hab ich dich! Komm, lass dich küssen Schwesterlein! Ein kleines Küsschen nur, tut auch gar nicht weh!" erklang eine gierige Stimme aus Jessicas Mund. Jasmina zuckte erschrocken zurück und .... stieß sich heftig den Kopf! "Auuuu!" Jasmina fuhr in ihrem Bett hoch und sah sich ganz verstört im Zimmer um. "Oh Gott, wie schrecklich! Was für ein furchtbarer Albtraum!" stöhnte sie tief atmend. Da setzte ihr fast das Herz für einen Schlag aus! Neben ihrem Bett stand eine Gestalt! Jessica!!! "Jessica, was willst du hier?"Ihre kleine Schwester verzog ihren Mund zu einem Grinsen und sagte:" Du hast mir noch gar nicht mein Gutenachtküsschen gegeben!!!"

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.07.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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