Andreas Schödl

Endlich Sommer in der Stadt

oder

Viel Durst unter freiem Himmel

 

Es ist plötzlich Sommer geworden, keiner hat damit gerechnet und jeder stellt sich die Frage wo die Zeit geblieben ist. Dabei ist es schon gleich wieder Mitte Juni und wenn ihr den Schrank noch mit Pullis und dicken Socken voll habt, dann ist das echt euer Problem. Ich bin euch da schon Monate voraus, denn das Zeug fliegt mit den ersten richtigen Sonnenstrahlen in ne Kiste und verschwindet im Speicher. Gut, ok, es war dann doch noch oft etwas kühl, aber was soll’s, schon mal was von nem Terrassenheizstrahler gehört ? Aber lassen wir das mit dem Heizstrahler, ist eh zu gefährlich, sonst muß ich euch auch noch die Story von dem riesen Loch in meiner Hauswand erzählen und das würde kein gutes Licht auf mich werfen. Obwohl, so n bißchen Rampenlicht wär schon was. Ne, lieber nicht, zu durchgeknallt das Ganze.

Also bleiben wir beim ursprünglichen Thema, der Sommer ist da und dich zieht es raus nach draußen. Der Lärm der Straße lädt dich auf einen Cappuccino in ein Straßencafe der Stadt ein. Wow, was für ein Klassiker, das dröhnen der Motoren, der Geruch von verbrannten Treibstoffen und das alles an der verkehrsreichsten Kreuzung der City. Wenn du Glück hast und das kommt hier öfters vor, dann knallt es zu deinem Cappuccino auf Höhe deines Tisches und du bekommst zum warmen Getränk auch noch ne spannende Actioneinlage gratis dazu. Du brauchst dich dann nur noch entspannt zurücklehnen und das Live Event genießen, ist das nicht ein Ort der Ruhe und Harmonie? Wir Stadtmenschen sind schon ein seltsames Volk, ich glaub wir brauchen dieses Feeling und hassen es allein zu sein. Anders kann man dieses Phänomen gar nicht beschreiben. Der Oberhammer ist aber das rudelartige Kaffee trinken, welches nicht einmal bei nem fetten Crash auf der Kreuzung unterbrochen wird, außer....... das Alphatier steht plötzlich auf um mehr zu sehn, dann hält es auch den Rest nicht mehr auf den Stühlen. Ein Arbeitskollege sagte mal zu mir, dass es an diesen Orten nur darum geht, zu sehen und gesehen zu werden. Aber ich denke es ist einfach unsere Art sich so zu treffen, um Kontakte zu pflegen. So viel zum Stadtleben. Heute Nachmittag führt mich meine Sehnsucht nach Erholung an den Stadtrand zu den Biergärten, vielleicht tut sich da etwas Hoffnung für die Menschheit auf. Da soll es ja voll mit fröhlich lachenden Menschen sein.
Kommt einfach mal mit.

Ich betrete gerade das Areal der so vielversprechenden Location und meine Hoffnung zerplatzt auf einmal wie n Luftballon. Dachte hier geht's besinnlicher zu, derweil muß man erstmal an zwei in die Hecke kotzenden Halbwüchsigen vorbei, ehe man zu den Tischen vorstößt. Ein Gegröle ist das hier, bin ich jetzt im Bierzelt?  Da is ja voll die Party angesagt, laute bayerische Musik tönt aus den Außenboxen des Lokals und die Meute grölt den Text mit. Herzlich willkommen in Bayern dacht ich mir, bevor ich feststellen mußte, ich bin ja auch aus diesem schönen Lande. Na ja, zumindest riecht es hier nach Hendl und Schweinshaxe und nicht nach Großstadtidylle. Ist auf jeden Fall schon mal  ein Schritt in die richtige Richtung, denn mein Magen brüllt schon ne ganze Weile und verlangt nach Befriedigung. Also nichts wie ran an den einzig freien Tisch.... zu spät, weg is weg und ich muß mich erst einmal nach ner anderen Sitzgelegeheit umgucken. Es ist alles besetzt und ich beschließe mich irgendwo dazu zu setzen. "Ist da noch was frei" frage ich höflich an einem Tisch, besetzt mit vier Mann in Kampftrinker T-Shirts. "Ja logo" brüllt einer von ihnen. Da hab ich ja echt Glück, denk ich so bei mir und setze mich zu ihnen. Als dann endlich die Bedienung kommt, bestell ich mir eine Maß Bier und nen Schweinshaxen mit Knödel und erfahre nebenbei von den geselligen Herren am Tisch, dass sie so gut wie jeden zweiten Tag hier sind. Die sind echt gut drauf und wir kommen während dem Essen ins Gespräch, wo sie mir den Begriff auf ihren Shirts erklären. Auf die Frage wo man so was her bekommt, jaulen sie fast schon im Einklang "Des muast du dir verdiena" und mit einem Lacher klopft der neben mir auf meine Schulter. Mittlerweile wird es echt spaßig hier und ich bestell noch ne Maß von dem herrlichen Gebräu, Schweinshaxn runter spülen. Eigentlich wollte ich euch ja nur die Alternativen zu den Straßencafes zeigen, aber nun verfehlt der urige Trunk auch bei mir nicht seine Wirkung. Nicht nur das ich mich jetzt angeregt mit meinen neuen Freunden unterhalte, nein, ich verspüre den Drang noch eine Maß zu bestellen. Gesagt getan und hier ist der neue Krug, Prost Jungs und mal sehen wer seine Maß exen kann. Ich bin zwar nicht der Beste, aber die dreiviertelte hab ich auch geschafft. Sie meinen dass das ein guter Anfang wäre und ich ruhig noch ein wenig bleiben dürfte. Eigentlich langt es mir schon und ich will gehn, nur sagen trau ich mir das natürlich nicht. Ich mache ein paar Andeutungen in die Richtung und daraufhin bestellen sie 5 Schnäpse, um wie sie meinen, gegen das fette Essen anzukämpfen. Dann lass ich mich halt darauf ein, der Tag ist eh schon gelaufen, da kann ich doch ganz beruhigt weiter saufen.

Verdammt, es ist schon dunkel geworden und die Lampingons des Gartens gehen an, was für eine Stimmungserhöhung. Nun fangen sie auch noch an zur Musik zu schunkeln und ich kann nicht anders, ich muß mitmachen. Ein wildes Gezeche nimmt seinen Lauf und ich bin mein eigener wehrloser Spielball in einem Spiel das zwar Spaß macht, aber nicht wirklich zu gewinnen ist. Es dürfte jetzt so um die 22 Uhr sein, genauer kann ich es auf meiner Armbanduhr nicht mehr entziffern. Mit bereits 7 Maß Bier und 8 Schnäpsen intus wäre das auch kein Wunder. Hätte nie gedacht das ich heut noch laut zu singen anfange, auch wenn man das so bestimmt nicht nennen kann. Ob mir das peinlich ist ? Ne, momentan is mir alles wurscht. Ist doch mal ne willkommene Abwechslung zu meinem tristen Dasein als Möchtegernautor, der kaum Zeit zum schreiben hat. Natürlich wird es so nicht's  mehr mit weiter schreiben, wollte ja noch von den Abenden in diversen Schrebergärten berichten, aber mein Zustand ist jetzt schon sehr bedenklich. Es ist so saugemütlich hier und das Bier läuft runter wie Wasser, so dass ich ehrlich gesagt Gefallen an dieser Art des gemütlichen Beisammenseins gefunden hab und mich hiermit erst einmal verabschiede. "Ja, oa Maß trink ma no"

Idee und Text : Andreas Schödl

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.07.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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