Gherkin

Geheimnis der Haut - diese Story ist nur für Männer gedacht!!

EIN NOVUM - DIESE GESCHICHTE IST NUR FÜR MÄNNER GEDACHT!

Die lausige Kneipe namens „Das düstere Gemüt“ hatte bereits erheblich schlechtere Zeiten erlebt. Vom Ordnungsamt waren die einst vorgesehenen Namen für die Eckkneipe mitten im sogenannten sozialen Brennpunkt, „Des Mohren Gemächte“ und auch, leider, „Die Hinterfotzigen“, aus ziemlich fadenscheinigen Gründen abgelehnt worden. Der Wirt, Freigeist Zebulon „Zeppo“ Stunckenfreyn, auch auf seinen Visitenkarten steht „Freigeist“, er führt die Bezeichnung wie einen Adelstitel, hatte nun ja immerhin den „Philosophie-Stammtisch“ an jedem Mittwoch zu Gast. 6 Personen, die doch meist recht ordentlich Zeche machten. Schon bei den normalen Anforderungen, der Vorlage eines einwandfreien Führungszeugnisses, der Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts sowie der  Pflicht zur Ableistung einer Gaststätten- und Lebensmittel rechtlichen Unterweisung, hatte es ein paar „Unregelmäßigkeiten“ gegeben. Stunckenfreyn durfte sich nichts zuschulden kommen lassen. Der Stammtisch hatte den etwas merkwürdigen Namen „Guffaw Dithyrambus“, den keiner begriff.

Der Zufall wollte es, dass an jenem verhängnisvollen Mittwoch nur zwei der sechs jener Denkergilde anwesend waren. Man nannte sich innerhalb des Zirkels beim Beinamen, den jeder vor Aufnahme erhalten hatte. Es gab die Damen Immersanft und Nimmerwut, die Herren Seltenreich und Hoffart, und eben diese beiden Mitglieder, Herrn Feistwanst und Meister Sonderbregen.

Man hatte, wenig zufriedenstellend, den „gekrümmten Raum“ und die „Parallel-Universen-Theorie“ disputiert. Müde schob man Bierdeckel und Zigarettenschachtel hin und her. Nur zu zweit, da wollte keine rechte intellektuelle Rauflust aufkommen. Beim 9. Bier mit Kabänes kam die Thematik „Weib“ auf. Im Verlauf dieser sehr heiß geführten Diskussion wurden die Herren Feistwanst & Sonderbregen dann vom Wirt Stunckenfreyn, selbst nicht mehr ganz Herr jeder seiner Schritte, mühsam und unter unablässigem Gemurmel („…so geht doch endlich…“, „…nun geht auch schön…“, „…nee, echt jetzt…“ und „…ab dafür, Gesindel!“), mehr oder weniger (un)sanft vor die Wirtshaustür geleitet und geschoben.

Dort hub das Streitgespräch von neuem an. Und um einiges lauter.

Feistwanst: „Und warum, biddeschön, werden die um einiges älter, sach?“ Sonderbregen: „Wie jetzt, das weißt du nicht?“ Feistwanst schüttelte nur energisch den Kopf. Das hätte er mal besser gelassen. Kurze Zeit stand er nur da, sammelte sich, ihm war nicht sonderlich. Sonderbregen aber begann mit seinem Referat:

„Hörst du zu? Gut. Es gibt da nur eine Antwort. Sie schaffen locker 15 Jahre und mehr, weil sie die Haut nicht essen!“ „Die Haut?“ Feistwanst glaubte gar, sich verhört zu haben. Doch Sonderbregen bestätigte lakonisch, nachhaltig nickend.

Die Haut! Sie essen die Haut nicht. Ist es dir denn noch nie aufgefallen? Wann immer es Ente, Gans, Hähnchen oder Truthahn etc. gibt, die Frauen legen die Haut stets beiseite. Später dann überlassen sie das Häufchen ihren Männern. Dabei lächeln sie milde, wenn die krosse Haut den Teller wechselt.

Und, falls es dir aufgefallen ist, oftmals streichen sie den Männern nach dem Mahl sanft über die Glatzen, sehr oft küssen sie ihre Männer auch auf die Stirn. Dieses ganz bestimmte Lächeln, eine bestimmte Art von Nachsichts- und wissendem Lächeln, dem der Mona Lisa sehr ähnlich, verlässt ihre Miene dabei nie auch nur eine Sekunde.

Die perfideste Methode, den haarlosen Schmerbauch neben sich in die Grube zu verbringen, ist, immerhin schon seit mehreren Jahrhunderten, ihn mit Haut ohne Ende zu füttern. Für ihn ist es, schon seit jeher, eine Art Liebesbeweis („O ja, dem Haushaltsvorstand die Haut, dem Nachwuchs die Schenkel und die Knochen, dem treuen Weibe das Bruststück! So ist´s Brauch seit allen Jahren. Und so soll es auch für immer bleiben!“), für die wissende Frau ist es der Tod auf Raten, und zwar für den Göttergatten! Du bist doch auch verheiratet, richtig?

Was du sicher auch nicht wusstest, Feistwanst, ist, dass dieses Wissen von Frau zu Frau, unter dem Siegel der Verschwiegenheit, weitergegeben wird. Nie soll eines Mannes Ohr dies Geheimnis hören, niemals soll ein Mann davon erfahren, ob schriftlich oder mündlich.“

„Wie also bist DU an diese Wahrheit geraten, Meister Sonderbregen?“ fragte Feistwanst.

„Meine Uroma, Gott hab sie selig, 106 Jahre alt wurde sie, dachte auf dem Sterbebett, ihre Tochter hielte ihre Hand. Aber in Wirklichkeit war ich es. Und alle anderen hatten für kurze Zeit den Raum verlassen. Da flüsterte sie mir heiser exakt dieses Geheimnis zu. Dann verstarb sie. Sie hatte mir in noch der letzten Sekunde das Versprechen abgenommen, niemandem je etwas zu sagen, bis dann, eines Tages, meine eigene Tochter an meinem Sterbebette sitzen würde. Ich versprach es feierlich.

„Um Himmels Willen, Mann! Du hast es soeben MIR verraten!“ Feistwanst schien erregt, schwitzte übermäßig. Aber das tat er eigentlich permanent.

„Kein großes Ding… Wirklich nicht. Der Pferdemetzger weiß es auch schon, mein Friseur, der Bäcker und, ja, der Installateur. Ich habe es sicherlich schon um die 2 Dutzend Mal erzählt. Nur würde ich es ganz sicher niemals einer Frau erzählen. Dann wüsste ja die Gegenseite, dass wir Männer Bescheid wissen. Das geht natürlich nicht. Ich bitte dich daher eindringlich, es nur unserem Geschlecht, nicht aber Transsexuellen oder…. Ach, weißt du was? Allen LSBTI wirst du nichts verraten, o.k.?“

„Wie jetzt, auch Schwulen und Bi-Männern nicht?“

„Ja, ja… Auch denen nicht. Nur zur Sicherheit. Die gehören ja irgendwie zur Hälfte zur Gegenseite.“

 Man stand noch lange nur so da und schaute einander vielsagend in die trüben Augen. Schließlich…

…sammelte man sich, richtete die Kleidung und marschierte, leicht schwankend, heimwärts. Feistwanst konnte man fragen hören: „Isst du denn jetzt noch immer die Haut, Meister Sonderbregen?“

Die (potenzielle) Antwort wurde nicht übermittelt.

Es gilt jedoch als sicher, dass Feistwanst ab diesem Tag nie wieder die Haut gebratenen Federviehs aß (er lehnte bei Tisch stets höflich ab, wenn sie ihm vom liebenden Eheweib angeboten wurde; und der Blick, den er seiner Gattin dabei zuwarf, konnte von ihr nicht zweifelsfrei zugeordnet werden) und im Folgenden keinen noch so lieb gemeinten Kuss auf seine Stirn zuzulassen imstande war. Das barsche Ablehnen und brüskierte Wegschieben verschlechterte die Atmosphäre zusehends, denn Feistwansts Frau pflegte ihren Gatten bei jeder sich bietenden Gelegenheit sanft auf die Stirn zu küssen, zumal ja jeder wusste, dass sie gute 15 Zentimeter größer war als er, da bot es sich ja nachgerade an.

Feistwanst erlag schließlich einer Lebensmittelvergiftung. Sonderbregen konnte sich eines zynischen Kommentars nicht enthalten: „Krosse Haut brachte ihn unter die Erde! Berge von Haut! Er konnte es, wider jede Vernunft, einfach nicht lassen… Obschon er meiner Weisheit Worte trank! Dennoch…“

Falls der geneigte Leser nun ein Mann ist, möge er über das Gelesene schweigen. Sollte Gott bewahr´  uns ein weibliches Wesen diese Zeilen gelesen haben, so möge es bitte all dies als das dumm dreiste Geschwätz eines tumben Kerls ansehen, der lediglich 2 Paar Schuhe besitzt! Danke.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.07.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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