Irene Beddies

Spielverderber



Spielverderber

Greta machte mit den Kindern einen Wochenendausflug an die Ostsee. Da Ferien waren, fuhren sie schon am Donnerstagabend los. Klaus konnte nicht mit von der Partie sein, denn seine Firma hatte ihn zu einem Fortbildungs-Seminar geschickt.
Gleich am Freitagmorgen verließen sie nach dem Frühstück die Ferienwohnung und gingen an den Strand.
Berta zog sofort ihre Schuhe aus und lief ans Wasser, um die Temperatur zu prüfen. Erschrocken rückte sie drei Schritte zurück, denn das Wasser schien ihr viel zu kalt zum Baden. Was also sollte sie hier?

Greta schlug vor, sie könnten gemeinsam eine Sandburg buddeln, schließlich hätten sie die Schaufeln ja mitgenommen. Eifrig legten sie los. Berta aber fühlte sich im Weg, denn Mira und Paolo bestimmten, wo und wohin der Sand geschaufelt werden sollte.
Also beschloss sie, eine eigene kleine Burg zu bauen. Nein, es sollte ein richtiges Schloss werden. Sie häufte also Sand zu einem Haufen, der immer höher wurde. Mehrmals klopfte sie den Sandberg fest, damit der Sand nicht so leicht ins Rutschen kommen konnte. Zwischendurch begoss sie ihn auch vorsichtig mit etwas Wasser aus dem kleinen Eimer.

Der Berg hatte nun die richtige Höhe. Berta fing an, ihm vorsichtig Fenster und Türen mit einer größeren Muschelschale in seine Flanken zu graben. Dann lief sie an die Wasserkante und suchte Muscheln und hübsche Steine. Die legte sie in einem schönen Muster um die Fenster und die Tür. Oben auf der fertigen  Burg hisste sie eine Fahne aus einem Stöckchen, an das sie eine Möwenfeder mit einem Grashalm befestigte.  Stolz zeigte sie den Geschwistern ihre Burg. Paolo meinte, sie müsste noch einen Graben um das Schloss machen und aus einem Stück Holz, das er beim Buddeln gefunden hatte, eine Brücke darüber legen.

Es wurde Zeit, das Picknick zu verzehren. Danach sollten die Kinder sehen, ob das Wasser zum Baden geeignet wäre. Andere Strandbesucher vergnügten sich bereits im Wasser.
Wenn auch zuerst etwas zaghaft, gingen alle ins Wasser, an dessen Kühle sie sich schnell gewöhnten. Wenn es ihnen zu kalt wurde, setzten sie sich ein Weilchen in die heiße Sonne. Dann gingen sie wieder ins Wasser.

Als Berta nach drei Stunden wieder zu ihrem Schloss kam, war sie entsetzt. Alles war zusammengerutscht und zerbröckelt.
„Mama, mein Schloss ist kaputt!“ Greta besah sich den Schaden und meinte:
„Da war die Sonne ein böser Spielverderber. Sie hat alles getrocknet. Dabei ist der Sand allmählich nach unten gerutscht.“ „Blöde Sonne!“, schrie Berta aufgebracht und streckte der Sonne ihre Zunge heraus. Greta tröstete sie und schlug vor, am nächsten Tag sollte Berta ein neues, viel schöneres Schloss bauen. Sie würden es dann fotografieren. „Dann kannst du es immer ansehen im Fotoalbum.“

Am nächsten Tag überzogen Wolken den Himmel. Trotzdem gingen sie wieder an den Strand. Paolo und Mira stürzten sich gleich ins Wasser. Berta baute wieder eine Burg, größer als gestern und viel schöner verziert.
Als sie ihre Geschwister immer noch jauchzend im Wasser sah, lief auch sie dorthin und stürzte sich ins Nass.

Plötzlich ertönte lautes Grollen, und auch von oben wurden sie nass. Ein heftiger Regenschauer prasselte vom nun ganz dunklen Himmel.
„Meine Burg“, schrie Berta und raste zu ihrem Kunstwerk. Auch diesmal war die Burg zerstört, Wasser sammelte sich in dem Graben, der sich zusehends mit dem Sand des Schlosses füllte. Und es war noch kein Foto gemacht! „Spielverderber, Spielverderber“ wütete Berta und drohte dem Himmel mit ihren Fäusten.

Bald schon hörte der Husch auf, aber es war nichts mehr zu retten.
„Morgen baue ich nichts mehr, wenn immer ein Spielverderber alles kaputt macht“, rief Berta laut in die Runde.

 

© I. Beddies


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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.07.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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