Jürgen Malodisdach

Kalle

Kalle.....und......Kalle

 

Kalle, naja genaugenommen hieß er Karl-Heinz, bis vor zwei Jahren, als sein Leben endete.

Ich habe lange überlegt, ob ich ein bißchen aus seinem Leben erzählen kann oder sollte oder auch darf. Ob ihm das Recht wäre? Er war ja nie jemand der in der Öffentlichkeit stand oder stehen wollte.

Trotzdem er gelernt und studiert und auch gearbeitet hatte, in einem geachteten Beruf als Brückenbauer.

Er hat allerdings nur sehr wenig und selten etwas aus dieser Periode seines Lebens erzählt. Vielmehr habe ich meistens nur beiläufig einiges erfahren, nachdem wir uns schon länger kannten.

Unser Kennenlernen war auch nicht alltäglich. Eher komisch.

Und das begann folgendermaßen.

Wie jeden Tag ging ich mehrmals täglich mit Tobi, das ist mein kleiner freundlicher Hund, spazieren. Wir waren auf dem Nachhauseweg, als plötzlich ein fremder Hund vor uns stand. Tobi war wohl selbst überrascht, das da mit einem mal ein etwas größerer Hund , so halb Schäferhund und halb Schaf oder Ziege, dem Kopf nach jedenfalls, ganz nah vor mir auftauchte und meine rechte Hand leckte.

Ich habe ja keine Angst, war nur überrascht. Es war ja weit und breit kein Herrchen oder Frauchen zu sehen, denen man das Tier zuordnen konnte.

Im Übrigen machte dieser sonderbar aussehende aber ganz friedliche, freundliche, strubbelige Vierbeiner einen sehr gemütlichen Eindruck. Etwas unterernährt, dafür mit verfilztem und schmutzigem Fell.

Es war ziemlich warm an diesem Nachmittag, kaum Menschen auf dem Weg. Da stand ich nun mit zwei Hunden. Tobi hatte ja eine Leine mit Geschirr und Hundemarke. Der fremde Hund hatte leider nichts am Körper. Nur seine Augen blickten mich ziemlich müde und auch wie mir schien, hungrig und durstig an.

Was lag also näher in meiner Vermutung an als anzunehmen, daß das Tier irgendwo ausgesetzt oder ausgerissen war.

Sowas tut mir immer leid. Tobi umkreiste den Rüden und fand ihn wohl auch sympatisch. Es gab keine Probleme zwischen uns.

Wir waren auf einer Wiese, an einem Abhang, nur ein paar Minuten vor unserer Haustür. Deshalb hielt ich es für das Beste mich hinzusetzen. Die Hunde taten das Gleiche. Einer rechts und einer links. Ich mußte innerlich lachen.

Wenn jetzt andere Spaziergänger hier vorbei kommen würden, hätten die bestimmt Grund zum Schmunzeln gehabt.

Das war aber im Moment ohne Bedeutung. Viel wichtiger erschien mir, die Tiere etwas zu versorgen. Wenn ich mit Tobi, noch dazu an warmen Tagen unterwegs war, habe ich stets eine Flasche mit Wasser dabei gehabt.

So auch jetzt. Ich öffnete die Flasche und goß das kostbare Nass in eine Schale. Aus der Flasche kann ja ein Hund nur schlecht trinken.

Tobi hat nur eine Kleinigkeit getrunken. Unser neuer Begleiter war da ganz anders. Er trank so gierig die ganze Flasche leer und bedankte sich auch für die von mir angebotene Knabberstange stürmisch , indem er mich an Händen und auch im Gesicht auf Hundeart ablecken. wollte.

Ich hatte einen neuen Freund gefunden.

So saßen wir drei Gestalten im Gras. Ich in der Mitte, an einer Seite mein Tobi, auf der anderen Seite unser neuer noch unbekannter Freund.

Ein paar Minuten dauerte dieses gemütliche Beisammensein. Würde jetzt ein zufälliger Wanderer vorbeikommen, wäre er vielleicht erstaunt oder belustigt oder auch angenehm überrascht über diese Idylle von Mensch und Tieren an diesem wunderschönen Nachmittag.

Mitten in den besinnlichen Gedanken kam dann auch ,wie schon lange erwartet, das Ende der gemütlichen Runde.

Ich merkte, wie Tobi sich regte und seinen Kopf drehte. Der Freund auf meiner anderen Seite wurde auch unruhig, stand langsam auf und begab sich zögernd ein paar Schritte in Richtung einer Gestalt, die gerade jetzt dort auftauchte.

Eine etwas eigentümliche scheinbar männliche Gestalt näherte sich uns.

Das Aussehen dieses ungefähr einssechzig großen Mannes war etwas mehr als, sagen wir mal komisch bis seltsam. Man stelle sich einen Menschen vor , der einen etwas grünen Kopf hatte. Hervorgerufen von einer sehr verblichenen, alten und speckigen Schirmmütze, die einmal richtig grün gewesen sein könnte.

Sein Gesicht war ganzflächig, also vom Mützenrand bis zum Hals von einem sehr ungepflegten Bart bedeckt.

Auch der schimmerte grünlich. Das war mir unverständlich.

Dazu hatte er so richtig hervostehende Glubschaugen und eine Knubbelnase. Die Ohren waren vom Bart überdeckt. Somit konnte ich dazu nichts sagen. Sein Mund war leicht geöffnet . So war zu sehen, daß ihm auch ein paar Zähne fehlten.

Dazu trug er eine , ich würde sagen Jacke, die auch bräunlich bis grünlich schimmerte und eine graubraune Cordhose. Abgerundet wurde das alles von ein paar ausgelatschten Sandalen unbestimmter Farbe.

Auf dem Rücken hing ihm ein unförmig gepackter Rucksack. Der war genauso abenteuerlich und unansehnlich, wie die ganze Menschengestalt. Dieser Rucksack schmiegte sich so an seinen Körper, daß man den Eindruck gewinnen konnte, daß der Herr einen größeren Buckel hätte.

Ich war teils schockiert, teils amüsiert und teils erschüttert.

Als umschriebene Charakteresierung seiner Person würde ich auf Grund seines gesamten Aussehens diesen Menschen als vollbärtigen Frosch bezeichnen.

Der Hund ging auf diese Erscheinung mit leicht wackelndem Schwänzchen zu und blieb dann vor ihm stehen.

Da bist du ja , du altes Mistvieh, waren die Worte ,die ich aus dem Munde dieses offenbaren Mannes vernahm. Er meinte natürlich den Hund, der irgendwie reumütig vor ihm stand. Was ich nun wieder nicht verstehen konnte. Denn ich hatte keine Ahnung warum der freundliche Hund so betitelt wurde.

Wenn du nicht immer abhauen würdest, bräuchte ich nicht stundenlang nach dir suchen und auch noch die Behörden dazu einspannen, meinte er.

Er nahm einen langen Strick, so eine Art Wäscheleine von seiner Schulter, machte eine Schlinge und legte diese dem Hund über den Kopf um dessen Hals.

Ich war unangenehm berührt von dieser Tat. Er war zwar nicht bösartig in seiner Handlung dem Tier gegenüber, aber trotzdem wirkte das abstoßend auf mich.

Dein Hund hat Durst und vielleicht auch Hunger, sagte ich zu dem Menschen. Müßtest dich mal etwas um deinen Begleiter kümmern.

Der hatte sich bisher noch mit keinem Wort zu mir geäußert. Weder ein paar Begrüßungsworte noch irgendwelche andere Bemerkungen gemacht. Das änderte sich auch jetzt nicht.

Was war das nur für ein Mensch, oder bärtiger Frosch , der hier durch seine Verhaltensweise keine Sympathie erringen konnte. Auch eine Anteilnahme oder Verständnis über seine gesamte Erscheinung waren nicht da.

Seine Augen, die bisher ausdruckslos nach unten blickten, richteten sich etwas nach oben. Er sagte weiterhin kein Wort. Drehte sich nur um, nahm seinen Hund, der angeseilt neben ihm stand und machte einige Schritte in die Richtung , aus der er vor Kurzem gekommen war.

Drehte sich noch einmal um und sagte nur ein Wort zu mir : Danke

 

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Fortsetzung: Kalle 2

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.08.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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