Gertraud Widmann

Die etwas andere Brotzeit


Unsere Mutter achtete auch in der „schlechten Zeit“ darauf, dass
wir uns gesund ernährten. Darum gab
sie meinem kleinen Bruder
und mir, wenn wir zur „Spielwiese“ gingen, zum Butterbrot (aber
meistens war`s nur Margarine) immer „Gemüse“ mit. Zum Beispiel
Gelbe Rüben“ (Karotten) und Kohlrabi in Scheiben.
Übrigens, oben genannte Spielwiese war eine große, eingezäunte
Rasenfläche, die die Stadt München den Kindern zur Verfügung
gestellt hatte. Und für Ordnung sorgte ein städtischer Angestellter
in „Uniform“ (Arbeitsmantel mit Stadtwappen und Dienstmütze),
der Stunde um Stunde hier seine Runden drehte.

Jedenfalls, bei schönem Wetter verbrachten wir hier täglich nach
der Schule, oder in den Ferien, unsere Freizeit. Hier trafen wir all
unsere Freunde, ratschten, spielten und machten, wenn`s Zeit
dazu war, Brotzeit.
   Man kannte meinen Bruder und mich und wusste auch, dass wir
 immer Gemüse dabei hatten. Aber ausgelacht hat uns deshalb
niemand, sie wollten höchstens etwas davon abhaben.

Eines Tages stand plötzlich ein Mädchen vor uns - teures G´wand
und arrogantes G´schau. Ich seh` sie noch heute vor mir, wie sie
mit ihren roten Schuhen auf und ab wippte.
   »Tach zusammen!«, sagte sie.
Auweh, a Preiß! (Nicht böse gemeint ...)
  Da stand sie nun und sah mit hochgezogenen Augenbrauen auf
unsere ausgepackte Brotzeit.
   »Ich habe ein Trüffelleberwurstbrot und ein Brot mit richtigem,
französischen Käse dabei!«, sagte sie und grinste.
   Ja a so a bläde Kua (blöde Kuh), a bläde, dachte ich mir gerade
noch, da bemerkte ich meinen Bruder. Sein Gesicht war rot, seine
kleinen Hände hatte er zu Fäusten geballt - das machte er immer,
wenn er sich ärgerte - und schrie dann auch schon los:
   »Und ... und wir haben gesottenes und gebratenes Rebhuhn
dabei - da
ss` di auskennst!«

Woher er die Bezeichnungen kannte wissen wir beide nicht mehr,
aber von da an hießen Kohlrabi-Scheiben und Gelbe Rüben:

                  „Gesottenes und beratenes Rebhuhn“

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Gertraud Widmann).
Der Beitrag wurde von Gertraud Widmann auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.08.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Anna - steiniger Weg von Irene Zweifel



Anna ist herangewachsen zu einer jungen Frau. Die Suche nach ihrer eigenen Persönlichkeit gestaltet sich für die adoptierte Anna nicht einfach. Wird sie es schaffen, sich den Weg - der steinig und reich an Hindernissen ist - dorthin zu bahnen, wo sie endlich inneren Frieden finden kann?
Nach «Anna - wie alles begann» beschreibt dieser zweite Teil des autobiographischen Werks von Irene Zweifel das Leben einer jungen Frau die vom Schicksal nicht nur mit Glück bedacht wurde:einer jungen Frau mit dem unbeirrbaren Willen, ihr Leben - allen Schwierigkeiten zum Trotz - besser zu meistern als ihre leibliche Mutter ihr das vorgemacht hatte.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Erinnerungen" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Gertraud Widmann

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Theater von Gertraud Widmann (Erinnerungen)
Die Zecherl der Bäume von Adalbert Nagele (Erinnerungen)
SIE und ER von Julia Russau (Alltag)