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Hurra, hurra - der Wolf ist da!(sat. Kommentar)

Hurra, hurra, der Wolf ist da ( sat.Kommentar)

 

Immer häufiger hört man davon: Der Wolf ist zurückgekehrt nach Deutschland.

Immer häufiger hört man Tierschützer oder irgendwelche wolfskundigen Menschen jubilieren und beteuern, wie schön und wichtig das für unser Land ist. Heute wieder in irgendeiner dieser bürgernahen Sendungen, die vorgeben, über unverzichtbar Wichtiges zu informieren, spricht sich einer für den Wolf aus. Einer, der wirkt wie ein Grüner in den 80 -iger Jahren, also seriös, kompetent und überzeugend.

Nach Angaben solcher Typen ist der Wolf ein soziales Wesen, das nur ganz selten Kühe, Schafe, Hühner angreift und Menschen schon gar nicht, weil er sie als ebenbürtigen „Großen Beutegreifer“ ansieht. Na, prima, aber was weiß ich, wie so’n Wolf gerade drauf ist, wenn ich ihm begegne: Ob er mich mehr als Rotkäppchen sieht oder als ranggleichen Jagdgefährten.

Oder ob er gar denkt, dass mein Haushund, den ich an der Leine führe und der abends mit mir auf der Couch sitzt und Tatort schaut, meine soeben gerissene Beute ist, die ich ja vielleicht mit ihm teilen kann?

Hey, Leute, geht es noch? Wir haben Terroristen , Trump, Erdo und Merkel - was brauchen wir da noch „große Beutegreifer“, die uns auf Spaziergängen beobachten und uns hinterherlaufen? Haben wir nicht genug Action? Nein, danke.

Seitdem ich weiß, dass in Niedersachsen und in Brandenburg vermehrt Wölfe auftreten, will ich lieber im Mief von Bayer Leverkusen durch eine gelbe Dunstwolke im japanischen Garten spazieren, als dort Urlaub machen und mir den Wald in Cuxhaven mit Wölfen zu teilen.

Ich meine, das Schöne an unserer Zivilisation ist doch, dass wir, wenn wir unter einem Baum stehen, heute in NRW schlechtestenfalls erwarten können, dass uns eine dickleibige Taube auf den Kopf kackt, nicht aber, dass uns ein Luchs an den Hals springt.

Nein, ich bin kein „Großer Beutegreifer“ und mein Mann ist kein Jäger und Sammler. Wenn wir Hunger haben und der Kühlschrank leer ist, dann lassen wir uns von Mäcces einen Burger braten, beim Türken einen Döner grillen oder beim Italiener eine Pizza backen.

Wir reißen nicht und wir teilen nicht mit einem Wolf, der uns, wenn wir Glück haben als ebenbürtigen Jagdgefährten ansieht, wenn wir Pech haben als unterentwickeltes und lahmfüßiges Großwild.

Das Üble, auch für Landwirte ist, dass Wölfe ihre Beute nicht auffressen. Sie verletzen sie schwer und lassen sie dann liegen. Für manchen Landwirt nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust, sondern auch Tierquälerei eines liebgewordenes Tieres. Herdenschutzhunde sollen sie sich anschaffen, also so Riesenviecher wie Owtscharkas, Komondors, Kangals oder Fila Brasiliero, Tiere also, mit denen nicht jeder kleine Landwirt zu tun haben will, denn solche Hunde gehören in erfahrene Hände. Nicht jeder kleine Bauer in Cuxhavener Land möchte so was auf dem Hof haben. Weiß er doch nicht, wer gefährlicher für seine Kinder ist, der Wolf oder der Köter. Normale, domestizierte Hütehunde aber können gegen Wölfe nichts ausrichten. Selbst der standhafte deutsche Schäferhund hat da keine Chance.

 

Warum mutete man dem deutschen Bürger so etwas zu? Weil der Wolf nun mal da ist?

Und dann? Wenn der erste Bär oder Luchsvon Polen über die Grenze schleicht, haben wir dann wieder Bären und Luchse in unseren Wäldern?

Tierschutz in allen Ehren, aber diese Gattung Raubtiere gehört nicht mehr in ein zivilisiertes Land. Die Abneigung komme nur daher, sagt der 70- iger Grüne im TV, weil wir seit 170 Jahren nicht mehr mit großen Beutegreifern leben müssten. Jaaa!- Und gut ist das so!

Wir schlafen ja auch nicht mehr in Lehmhütten und laufen in handgenähten Lederpuschen durch den Wald und sammeln Früchte. Wir sind digital, haben Heizung, fahren SUV und kaufen unsere Pilze in klimatisierten Discountern.

Ich bade ja auch in der Nordsee und nicht in Australien, wo Haie in den Meeren schwimmen. Oder ich gehe ins Freibad, wo mir außer der Taucherflosse eines ungezogenen Lümmels nichts an die Beine schlägt.

Die gewisse Blauäugigkeit, mit der Wolfsfreunde dieses Wildtier sehen, ist verantwortungslos. Der Wolf ist nachgewiesen intelligent, hat jahrhundelang Abstand vom Menschen gehalten, da er sein natürlicher Feind war. Er wird sich adaptieren, sobald er versteht, dass vom Menschen keine Gefahr für ihn ausgeht. Dass er dies schon, tut zeigt, dass er Spaziergänger, wie mehrfach berichtet, verfolgt hat und ihnen sehr nah kam. Dies würde ein normaler, scheuer Wolf nicht tun. Er testet uns und wird uns, wenn wir den Test nicht bestehen, bis in die Städte auf den Pelz rücken.

 

Mag sein, ich bin ein Angsthase. Aber ich möchte nicht abends , wenn ich noch kurz Zigaretten holen gehe, in die undefinierbaren Augen eines Wolfes blicken, der meint, irgendwann muss da doch jemand rauskommen aus der gut gesicherten Bude.

Ich möchte mich nicht im Wald ewig umdrehen müssen, ob da ein Wolf, Bär oder Luchs lauert. Darum habe ich mir ausgesucht, erst 1957 geboren zu werden. Sonst wäre ich im Mittelalter schon gekommen. Nein, ich bin nicht Jeanne D’Arc und mein Mann ist nicht Tarzan. Und ich sage: Schafft den Wolf dahin, wo er hergekommen ist oder hinter die gesicherten Zäune eines Wildschutzparks.

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.08.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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