Manfred Bieschke-Behm

Die nasse Hose


Der Tag heute zählt nicht zu meinen Lieblingstagen‘, denkt Elisabeth Köberling, als sie aus dem Fenster in ihren feuchten Garten schaut. ‚Wann hört es denn nun endlich auf zu regnen?’, fragt sie sich. Als sie gegen ein Uhr aus dem Fenster sah, hatte es bereits geregnet. Gegen fünf Uhr regnet es genau noch so. Und jetzt um fast neun Uhr regnet es immer noch. Zum Regen dazu hat sich auch noch ein ungemütlicher Sturm gesellt.‚Der Wetterbericht hatte doch ganz was anders versprochen. Auf nichts ist mehr Verlass, stellt Frau Köberling fest, während sie Kaffeewasser aufsetzte. Mit einer Tasse, gefühlt mit frischem duftenden Kaffee, begibt sie sich erneut zum Fenster beobachtet Regen und Sturm und entdeckt etwas in ihrem Garten, das dort nicht hingehört. ‚Was ist das, was da unter dem Pflaumenbaum liegt?’, überlegt sie. ‚Es sieht aus wie eine Hose. Meine ist es nicht‘, stellt sie mit Bestimmtheit fest. Aber wer um Gottes willen legt seine Hose unter meinen Pflaumenbaum? Komisch. Der Nachbar wird es doch nicht gewesen sein? Und wenn doch? Warum? Kein Mensch wirft Hosen in Nachbars Garten. Allerdings Herrn Schneiderhahn ist alles zuzumuten’, überdenkt Frau Köberling.’ Der ist sich doch für keinen Gag zu schaden. Aber vielleicht ist es auch gar keine Hose, sondern nur ein lausiger Lappen den der Sturm in meinen Garten geweht hat. Am besten ich gehe der Sache auf den Grund.’ Argwöhnend schaut sie aus dem Fenster und stellt fest, dass der Regen nachgelassen hat. Auch der Sturm hat sich gelegt. Vorsichtig öffnet sie die Tür zu Garten und wagt sich hinaus. ‚Regnet doch noch. Stärker als ich dachte’, stellt sie fest lässt sich dennoch von ihrem Vorhaben nicht abbringen. Tatsächlich liegt im Garten von Frau Köberling eine Hose. Eine kurze Herrenhose. Größe 56 wie sich vom Etikett ablesen lässt. ‚Könnte dem Nachbarn passen’, schätzt Frau Köberling, die sich die triefende Hose vor die Nase hält. ‚Ich nehme die Hose erst einmal mit rein. Hier draußen wird sie nicht besser. Danach sehen wir weiter.’ Frau Köberling schnappt sich das Teil und bewegt sich in Richtung Eingangstür. Ohne, dass sie es gemerkt hat, war die Tür ins Schloss gefallen und ließ sich nicht öffnen. ‚Verdammt’, flucht sie und rüttelt an der Tür. Nichts tut sich. ‚Was mach ich jetzt bloß?`, überlegt sie während der Regen an Stärke wieder zunimmt. ‚Die Tür muss sich verklemmt haben. ist schon mal passiert.’ Frau Köberling erinnert sich, dass sie damals ihren Nachbarn um Hilfe gerufen hatte. Sie findet, was damals geholfen hatte, könnte auch heute klappen.

Herr Schneiderhahn sind Sie da?“, ruft sie quer über ihren Garten hinüber zum Garten ihres Nachbarn. Sie wartet einen Moment. Es kommt keine Reaktion. Sie ruft ein zweites Mal. Diesmal noch ein bisschen lauter: ‚“Herr Schneiderhahn sind Sie da?“

Endlich meldet sich Herr Schneiderhahn: „Was ist denn los Frau Köberling?“, erkundigt sich der überraschte Nachbar.

„Ich komme nicht ins Haus. Die Tür klemmt. Können Sie mir noch einmal helfen?“

„Ich komme gleich rüber zu Ihnen. Ich muss nur noch meine Hose finden.“

„Ihre Hose, so vermute ich, halte ich pitschnass in der Hand.“

„Na dann ist ja alles bestens. Ich komme Frau Nachbarin.“

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