Klaus-Peter Behrens

Der Kater und sein Magier, 15

Nach einer guten Ewigkeit durch die Eingeweide des Waldes tat sich schließlich eine Lichtung und damit unser nächstes Problem vor uns auf. Die Lichtung entsprach im Rund gut und gern dem Umfang unseres Burghofs, und stand diesem an Lebhaftigkeit an einem gut besuchten Markttag in nichts nach. Sah man einmal davon ab, daß ich nur schwer bewaffnete Waldbewohner entdecken konnte. Die Aussicht auf Flucht hatte sich gerade von höchst schwierig zu unmöglich entwickelt. Der Kater war ebenfalls nicht gerade erfreut über die waffenstarrende Menge um uns herum.

„Hey Jungs, ich hab ‘ne Überraschung für euch. Der Krieg ist vorbei“, brummte er sarkastisch.

„Wer hat gewonnen?“, fragte einer unserer Bewacher überrascht, worauf Mikesch nur die Augen verdrehte.

„Euch ist echt nicht zu helfen“, maunzte er. „Ihr hättet eure Medikamente nicht einfach absetzen dürfen.“

Während der Gescholtene versuchte, diese Information zu verarbeiten, meldete sich die Oberstrumpfhose wieder zu Wort.

Stillgestanden!“, brüllte sie im besten Kasernenjargon, der meine Ohren klingeln ließ, kaum daß wir die Mitte des Platzes erreicht hatten. Weiter wären wir ohnehin nicht gekommen; denn die neugierige Menge, die sich inzwischen um uns gescharrt hatte, bildete einen festen Wall, vergleichbar den trutzigen Mauern von Finsterburg. Im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stand der Kater, was ihm angesichts der Kommentare seiner Bewunderer sichtlich wenig zusagte.

„Das Fell sieht schön warm aus“, krächzte ein verhutzelter Alter gerade, der mit einem verdammt scharf wirkenden Messer bewaffnet war. „Das hilft bestimmt gegen Rheuma.“ Während der Blick des Alten nachdenklich zwischen Mikesch und seinem Messer hin und her wanderte, machten sich die Jüngsten einen Spaß daraus, dem Kater am Fell zu zerren. Wenn das so weiter ging, würde er bald aussehen wie ein gerupftes Huhn. Gelegentlich fauchte er halbherzig oder hob drohend eine seiner Pranken, was die Menge jedoch nur noch mehr aufstachelte. Mir war bewusst, daß der Kater sich nur deshalb nicht ernsthaft zur Wehr setzte, weil er keine Lust hatte, als Stachelschwein zu enden.

„Schluss jetzt!“, herrschte Hilly schließlich die erhitzte Menge an, worauf zu meinem Erstaunen sofortige Ruhe einkehrte. Mit Hilly war offenbar nicht gut Kirschen essen. Die Ansammlung löste sich genauso schnell auf, wie Eis im Hochofen. Nur Hilly’s Begleiter leisteten uns zu meinem Bedauern weiterhin Gesellschaft.

„Es kommt selten vor, daß sich jemand in unsere Gefilde verirrt“, eröffnete Hilly das Gespräch mit einer Betonung in der Stimme, die mich aufhorchen und befürchten ließ, vor dem Inquisitionsgericht gelandet zu sein.

„Wenn sich eure Art, Fremde zu begrüßen, herum gesprochen hat, wundert mich das nicht“, brummte der Kater, doch Hilly ignorierte ihn.

„Entweder seid ihr Spione des Sheriff‘s von Schrottingham oder ihr möchtet unserer Truppe beitreten. Nun, was trifft zu?“

„Nichts von beiden. Ich sagte es dir doch bereits. Wir folgen den Spuren eines Reiters. Wir nehmen an, daß dieser etwas mit dem Verschwinden von Prinzessin Nobeline zu tun hat, für deren Wiederauffinden wir die Verantwortung tragen.“

Hillys Augenbrauen wanderten in die Höhe.

„Das ist das Abgefahrenste, was man uns bisher aufgetischt hat. Ein Jüngling, der noch grün hinter den Ohren ist und ein sprechendes Pelzknäuel sind in fürstlichem Auftrag unterwegs.“ Raues Gelächter der Bewaffneten begleitete ihre Worte. „Das ist noch unglaubwürdiger als die Geschichte von Schrottinghams Spitzeln, die als angebliche Pilzsammler im letzten Herbst hier auftauchten. War spaßig, als wir sie ihre gesammelten Pilze haben verspeisen lassen. Seid dem sind in Schrottingham wieder zwei Stellen offen. Und nun kommt ihr Figuren daher gelaufen und habt eine noch unglaublichere Geschichte auf Lager. Glaubt ihr wirklich, ihr könntet uns für dumm verkaufen?“

Die Antwort lag mir auf der Zunge, aber ich hielt es für klug, diese Frage nicht näher zu erörtern und hoffte nur, daß Mikesch ausnahmsweise zu der gleichen Überzeugung gelangt war. Leider kannte ich den Kater noch nicht gut genug. Von Diplomatie hielt er offenbar genauso wenig wie der Meister von der Körperpflege.

„Aber Liebchen“, schnurrte er. „Bei dem aktuellen Marktpreis für degenerierte Waldschrate würde sich der Aufwand doch gar nicht lohnen.“ Der Kater streckte sich lässig. „Also Süßlippe, wie sieht’s aus? Kannst du uns helfen?“

„Kommt drauf an. Zunächst mal sollten wir klären, ob ihr für oder gegen uns seid! Wenn ihr für uns seid, schließt euch uns an.“

„Was wäre denn, wenn wir – nun sagen wir mal – andere Pläne hätten, die einer längerfristigen Bindung an diesen elitären Klub entgegenstehen würden?“, fragte ich vorsichtig.

„Nun..“, hub Hilly bedeutsam an, „...wir haben noch ein paar Pilze übrig.“

„Prima, wo muß ich für meinen Mitgliedsausweis unterschreiben?“, fragte Mikesch.

Hilly sah den Kater mit schräg gelegtem Kopf an.

„Den bekommt ihr nach der Aufnahmeprüfung.“

„Aufnahmeprüfung“, echoten wir.

Hilly nickte bedeutsam.

„Schließlich wollen wir keine Hasenfüße bei uns aufnehmen. Na, dann kommt mal mit.“

wird fortgesetzt........

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.08.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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