Jürgen Berndt-Lüders

Caramba, mir kocht der Blutt!!!

Früher war alles leichter. Ich wusste genau, dass ich nur das Brotmesser hätte nehmen müssen und ab in den Wald. Ein paarmal laut Scheiße schreien und das Messer mit aller Kraft in den Stamm stoßen. Aber heute komme ich höchstens einen Zentimeter tief. Die Klinge bricht vielleicht ab. No way.

Mir fällt bestimmt noch was Wirkungsvolleres ein..

Zuerst habe ich heute früh meine Lebendfallen für – oder besser gegen – Mäuse in der Wohnung eingesammelt und nach draußen gebracht. Klappen auf, Mäuse umgesiedelt und wieder Richtung Haustür. Da ruft mich meine Nachbarin. Ich soll die Mäuse killen mit so Mini-Bärenfallen, wo die Fangeisen in die Mäusekörper schlagen und wo das Blut spritzt. Ihre Augen  leuchten bei dem Vorschlag. Vielleicht bringt ihr das die Befriedigung, die ihr sonst fehlt?

Mir fehlt heute auch irgendwas. Aber was? Das muss richtig fetzen!

Mäuse kaputt machen? Nee, denke ich. No possibility. Mein Gegner muss mir zumindest ebenbürtig sein. Sonst bin ich unterfordert.

Aber irgendwie kann ich in die Zukunft schauen...

Ich gehe also ins Internet zu den personal communities, wo angeblich immer die schärfsten Hasskommentare  geschrieben werden, vielleicht kann ich da ja einen saftigen Spurch los werde. Am besten bei jemandem, der diese Woche 60% Zustimmung für die Wiederwahl findet. Aber da ist noch nichts los, die Spießer pennen alle noch, also logge ich mich auf der Seite ein, wo sie Artikel schreiben. Vielleicht kann ich da ja sowas „pötisches“ nieder machen. Pötisch, das klingt entschieden lästerlicher als „poetisch“, also klicke ich so ein Gedicht an und schreibe „blödes pötisches Geschwurbel“, ohne es zu lesen, aber das befriedigt auch nicht so richtig.

Ich brauch was Handfestes. Ich gehe vor die Tür und sehe mich um. Vielleicht ist ja die Blutspritze-Tante noch irgendwo, die könnte ich beschimpfen. Die ist aber weg, also setze ich mich in meine Karre und fahre ein paar Runden. Endlich habe ich Glück: auf dem linken Fußweg führt eine hochschwangere Frau ihren Köter an der langen Leine spazieren, und auf dem rechten rennt eine andere Töle. Der Köter spurtet los und mir fast vors Auto. Anstatt den nun mit nem kleinen Schlenker doch noch zu erwischen, fahre ich weiter geradeaus und voll gegen die Leine. Das Profil vom Reifen schiebt die Leine unter den Kotflügel und die Leine zerreißt oder zerschneidet, oder was-weiß-ich....

Sie Blödmann, ruft die Frau. Können sie denn nicht aufpassen?

Sie können ja selber nicht aufpassen, rufe ich zurück und zeige auf ihren Bauch.

Die Leine ist zerrissen und deshalb  sind  Frauchen links und  die Köter rechts. Weil ich in der Mitte bin, fahre ich ungehindert weiter.

Am Waldrand stelle ich mein Auto ab und gehe zu der Stelle, wo ich mal ein von einem Wolf gerissenes Hirschkalb gesehen habe.  Vielleicht kann ich mich ja ja mit einem Wolf anlegen. Anschreien soll helfen, aber jetzt ist wohl nicht die passende Jahreszeit.

Ja, wenn jetzt Herbst wäre und die Harvester überall im Wald die Bäume zerschnitten und den Waldboden killten, könnte ich einen Fahrer beschimpfen und behaupten, für Geld würde er ja wohl alles tun. Aber noch ist kein Herbst. Also wieder nichts mit Adrenalin abbauen.

Vielleicht ist ja jetzt der richtige Zeitpunkt, wo ich mir Pläne für meine zukünftigen Aggressionsattacken machen kann. Fußballfan werden und Bengalos kaufen. Jeden Boxkampf im Fernsehen ansehen.  In die AfD eintreten. Höcke wählen. Ach nee, da müsste ich ja anch Thüringen umziehen. Wrestling-Veranstaltungen in Berlin besuchen vielleicht?

Ich könnte aber auch nach Hause fahren und meine Wohnung mal wieder richtig in Schuss bringen. Mit aller Kraft und Ausdauer, die mir in meinem Alter nun mal reichlich genug zur Verfügung steht. Da könnte ich mich mal wieder so richtig abreagieren. 

Okay, das vielleicht als Nächstes. Jetzt fahre ich erstmal zum Kiosk, kaufe mir Zigaretten und fange das Rauchen wieder an.

Auch schlecht. Dann kann ich mich erst ärgern, wenn der Arzt mir seine Prognose schonend beibringt.

Verdammt, schreie ich, haue mit der Faust auf den Schreibtisch und treffe die Maus. Gottseidank habe ich ja noch eine Maus in der Falle.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Jürgen Berndt-Lüders).
Der Beitrag wurde von Jürgen Berndt-Lüders auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.08.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Jürgen Berndt-Lüders:

cover

The power of butterflies - Geschichten und Gedichte zum Thema Liebe von Jürgen Berndt-Lüders



Die Kraft der Liebe führt und verführt uns ein Leben lang. Der Autor schwelgt in Empathie.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Sonstige" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Jürgen Berndt-Lüders

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Black Velvet von Jürgen Berndt-Lüders (Liebesgeschichten)
Omas Pflaumenkuchen von Heideli . (Sonstige)
Das Schaf (Karlis Aufsatz aus meinem ersten Buch von Margit Kvarda (Humor)