Diethelm Reiner Kaminski

Tod in der Silbermine

„Papi sagt, in Mexiko hat man über 50 Leichen in einer Silbermine entdeckt“, erzählte Ole.

„Tod in der Silbermine – das wäre ein schöner Titel für meinen Kriminalroman“, griff Großvater den Faden auf.

„Du schreibst einen Kriminalroman?“, fragte Ole.

„Noch nicht“, wich Großvater aus, „d. h. im Kopf habe ich ihn schon, ich muss ihn nur noch rauslassen. Mir fehlte nur noch ein spannender Titel. Und wer hat die vielen Menschen ermordet?“

„Vati sagt, die Muffins“, gab Ole Auskunft.

„Was für ein süßer Tod“, kommentierte Großvater. „Und was für ein toller Service, so viele Muffins in die Berge zu schaffen. Wahrscheinlich mit Mauleseln.“

Ole und Irmi schauten Großvater verständnislos an. Es fiel ihnen manchmal schwer, seinen Humor zu verstehen.

„Wisst ihr, was Muffins sind?“, half Großvater nach.

„Wissen wir“, sagte Irmi. „Gemeine Mörder.“

„Da ist was dran“, sagte Großvater. „Wer sich zu viel von den süßen klebrigen Kuchen reinstopft, könnte ohne Weiteres daran zugrunde gehen. Ihr meint vermutlich die Mafia, nicht die Muffins. Aber macht nichts. Tot ist tot, ob durch eine Kugel oder durch zu viele Süßigkeiten. Also die Mafia hat die Menschen getötet und in die stillgelegte Silbermine geworfen. Wisst ihr auch, warum?“

„Weil es gemeine Mörder sind“, rief Irmi aufgeregt.

„Gemein“ reicht nicht“, sagte Großvater. „Wie oft habt ihr schon behauptet, ich sei gemein. Trotzdem habe ich noch keinen Menschen umgebracht. Ich schwöre. Und in eine mexikanische Silbermine würde ich die Leiche auch nicht stoßen. Eher schon unter eurem Bett verstecken.“

„Du bist gemein, Opa“, rief Irmi.

„Sag ich doch“, bestätigte Großvater die Beschuldigung.

„Und ob du schon Menschen ermordet hast“, schaltete sich jetzt Ole ein.

„Wo sollte das gewesen sein?“, fragte Großvater.

„In deinem Krimi, hast du doch selber gerade gesagt“, sagte Ole.

„Das stimmt“, überlegte Großvater, „aber das bleibt unter uns. Noch leben sie ja auch. Ich muss mich noch entscheiden, ob ich sie an Muffins ersticken oder von der Mafia umlegen lasse.“

„Und was ist das – Mafia?“, fragte Irmi.

„Ich möchte das mal so erklären: Wenn ihr, du und Ole, alle Schokoladen- und Bonbonvorräte im Haus kontrolliert und anderen, euren Eltern, euren Freunden oder mir, nur etwas davon zu Höchstpreisen verkauft und uns damit erpresst, dass etwas Schlimmes passiert, wenn wir euch den Preis nicht zahlen, dann seid ihr auch eine Mafia.“

„Sind fünf Euro für eine Ritter Sport Mandelsplitter zu viel?“, fragte Irmi. „Ich habe noch eine Tafel in meiner Schultasche.“

„Und ich habe noch eine Tafel weiße Schokolade. Die musst du mir für zehn Euro abkaufen.“

„Hilfe“, rief Großvater mit gespieltem Entsetzen. „Ich bin der Kindermafia in die Hände gefallen. Was für ein Glück, dass es bei uns keine stillgelegten Silberminen gibt. Ich bin aber trotzdem stolz darauf, wie lernfähig ihr seid.“

10.06.2010

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