Klaus Makollus

Algolagnie

Die Algolagnie ist ein veralteter Begriff der Sexualmedizin bzw. Psychoanalyse. Lustschmerz und Schmerzgeilheit sind deutsche Begriffe dafür. Algomanie (auf deutsch etwa „Schmerzwahnsinn“) ist das krankhafte Verlangen nach Schmerz.

Als Begriff ist Algolagnie heute nicht mehr gebräuchlich. Er wurde durch Sadomasochismus abgelöst. Behandlungsbedürftig ist der Lustschmerz dann, wenn bei der Persönlichkeits- und Verhaltensstörung die sexuelle Befriedigung ohne entsprechende Praktika erschwert ist und dadurch bei den Lustschmerzlern ein entsprechender Leidensdruck entsteht.

Unser Garten ist sehr groß. Er hat parkähnliches Format. Sehr viel Rasenfläche gibt es, aber auch Baumgruppen mit dichtem, uraltem Baumbestand. Tagsüber ist dies ein schöner, hübscher und aufenthaltswerter Ort, an dem ich mich gerne mit meiner Familie aufhalte.

 

Der schreckliche Garten

Erfreut nicht die Seelen zarten

Dort gibt es Geister und Gespenster

Sie quälen durch die Fenster

Männer und Frauen beim Liebesspiel

Was denen nie gefiel

 

Die Heinzelmännchen kennen wir als hilfreiche Wesen aus der Kölner Volkssage, die Mainzelmännchen aus dem Fernsehen. Doch von den Wurzelmännchen aus meinem Garten haben Sie wahrscheinlich noch nie gehört.

Sie begreifen sich als Beschützer des Baumbestandes und greifen jeden an, der sich ihm nähert. Naja, mich persönlich kennen sie ja inzwischen. Ich habe mich ja inzwischen auch schon oft genug in meinem Park aufgehalten.

Aber was meinen Sie wohl, was passiert ist, als ich meine Frau Thusnelda in den Park führte? Es war eine Katastrophe.

 

Küsse mich, Kunibert!

Nein, nicht hier, oh´ edle Thusnelda.

Warum nicht?

Mama könnte es mitbekommen!

Du Mamasöhnchen!!!

Ja, das bin ich. Mama ist einfach nur schrecklich. Sie würde immer fragen kommen, ob wir noch Fanta und Kekse brauchen. Laß uns in den Garten gehen.

 

Nach der obligatorischen Teestunde zogen wir uns in den Garten zurück. Um nicht gesehen zu werden, bis in die Baumgruppe. Dort wollte ich der Angebeteten einen Kuß auf die Wange hauchen. Und was passierte? Schneller, als ich denken konnte, lagen Thusnelda und ich entkleidet auf dem Waldboden.

Als die Ge- und Beliebte in mich dringen wollte, schrie sie plötzlich freudig und sexuell erregt auf – irgendjemand oder irgendetwas hatte ihr in den großen Zeh gebissen. Er blutete leicht.

Anfangs war es mich peinlich. „Hast du dich verletzt?“ fragte ich sie schüchtern. „Ja,“ errötete sie mit glitzernden Augen. „Endlich weiß ein Mann, wie er mich zu nehmen hat!“ Sagte es, und ritt mich zu wie es sonst niemand gekonnt hätte.

Was war passiert? Die Wurzelmännchen hatten unser Kommen beobachtet. Sie waren draufgängerische Damen wie Thusnelda nicht gewohnt und dachten, sie würde die Bäume und mich in unserer Existenz bedrohen. Als Thusnelda dann splitterfasernackt auf mir lag, ergriffen sie die Gelegenheit, kamen aus dem Wurzelwerk und bissen zu. Mit ungeahnten glückseligen Folgen für mich.

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