Tosca Buser

Ich und Gedichte

Ich mochte Gedichte nie besonders. Eigentlich heute immer noch nicht. Die Weisheit, mit der sich der Dichter in diesen paar unvollständigen Sätzen beschenkt. Die merwürdige Rechtschreibung, bei der man fast einen Nervenzusammenbruch kriegt, wenn man diese angebliche Kust liest. Ich finde es grausam.

Aber aus irgendeinem unverständlichen Grund tu’ ich es selbst. Gedichte schreiben. Das ist jetzt nicht einer meiner Witze, die wahrschendlich eher traurig als lustig sind, nein, das ist die grausame Wahrheit. Ich schreibe Gedichte und es macht mir sogar Spass! Es macht mir Spass, die Dinge aufzuschreiben, die mir in diesen uns allen bekannten speziellen Momenten, wenn wir zu den reinsten Philosophen werden und über die Welt vor der Menschheit und die Definition von Glück oder Freiheit nachdenken, im Kopf herumschwirren.

Ich liebe es, mich selbst mit einer imaginärer Krone voller Weisheit zu krönen. Ich amüsiere mich darüber, wie tiefgründig mein Unterbewusstsein ist, wenn ich in eine Trance des Dichtens falle. Ich fühle mich, als hätte ich eine gespaltene Persönlichkeit, die mir an anderen überhaupt nicht jedoch an mir sehr gut gefällt.

In dieser Trance bin ich nicht nur tiefgründig, sondern auch pessimistisch, traurig, schon fast depressiv gelaunt. Ich frage mich Dinge, die ich mich in den vergangenen Jahren auf diesem Planeten nur in einem Bruchteil einer Sekunde gefragt habe, da sie für mein Leben nicht weiter relevant waren. Aber wenn ich es schaffe, all diese Fragen in meinem Kopf in Worte zu fassen und sie mir so anzuschauen, dann wird mir einiges klar werden.

Mir ist bewusst, dass ich bis jetzt nicht ein Bruchteil dieser Fragen in Worte gefasst habe und dass die, die ich bereits in Gedichte verfasst habe, immer noch nicht so weise und so vielwissend klingen wie die von Goethe und immer noch Anfängergedichte sind. Aber vielleicht fühlt man es, dieses Gefühl, das man hat, wenn einen eine Stimme oder in diesem Fall ein Text berührt. Dieses Gefühl, als würde das eigene Herz davonschmelzen, weil man genau weiss, wie sich der Sänger, der Autor oder der Dichter gefühlt hat, als er dieses Original verfasste.

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