Jürgen Malodisdach

juchel..jachel..jochel

 

Juchel...Jachel...Jochel

 

Nun möchten alle wissen, was das soll. Ich habe es vorher auch noch nicht gewußt.

Im Garten haben wir in diesem Jahr zum erstenmal etwas geerntet, was wir bisher nicht kannten. Schon gar nicht im Garten angebaut oder auch angepflanzt.

Da stand doch tatsächlich bisher völlig unbeachtet ein mickriges Sträuchlein. Ich wollte es schon im vorigen Jahr entsorgen.

Keiner wußte so recht, was das werden sollte. Also warum da unnütz herumstehen lassen und auch noch gießen und sonstwie pflegen.

Es war noch nicht einmal bekannt oder zumindest bewußt wahrgenommen, wer aus der Familie dieses Ding da hinein gepflanzt hatte. Im vorigen Jahr schon.

Und wäre nicht meine sprichwörtliche Faulheil, einen Spaten aus dem Schuppen oder ein anderes Gartenwerkzeug zu holen, um diesem Ding den Garaus zu machen, hätte ich jetzt nicht diese kleine Geschichte schreiben können.

Also was war das nun? Rund um diesen ominösen Busch standen oder besser gesagt stehen immer noch verschiedene Sorten Beeren mit doppeltem E nicht mit Ä. Das sind außer roten , weissen,gelben und schwarzen Johannisbeeren, Zwei Sorten Stachelbeeren und diese komischen Blaubeeren. Jemand hatte uns eimal so ein Büschlein geschenkt. Das passiert immer zu irgend welchen Geburtstagen oder sonstigen kleinen Familienfeten.

Diese Dinger kann man aber getrost vergessen. Richtige Blaubeeren wachsen im Wald und schmecken einfach hmmm. Dieser Busch bei uns hat zwar auch ein paar bläuliche Früchte. Man kann aber wahrlich nicht davon sprechen ,das sie nach irgend etwas, schon gar nicht nach Blaubeeren schmecken.

Der einzigste Vorteil besteht darin, daß man sich nicht so tief und so lange auf den Waldboden bücken muß, um eine Blechkanne oder ein anderes Behältnis mit den Beeren zu füllen. Essen geht da viel schneller und macht mehr Spaß. Empfehlen kann ich diese höher gelegenen Gartenblaubeeren wahrlich nicht. Aber ich schweife hier ab.

Es geht ja hier um eine andere Beerenart. Kann sich schon jemand denken um Welche.?

Also nicht und ist auch besser so, sonst wird mir ja der Spaß verdorben.

Der Strauch war mittelgroß, etwas über ein Meter und hatte einen ganz schönen Umfang.

Das bedeutete jetzt, hole dir eine Schüssel, nicht zu klein, und dann gehts ans Pflücken.

Die Beeren waren größer als schwarze Johannisbeeren, aber kleiner als Stachelbeeren. Dabei waren sie tiefschwarz, von fester Konsistenz und hingen einzeln unter den Blättern. Ließen sich leicht abnehmen ohne zu zermatschen.

Nach einer Stunde hatte ich die ziemlich große Schüssel randvoll und der Strauch war abgeerntet. Rauf damit auf die Küchenwaage und siehe da, es hat sich gelohnt für zweikommafünf Kg Früchte ein bischen gearbeitet zu haben.

Was mache ich nun aber damit. Ich wußte ja immer noch nicht, wie die Dinger hießen. Trotzdem habe ich mehrmals versucht Kostproben zu naschen. Allerdings waren die Ergebnisse der Tests nicht gerade sehr erbaulich.

Naja sagen wir mal so, die Beeren waren ziemlich geschmacksneutral. Nicht süß, nicht sauer, nicht bitter, nicht scharf, eben nur schwarz. Ich ordnete sie für mich ein , sie schmeckten nicht nach Ihm und nicht nach Ihr.

So kam die Frage, was mache ich nun mit ihnen. Wegwerfen kam nicht in Frage. Das macht man nicht mit selbst geernteten Früchten.

Da ich ein Nb und auch ein Handy mit einem Internetanschluß hat, erübrigte sich die Frage und so schmiß ich die Dinger an um mich zu informieren.

Dabei stellte sich dann heraus, daß ich hier einen Schlag ins Wespennest oder auch ins Wasser getan habe. Die gefundenen Infos waren ausnehmend umfangreich.

Den Namen fand ich zuerst als ich die gefundenen Bilder mit meiner Ernte verglich.

Diese dicken schwarzen , geschmacklosen Beeren heißen J o c h e l b e e r e n. So nun weis ich wenigstens, worauf ich mich da eingelassen habe. Was nicht bedeutet, daß ich weis, was ich mit ihnen anstellen konnte. Also weiterlesen.

Was mich aber nicht schlauer oder zufriedener machte. Es waren keine besonderen Rezepte oder Verarbeitungshinweise zu finden, die meine Geschmacksnerven anregten.

Was also tun sprach Zeus, die Götter sind besoffen. Selber Ideen entwickeln und probieren. Die Küche sah tagelang immer wieder mal etwas anders und auch farbenprächtiger aus als ich mit einem Pürrierstab diese Beeren in einem ungeeigneten Behälter bearbeitete.

Es sollte ein Saft werden, den ich mit verschiedenen Zutaten verfeinern wollte. Hat aber nicht so gut geklappt. Auch ein Frühstücksmüßli mit zusätzlichen Cerealien waren letztendlich nicht nach meinem Geschmack.

Nachdem ich wieder einmal aufgeräumt und die Küche für andere Familienmitglieder zugänglich gemacht hatte, habe ich die Beerenschüssel mit einen verachtungsvollen Blick in den Kühlschrank gestellt und bin mit meinem Hund spazieren gegangen.

Gedanken ordnen, ein bißchen grübeln, auch innerlich spinnen auf der Suche nach neuen und interessanten Ergebnissen.

So gingen einige Tage ins Land ohne Ergebnisse zu zeitigen. Die Schüssel im Kühlschrank strafte ich mit Verachtung.

Aber irgendwann war diese negative Stimmung vorbei. Was ich nicht dachte, daß die Beeren noch nicht verdorben wären, trat dennoch ein. Sie waren immernoch in einem tadellosen Zustand.

Die letzte Möglichkeit für eine Erfolg versprechende Verarbeitung schien mir die Herstellung einer Konfitüre zu sein. Das wollte ich eigentlich anfänglich nicht. Erschien mir zu profan. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Ein großer Kochtopf faßte die gesamte übrig gebliebene Beerenmenge. Dazu kam die entsprechende Menge Gelierzucker.

Dann trat nochmals der Pürrierstab in Aktion, diesmal besser dosiert. Noch war der Geschmack zu einfach.

Deshalb kam als Aroma geriebene Zitronen- und Orangenschale dazu und etwas Zitronensaft. Ein Schuß kanadischer Fruchtsirup hinein. Als kleinen pikanten I-Punkt noch eine kleine Menge Harissa, für eine angenehme Schärfe.

Noch einmal kurz aufkochen lassen. Dann sofort in saubere, frisch gespülte Marmeladengläser bis zum Rand gefüllt und gleich mit Schraubdeckeln verschlossen. Auf ein sauberes Tuch verkehrt herum bis zum nächsten Tag stehen lassen. Vier Gläser haben die Tortur überstanden. Das Fünfte war nur noch halbvoll. Hat den Tag nicht überstanden, denn das Ergebnis war super. Es stimmte geschmacklich alles für unsere Gaumen.

Deshalb existiert jetzt auch nur noch ein Glas von dieser selbst erschaffenen Jochelbeerenkonfitüre. Ob ich im kommenden Jahr diese Kreation wieder herstellen kann, bin ich mir nicht sicher. Habe ja die einzelnen Mengen der Zutaten nicht aufgeschrieben.

Vielleicht versuche ich es trotzdem.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.08.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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