Lutz Scheffel

Verwischte Spuren

Teil 2

20 Jahre später


Jens musste etwas lächeln, als er über die schon vergilbten unvollständigen Seiten flog, die er beim Umzug aus einer alten Schublade zog. Immerhin hatte er dafür eine „eins“, also ein 'sehr gut' erhalten und konnte damals seine Note im Fach Deutsch insgesamt verbessern.

Komisch, dachte er, ein häufig wiederkehrendes Thema: Trennung.

Damals die erste Schulfreundschaft, die nach kurzer Zeit, wie das meist so üblich ist, auseinander driftete und nun seine Ehe, die nach ca. dreizehn, vierzehn Jahren endgültig in die Brüche ging.

So stand er da, ziemlich ratlos und zerknirscht, vor dem Scherbenhaufen einer zerrissenen Familie... .

 

Ist das Leben vieler denn immer wieder nur vom Scheitern geprägt, fragte er sich(?) Und dachte dabei an die Tragödien erlebter Einzelschicksale, mit denen er jahrelang auch beruflich zu tun hatte.


Und nun bereits seit einigen Monaten ohne feste Beschäftigung, tatsächlich die ‚Arbeit -los‘..? Weil das tendenziös in den Augen seines Sohnes schon mal zum Ausdruck kam. Nachdem der - vor inzwischen vielen Jahren - zu ihm zurückkehrte, es anscheinend seinerzeit bei der Mutter - aus welchen Gründen auch immer - doch nicht aushielt und dabei sogar die Trennung von seiner jüngeren Schwester, die bei der Mutter blieb, in Kauf nahm.

Und, dass da noch Kontakt zu Alexia *) bestand, seiner Tochter, überlegte Jens weiter. Dadurch war eben eine einigermaßen zufriedenstellende Besuchsregelung für alle gewährleistet. Damit tröstete er sich jetzt ein wenig. –

 

Jens blickte auf die Uhr


Er hatte Bilanz in seinem Leben gezogen. Rechnungswesen, insbesondere die leidige Buchführung war nie sein Lieblingsfach gewesen. Trockene Zahlen sagen nicht viel über das Leben und seine Unwägbarkeiten. Die kaufmännische Prüfung hatte er nur mit mittelmäßigem Abschluss bestanden, was ihn unangenehm überrascht hatte. Seine Bewerbungen verliefen infolgedessen nicht gerade erfolgreich, und so hatte er - mit dem ganzen Mut gegen die Verzweiflung - sich wieder in der ‚sozialen Arbeit‘ umgeschaut. Sowie hier und da ein paar gering entlohnte Dienste versehen.

Zudem hatte er da schon ‘zig Bewerbungen geschrieben, mehrere Vorstellungsgespräche mit anfänglich positiven Ausgang führen können, um dann letztlich doch wieder abgelehnt zu werden, wodurch das Arbeitsamt schließlich zur Umschulung riet.

Doch eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit nach Umschulung fand er trotz vieler Bemühungen so tatsächlich nicht mehr.

Es blieb ihm anscheinend nichts anderes übrig als hier und da in Altenpflegeheimen mithelfend bestimmte kleinere Dienste zu versehen, wobei er sich mühte und auch positiv einbrachte. Aber keine nur niederen Dinge zu verrichten, daran lag ihm schon.

Und sich aktiv einzusetzen, das war ihm durchaus ein Bedürfnis, selbst wenn er längst nicht mehr in der vollen Blütezeit seines Lebens stand. –

 

Neue Chance

 

Nach einen dieser Einsätze hatte ihn jemand angesprochen und gefragt, ob er sich vorstellen könne, ein bestimmtes Sozialprojekt in einer westfälischen Kleinstadt mit zu unterstützen: Etwa um die notwendige Begleitung von Personen in unterschiedlichen Lebenslagen. Aber eben nicht sich nur darum ständig kümmern.

Allerdings auch keine Verwaltungsarbeit in fester Position. Es gäbe da doch, abgesehen von den kommunalen Trägern, so viele verschiedene Initiativen wie die Freiwilligendienste, Mehrgenerationenprojekte usw. .

 

Jens hatte nichts mehr zu verlieren, und die zwei Wochen Bedenkzeit waren wie im Flug vergangen. Seine Entscheidung war ihm seltsam leicht gefallen. Er wollte zumindest für einzelne Menschen (mit-)verantwortlich sein und diese ein Stück auf ihren Lebensweg begleiten.

Was blieb ihm denn auch sonst noch? Darauf durfte er nun gespannt sein.

Jens fühlte sich reich dafür belohnt, dass er diese Herausforderung als Chance begriff.

Der Blick durch das offene Fenster neben dem Küchenregal versetzte ihn in helles Erstaunen: In herrlichen Farben leuchtete ein Regenbogen, beinahe fast zweifach; ein Bild, das er gern in seinem Herzen bewahren würde. –

ENDE

 

*) Name geändert

 

LS

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.08.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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