Erika Schmidt

Die saubere Maus

Ein Jahr ist wieder mal vorbei und meine Kinder sind wieder für 3 Wochen im Urlaub. Letztes Jahr hatten wir den kleinen Kater bei uns zu Gast. In meiner letzten Geschichte hatte ich erzählt, was wir so alles mit dem kleinen, frechen Kerl erlebt haben. Dieses Jahr konnten wir ihn nicht mehr zu uns nehmen, er ist jetzt Freigänger und nicht mehr im Haus zu halten. Außerdem kam zu Kater und Schildkröte nun noch ein Pferd in den Haushalt der Tochter. Also sind wir für 3 Wochen in das Haus der Kinder gezogen, damit wir den privaten Zoo auch optimal versorgen können. Und unser Haus und Garten mußte ja auch noch gepflegt werden. Also die Arbeit ging uns nicht aus, aber wir tun es sehr gerne.

Um das Pferd kümmerte sich mein Mann, er ist ein leidenschaftlicher Reiter. Schildkröte, Kater, Haus und Garten waren meine Aufgabe. Die Schildkröte ist ja pflegeleicht. Morgens in den Garten und am Abend wieder ins Haus. Dazwischen Löwenzahn sammeln, den frißt sie am liebsten. Der Kater mit Namen Baily, ist nach wie vor sehr eigenwillig. Tagsüber schläft er meistens auf einem seiner Lieblingsbetten. Aber nachts ist er auf Achse, bei jedem Wetter. So gegen 22 Uhr bringt er meistens die erste Maus. Dabei schleicht er sich still und heimlich durch die Katztenklappe in die Küche. Es gefällt ihm gar nicht, wenn wir ihm seinen Fang dann wegnehmen. Danach verschwindet er wieder nach draußen.

In der Frühe, so gegen 6 oder 7 Uhr treibt ihn dann der Hunger wieder heim. Er kommt ins Schlafztimmer, springt auf den Bauch, schmust ausgiebig und verlangt dann energisch nach seinem Futter. Dabei stört es ihn auch nicht wenn er pitsch nass ist, dreckige Pfoten hat und nach Gülle stinkt. Also tappe ich in die Küche und gebe ihm zu fressen.  Wenn das nicht schnell genug geht, beißt er kurz mal in die Waden, aber ganz vorsichtig. Bei dieser Gelegenheit schaue ich dann nach, wie viele Mäuse er  erbeutet hat, und wie viele davon schon ganz oder halb aufgefressen sind. Gott sei Dank legt er sie immer unter der Treppe an der gleichen Stelle ab. Man gewöhnt sich daran. Nur wenn die Mäuse noch leben heißt es aufpassen, daß sie nicht entwischen, oder unter einen Schrank schlüpfen. Aber Baily ist da sehr geschickt, der fängt die meist schnell wieder ein, um sie dann zu "verspeisen".

An einem Tag hatte ich Wäsche gewaschen. Da es regnete hängte ich sie auf ein Wäschegestell im Gang auf. Ich schüttle jedes Teil immer etwas aus bevor ich es aufhänge. Bei einem Handtuch machte es dabei auf einmal "platsch" und eine stattliche Maus viel heraus. Mein Mann und ich schauten uns etwas verdutzt an, dann lachten wir los. Der Kater lag in der Kuschelecke und schaute, als ob ihn das alles nichts anginge. Diese Maus war auf jeden Fall porentief rein gewaschen, weich gespült und gut ausgeschleudert. Gott lob war sie völlig heil und nicht angefressen. Ich nahm also die komplette Wäsche wieder ab und steckte sie erneut in die Waschmaschine. Wir haben uns den Kopf zerbrochen, wie die Maus wohl in die Wäsche kam. Vermutlich hat sie der freche Kerl im Korb versteckt, als ich die Schmutzwäsche herrichtete, die ich am nächsten Tag waschen wollte, denn in die Waschküche darf er nicht hinein. Egal wie auch immer, aus Schaden wird man klug, und von da an schüttle ich jedes Teil aus und lege es einzeln in die Maschine. Ein zweites mal passiert mir so etwas nicht mehr. 

Nach 3 Wochen kenne ich nun die meisten Tricks mit denen Baily so schafft. Aber wenn er dann ganz lang neben mir auf dem Sofa liegt und schnurrt, und wenn er seinen ganz treuherzigen Katzenblick aufsetzt, kann ihm keiner böse sein. Und die 3 Wochen wären ja sonst viel zu eintönig. Wieder zu hause mußte ich mich erst einmal umstellen. Ich schlief die ersten Nächte etwas unruhig, ich wartete immer auf den Kater. In der Frühe war es dann auch ein bißchen anders, ich brauchte keine Mäuse oder Teile davon entsorgen. Es war richtig langweilig.


Erika Schmidt

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 31.08.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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