Aylin

Wahlomat

Wahlomat

 

Leute, der Wahlomat ist da! Bürger, Wähler, endlich ist der Wahlomat da!

Unter jedem Pilcherfilm, unter jeder bekloppten Serie der Privaten, in jeder Nachrichtensendung und im Netz wird eingeblendet: Ab heute steht der Wahlomat zur Verfügung, der dir sagt, was du wählen wirst -

Ha, dazu hätte sich die DDR nicht befreien müssen, das hatten die ganzjährig. Aber nein, so ist es ja nicht!

Der Wahlomat zwingt dich ja nicht, er manipuliert dich nicht. Er verrät dir nur etwas über dich selbst, was du noch nicht erkannt hast. Also all denjenigen, die selten mit sich selbst sprechen. Und für alle die, die gerne Tests machen.

So wie früher in jeder Frauenzeitschrift, in jeder TV-Zeitschrift, da war immer ein Persönlichkeitstest drin. Welche Haarfarbe ist am besten für dich, welches Haustier, welches Essen, welches Urlaubsland, welche Stellung beim Sex.

Schließlich will ja nicht jeder ausführliche Wahlprogramme lesen oder das Kamasutra.

Daher Wahlomat. Für alle die, die nach jahrelangen Zeitschriften-Abos genau wissen, das ihnen rot am besten steht, dass sie Katzen am liebsten mögen, dass sie eigentlich Vegetarier sind, obwohl sie gerne Hamburger essen. Nur nicht, was sie wählen müssen, welche Partei zu ihnen passt.

Für die ist jetzt der Wahlomat da.

Für alle die, die Wahlsendungen langweilig finden und die nur mal kurz aufhorchen, wenn irgendein Schlunz im Privaten die Kipping fragt, ob sie den Lindner scharf findet. Früher galt:

„Lieber einen Quicki mit Kubicki

als eine Schleier wegen Altmeier .“ Heute ist Lindner.

Ja, das sind Fragen, die können Wahl entscheidend sein. Die sind wichtig für unsere Republik!

Jene einschläfernden Sendungen braucht doch niemand, in denen ansonsten mindestens eine Krankenschwester klagt, dass das Gesundheitssystem schlecht für alle ist, mindestens ein gut integrierter Asylant auf seiner Arbeitsstelle gefilmt wird, mindesten ein Dorfpolizist vemehrte Kriminalität feststellt und zu schlechte Bezahlung, mindestens ein Harz-Vierler seine Sparbüchsen zeigt und wo alle Politiker jeder Partei vehement betonen, dass wir auf einem guten Weg sind und dass sich das Besorgniserregende alles ändern wird, wenn sie an die Macht kommen. Vor vier Jahren schon und in vier Jahren wieder. Und dazwischen auch. Da sind sich alle einig. Immer. Warum dann also überhaupt wählen? Wollen nicht alle dasselbe?

Die, die die Magdeburger Gartenpartei wählen, die sind sich sicher, die haben sich mit Politik auseinandergesetzt, denn die Zwanzig treffen sich regelmäßig zum Kaffe. Aber die anderen?

Für die ist jetzt der Wahlomat da, um differenziertere Einblicke zu ermöglichen. In das Innenleben eines jeden Wählers, ganz mit sich allein und den anspruchsvollen Fragen der Politik.

Manipulation ausgeschlossen, versteht sich. Böse Zungen jedoch behaupten, es käme ja immer auf die Art der Fragestellung an und darauf, welche Fragen überhaupt gestellt werden. Homosexualität, Tierschutz, Pflege, Digitalisierung, Salafismus werden nicht abgefragt.

Nein, es kommt ja darauf an, dass der Wähler sich selbst analysiert ( besonders wenn er häufig „neutral“ ankreuzt) und sich selbst auf den Grund geht, ohne sich mit einem Blick auf sein Sparbuch, seine Kontoauszüge oder Kredite belästigen zu müssen.

Man sagt, dass vierzig Prozent der Bürger sich erst ganz kurz vor der Wahl entscheiden und deshalb gibt es den Wahlomaten. Jetzt! Und da CDU/CSU und SPD nahezu alle Themen abdecken, wird das individuelle Ergebnis überraschen…

(C(Aylin

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.09.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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