***** Wasser „marsch“ *****
Es regnete in Strömen. Ich klappte den Stockschirm zu und
zwängte mich in die Straßenbahn. Arg voll war`s schon da
drin` aber wenigstens war es trocken. Mit Ellbogen und
Schirm kämpfte ich mich durch bis zur Mitte des Waggons.
Das hat übrigens seinerzeit schon der „Weiß Ferdl“ in seinem
Couplet „Ein Wagen von der Linie 8“ gesungen:
„... bitte in die Mitte geh`n!“
Schließlich hing ich mit der einen Hand in der Halteschlaufe
- eine verdammt wacklige Angelegenheit - mit der anderen
Hand stützte ich mich auf meinen Stockschirm. Also umfallen
konnte man hier nicht mehr. Wie sang „Weiß Ferdl“ weiter?
„... die Menschen, die im Wagen drin,
schaun grantig, niemand lacht“.
Und genauso war`s hier auch. Doch plötzlich stieß mir ein
älterer Herr seinen spitzen Ellbogen in die Rippen, verzog den
Mund zu einem schiefen Grinsen und sagte ganz laut zu mir:
»Sie Fräulein, meine Socke ist jetzt nass genug, würden`s
bittschön ihren Stockschirm aus meinem Schuh nehmen!«.
Peinlich, peinlich, peinlich!
***** Schwer geschockt *****
Mit meinen fünfundsechzig Jahren war ich damals eigentlich
recht flott beisammen, wenn ich das so sagen darf. Fescher
Haarschnitt, modisch gekleidet, dezent geschminkt, es passte
alles. Gut, ich war jetzt nicht direkt gertenschlank – aber was
machte das schon.
Jedenfalls, an einem heißen Sommertag rannten mein Mann
und ich zur Straßenbahnhaltestelle um die dort stehende Tram
noch zu erreichen - was uns auch gelang. Aber, als ich mich
mit feuerrotem Gesicht und schwer nach Luft japsend (Sch ...
Raucherei) durch den überfüllten Waggon kämpfte, da stand
plötzlich ein junges Mädchen auf und fragte:
»Geht`s ihnen nicht gut? Wollen sie sich setzen?«
Ich dachte mich trifft der Schlag. Noch NIE hatte mir jemand
einen Platz in der Trambahn angeboten - anbieten MÜSSEN -
eher tat ich das!
Das war der Schock meines Lebens ...
Himmel nochmal, sah ich denn wirklich schon so alt und kaputt
aus? Und schlagartig wusste ich, jetzt geht`s dahin mit mir ...
Peinlich, peinlich, peinlich!
***** Hinterm Bungalow *****
Eigentlich wollten mein Mann und ich wenigstens im Urlaub
einmal so richtig ausschlafen. Aber nicht einmal in Italien war
uns das vergönnt. Denn gleich am ersten Morgen wurden wir
durch einen Höllenlärm unsanft aus dem Schlaf gerißen.
Es schepperte, klirrte und krachte, Kinder plärrten, Männer
schrien lautstark durcheinander, Frauen lachten, Trillerpfeifen
waren zu hören und irgendwo heulten Sirenen! Ja du lieber
Herr Gesangsverein, was war denn da in Teufels Namen hinter
unserem Bungalow los?
Also sprang ich aus dem Bett, riss die Türe auf - und blieb
schlagartig stehen ... Da hatte man doch tatsächlich in aller
Herrgottsfrüh, ohne dass wir irgendwas mitbekommen hätten
(ja, ja der Chianti Wein ...), ebnen kompletten Markt aufgebaut!
Ja und da stand ich dann also:
In meinem kurzen, geblümten Nachthemd, barfuß, die Haare
zerzaust, das Gesicht „zerknittert“, inmitten von Marktständen,
grün/weiß/rot gestreiften Sonnenschirmen, jeder Menge leerer
Obstkisten - und Händlern, die ungeniert auf mich zeigten und
sich krumm und bucklig lachten ...
Peinlich, peinlich, peinlich!
***** Verflixte Hektik *****
Peinlich, peinlich, peinlich!
Nur gut, dass wir im Geschäft Kittelschürzen tragen mussten ...
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.09.2017.
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Sturmwind
von Bernd Rosarius
Wenn erst ein laues Lüftchen weht,
das sich naturgemäß dann dreht
und schnelle ganz geschwind,
aus diesem Lüftchen wird ein Wind,
der schließlich dann zum Sturme wird,
und gefahren in sich birgt-
Dann steht der Mensch als Kreatur,
vor den Gewalten der Natur.
Der Mensch wird vielleicht etwas klüger,
seinem Sturmwind gegenüber.
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