Christina Telker

Mundraub

Es war einmal eine Bäuerin. Jeden Tag stand sie am Straßenrand und bot ihre Ware zum Kauf an. Diese richtete sich nach dem jahreszeitlichen Angebot aus ihrem Garten. Im Sommer waren es Beeren aller Art, die bei ihr besonders saftig und süß schmeckten. Darum hielten immer wieder Kunden bei ihr an, um ihr Obst zu kaufen. So frisch und knackig bekamen sie das Obst und Gemüse sonst nirgendwo.

Jetzt war es Herbst, so bot die Bäuerin Äpfel, Birnen, Pflaumen und andere Früchte an. Gerade hatte sie ihren Stand aufgebaut und war dabei das Obst appetitlich anzuordnen, damit es jedem Kunden verlockend entgegenleuchtete.

Hupps, da hatte sich doch ein Apfel selbstständig gemacht und war vom Korb ins Gras gerollt. Als die Bäuerin alle Ware geordnet hatte, bückte sie sich um den verlorenen Apfel aufzuheben.  Aber so sehr sie auch suchte, der Apfel blieb verschwunden. Es war nicht so, dass es ihr auf diesen einen Apfel angekommen wäre, aber sie hielt auf Ordnung und so ließ ihr der verschwundene Apfel keine Ruhe. Dass er irgendwo am Wegesrand eines Tages verfault herum liegen würde, das störte sie. Selbst am Abend als sie ihre Tageseinnahmen zählte, musste sie immer wieder an diesen Apfel denken.

Als sie am nächsten Tag ihre Ware aufgebaut hatte, legte sie einen Apfel etwas abseits ins Gras. Sie wollte beobachten, was geschehen würde. Lange brauchte sie nicht warten, da raschelte es neben ihr und aus dem Gebüsch schlich sich ein Igel. Er ging auf den Apfel zu, spießte ihn mit seinen Stacheln auf und schlich sich davon. ‚Du kleiner Strolch’, dachte die Bäuerin, holst dir deinen Wintervorrat kostenlos.’ Seit diesem Tag legte sie dem Igel immer ein Stück Obst ins Gras, das er sich auch gerne holte. Die Bäuerin freute sich, dem kleinen Vierbeiner auf diese Art über den Winter zu helfen, auch wenn dieser Kunde nicht bezahlte.

© ChT

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.09.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Die Autorin versteht es, mit Worten Stimmungsbilder zu malen und den Leser an der eigenen Begeisterung am Land zwischen Meer und Bodden teilhaben zu lassen. In ihren mit liebevoller Hand niedergeschriebenen Gedichten und Geschichten kommen auch Ahrenshooper Impressionen nicht zu kurz. Bereits nach wenigen Seiten glaubt man, den kühlen Seewind selbst wahrzunehmen, das Rauschen der Wellen zu hören, Salzkristalle auf der Zunge zu schmecken und den feuchten Sand unter den Füßen zu spüren. Visuell laden auch die Fotografien der Autorin zu einer Fantasiereise ein, wecken Sehnsucht nach einem Urlaub am Meer oder lassen voller Wehmut an vergangene Urlaubstage zurückdenken.

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