Klaus-Peter Behrens

Der Kater und sein Magier, 18

Zunächst jedoch wurde das Leben erst einmal angenehmer. Unsere neue Mitgliedschaft war Anlaß zu einer ausgelassenen Feier, und so saßen wir an diesem Abend gut gelaunt an einem prasselnden Feuer zusammen und ließen uns gebratenes Wildschwein mit reichlich Honigwein schmecken. Den größten Appetit legte dabei der Troll an den Tag, der zum Aufwärmen gleich ein ganzes Faß Honigwein hinunter kippte und dabei Geräusche von sich gab, die an einen schlecht installierten Küchenabfluss erinnerten.

Ein paar Musiker waren auch erschienen und begleiteten den ausgelassenen Schmaus auf ihren von der Feuchtigkeit des Waldes hoffnungslos verstimmten Instrumenten. Der fröhliche, aber dissonante Reigen fand gleichwohl allgemeine Anerkennung.

„Du solltest dir in der Glotze mal ‘n Heimatabend mit den Schlausingersängerknaben reinziehen, Kumpel. Dann wirst du das hier zu schätzen lernen“, maunzte Mikesch, dem mein langes Gesicht aufgefallen war. Ich stöhnte und schüttete weiter Honigwein in mich hinein, was allerdings auch nichts half. Lediglich die Anzahl der Musiker verdoppelte sich nach dem zehnten oder elften Humpen.

So verging der Abend und getreu dem Motto, je später der Abend, desto voller die Gäste, zogen sich immer mehr meiner neuen Gefährten zum Teil auf allen Vieren zu ihren Schlafstätten zurück, bis außer Mikesch und mir nur noch ein paar Hartgesottene an dem schwach vor sich hin glimmenden Feuer saßen. Weit über uns, am sternklaren Himmel, hing der Vollmond wie ein einäugiger Zyklop und betrachtete mißmutig unser Treiben.

Mein Blick wanderte zum ich weiß nicht wie vielten Mal an diesem Abend zu Hilly, die angeduselt neben Mikesch saß und ihm hingebungsvoll die Ohren kraulte. Das tiefe Brummen, das dieser angesichts der pfleglichen Behandlung von sich gab, hatte etwas einlullendes an sich. Energisch zwang ich mich, dem Impuls, auf der Stelle einzuschlafen, nicht nachzugeben und überlegte stattdessen, wie ich endlich an Informationen gelangen konnte. Zu meinem Leidwesen war Hilly meinen Fragen nach dem unbekannten Reiter den ganzen Abend über geschickt ausgewichen. Aber vielleicht war sie ja in diesem Zustand ein wenig mitteilsamer.

Hilly“, krächzte ich und ärgerte mich, daß meine Stimme klang, als würde ich in einem überdimensionalen Weinfaß sitzen und mit Mollas Spülwasser gurgeln. Ich räusperte mich vernehmlich und begann von vorn.

„Hilly!“

„Hmmmm.“

Jetzt, wo wir echte Mitglieder vom wahren Schrot und Korn sind....“

„Hmmmm.“

„Würdest du uns jetzt verraten, was du über den Reiter in eurem Forst weißt?“

Hilly seufzte und hörte mit dem Kraulen von Mikesch‘ rechten Ohr auf. „Du gibst wohl nie auf. Aber was soll’s. Von mir aus kannst du es wissen, aber es wird dir nichts nützen“, gab sie rätselhaft von sich, wobei ihre Aussprache an Usus, den alten Säufer aus Finsterburg erinnerte, wenn dieser gerade mal wieder bis unter die Luke dicht war. „Die Zwerge Bärbeiß und Ziegenbart fanden seine Spur tief im Wald. Bärbeiß folgte ihr, während Ziegenbart zurück ins Lager eilte, um Verstärkung zu holen. Kommt schließlich nicht alle Tage vor, daß ein Berittener sich in dieses Dickicht verirrt. Bärbeiß hatte befürchtet, daß er die Vorhut einer Streitmacht aus Schrottingham war, die uns endgültig den Gar aus machen sollte. Nun, wie auch immer, wir brachen also zur Unterstützung auf und folgten ebenfalls der Spur. Sie führte uns zu einem Lagerplatz, an dem offenbar jemand auf den Reiter gewartet hatten, den Fußspuren nach zu urteilen, eine Frau. Gemeinsam zogen sie weiter Richtung Norden, gefolgt von Bärbeiß. Eine Meile später stießen wir auf die Spuren weiterer Reiter. Der aufgewühlten Erde nach zu urteilen, kam es zu einem Kampf. Jedenfalls verlor sich Bärbeiß’ Spur dort.

Also folgten wir den Reiterspuren, bis kurz vor Schrottingham. Weiter trauten wir uns nicht, da viele unsere Köpfe ein staatliches Preisgeld wert sind. Einer unserer Getreuen aus Schrottingham berichtete uns später, daß er gesehen habe, wie Bärbeiß in den Verliesen verschwunden sei. Er sagte, nur ein absoluter Trottel würde es wagen, ihn daraus zu befreien. Von einer Frau hat er allerdings nichts berichtet. Wenn ihr also mehr wissen wollt, müßt ihr euch dort hin begeben.“

„Hmmm.“

Nun war es an mir, karge Antworten zu geben. In meinem vom Wein umnebelten Verstand zeichneten sich indes die ersten Puzzlestücke eines Plans ab.

„Dann müssen wir ihn wohl befreien. Er ist schließlich einer der unseren“, gab ich in einem Anfall geistiger Umnachtung von mir, gefolgt von einem markigen Rülpser, der einem brünstigen Eber zu Ehre gereicht hätte.

Mikesch maunzte entsetzt auf und sah mich an, als hätte ich ihm vorgeschlagen, Vegetarier zu werden.

„Hast du nicht zugehört! Nur ein absoluter Trottel würde es wagen, ihn zu befreien.“

„Hmmm.“

„Ich hoffe jetzt mal nicht, daß du bei Trottel an das kleine Katerchen gedacht hast“, brummte Mikesch, der zu ahnen schien, warum ich ihn auf diese Weise ansah.

„Gehen wir doch einmal die Möglichkeiten durch“, erwiderte ich, seine Bemerkung geflissentlich ignorierend. „Bisher haben wir nichts vorzuweisen, sehen wir einmal davon ab, daß wir jetzt zu den Vogelfreien gehören und eine Speisekammer geplündert haben. Das können wir Ignaz wohl kaum als Erfolg verkaufen. Also müssen wir jeder noch so vagen Spur folgen. Und die führt uns schnurstracks nach Schrottingham.“

„OK, Hohlkopf, und wie willst du den Zwerg dort hinaus schmuggeln. Beam me up, Scotty, wird kaum funktionieren.“

„Wir sehen uns das Ganze erst einmal aus der Nähe an und entscheiden dann. Könnt ihr uns den Weg zeigen?“, wandte ich mich an Hilly. Die nickte nachdrücklich.

„Nicht nur das! Ich und Gorgus werden euch begleiten.“

Fuß schmerzt“, erklang es protestierend von einem behaarten, bis eben noch schnarchenden Hügel rechts von uns.

„Er hat nicht nur Kraft wie ein Stier sondern auch ein gutes Gehör. Wir können ihn gut gebrauchen, denn Schrottingham ist nicht ungefährlich. Da verliert man leichter sein Leben als der Kater Miau sagen kann. Aber mit Gorgus Begleitung wird das kein Problem“, lobte Hilly die zweifelhaften Fähigkeiten des grollenden Bergs. Mikesch hingegen beurteilte die Erfolgsaussicht angesichts der wenig frohlockenden Reisewerbung für unser neues Ziel offenbar ganz anders.

„Tja, das war’s dann. Der Kater geht nirgend wohin, wo er Gefahr läuft, daß man ihm das Fell abzieht. So weit kommt’s noch! Da kannst du alleine hin traben. Schrottingham! Wenn ich das schon höre! Aus die Maus. Ich suche mir jetzt ‘n brauchbaren Dosenöffner und..“

Belooohhhnung“, säuselte ich.

„Auf der anderen Seite kann ich dich Saftgurke ja nicht allein durch die Botanik stolpern lassen.“

„Ist es wahr!“ Es fiel mir schwer, nicht zu breit zu grinsen. „So ein Edelmut.“

Der Kater schnaubte.

„Aber wenn wir das hier überstehen sollten, wird es dringend Zeit, deine Rübe mal von innen beleuchten zu lassen, Kumpel“, brummte er.

„Nachdem das also geklärt ist...“, verkündete Hilly, wobei sie offen ließ, ob sich ihre Äußerung auf die Untersuchung meiner Rübe oder die Gesellschaft des Katers bezog, „..stellt sich nur noch die Frage, wie wir uns ins Allerheiligste hinein schleichen wollen?“

„Ich glaube, da hätte ich eine Idee“, bekannte ich, was mir ein Stöhnen vom Kater eintrug.

„Das kann ja nur schief gehen“, brummte er.

 

Mehr vom Kater voraussichtlich nächsten Freitag.... Kommentare immer willkommen

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.09.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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