Günther Würdemann

Großschreibung - Mein Lehrer Heinrich

Mein Lehrer Als Schirmherr

Lehrer Heinrich Hatte In Seinem Leben Schon Viel Durchgemacht. Nach Dem Krieg War Er An Unsere Schule Gekommen. Dort, Wo Ich Mich Bemühte, Das Abitur Zu Erlangen. Trotz Seiner Schweren Fluchterlebnisse Gehörte Er Zu Den Lehrern, Die Immer Einen Humorigen Spruch Auf Den Lippen Hatten. Wenn Es Darum Ging, Einen Zu Auffälligen Schüler In Die Schranken Zu Weisen, Forderte Er Ihn Auf, Nicht Immer Aus Der Falle Zu Rollen Statt Aus Der Rolle Zu Fallen. Er Bewies Soviel Humor, Dass Er Sich Auch Selbst Auf Die Schippe Nehmen Konnte, Das Heißt, Auch Eigene Fehler Zugeben Konnte.Wenn Schüler Ihn Nach Einer Sache Fragten Und Er Keine Antwort Darauf Wusste, Musste Er Sich Häufiger Den Vorwurf Gefallen Lassen, Dass Er Als Lehrer Doch Alles Wissen Müsse. Dann Konterte Er Geschickt Mit Den Worten:“Wenn Ich Alles Wüsste, Wäre Ich Gleich Der Liebe Gott Geworden. Aber Ich Bin Halt Auch Nur Ein Mensch!“ (Nebenbei: Es Gab Auch Lehrer, Die Behaupteten:“Jeder Mensch Macht Fehler. Auch Ich Würde Sie Zugeben --- Wenn Ich Welche Hätte. Aber Ich Mache Ja Keine!“ In Bezug Auf Die Zensurengebung War Er Ein Anhänger Des Glücksspiels. Seine Zensuren Waren Mehr Oder Weniger Gewürfelt, Wobei Ich Meistens Das Glück Hatte, Dass Mir Durchgängig Bis Zum Abitur Die Niedrigeren Augenzahlen Zuteil Wurden. Glück Muss Man Haben, Aber Das War Nicht In Allen Fächern. Und Unsere Eltern Waren Damals In Bezug Auf Beschwerden Sehr Zurückhaltend, Um Nämlich Eine Erfolgreiche Schullaufbahn Ihrer Kinder Nicht Zu Gefährden.

Eine Von Ihm Zum Besten Gegebene Geschichte Ist Mir Auch Heute Nach 60 Jahren Noch In Lebhafter Erinnerung: Als Er Eines Tages Mit Dem Fahrrad Zur Schule Wollte, Regnete Es Draußen In Strömen. Was Lag Näher, Als Einen Regenschirm Gegen Die Unbilden Des Wetters Mitzunehmen. In Der Schule Angekommen Stellte Er Ihn In Den Schirmständer. Tage Vergingen Und Er Verlor Den Schirm So Langsam Aus Seiner Erinnerung. So Nach Und Nach Nahmen Alle Kollegen Ihre Schirme Wieder Aus Dem Schirmständer Heraus Mit Nach Hause. Nur Ein Schirm Blieb Stehen, Unverkennbar Auf Grund Des Musters Der Stoffbespannung Ein Herrenschirm. Ein Vergessener Schirm, Das War In Der Damaligen Zeit Doch Sehr Verwunderlich. (Regenschirme Waren Seinerzeit Teuer Und Deshalb Auch Kostbar. Eine Mehrköpfige Familie Konnte Sich Glücklich Schätzen, Wenn Zumindest Ein Exemplar Für Alle Zur Verfügung Stand.) Nachdem Der Schirm Einige Wochen Im Ständer Des Lehrerzimmers Überdauert Hatte, Konnte Heinrich Sich Mit Einigen Bemerkungen Über Die Vergesslichkeit Eines Nicht Näher Bekannten Kollegen Nicht Mehr Zurückhalten. Der Hatte Den Schirm Anscheinend Nicht Mehr Auf Dem Schirm. „So Ein Wertvoller Regenschirm Steht Hier Verlassen Herum. Ich Verstehe Nicht, Wie Man Ein Solch Teures Ding Einfach Vergessen Kann. Und Dass Ihn Zuhause Bisher Niemand Daran Erinnert Hat? Manche Kollegen Werden Eben Alt Und Vergesslich. Mir Könnte So Etwas Nicht Passieren.“ Die Wochen Vergingen, Ohne Dass Sich Entscheidendes Ereignete. Als Er Wieder Einmal Von Der Schule Heimkam, Empfing Ihn Seine Frau Mit Den Worten:“ Übrigens Heinrich! Wo Hast Du Denn Den Schirm Gelassen, Den Du Vor Zwei Wochen Mit In Die Schule Genommen Hast?“ So Wurde Der Besitzer Des Schirms Doch Noch Gefunden. Gut Abgeschirmt... Hatte Er Den Eigenen Schirm Nicht Mehr Auf Dem Schirm Gehabt. Schön, Wenn Man Vergessen Kann. Aber Nur ...Wenn Es Nicht Regnet.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.09.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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