Aylin

Und immer ruft der Wahlkampf

Und immer ruft der Wahlkampf

 

 

Der Herbst ist eingezogen, das Licht legt sich sanft um die Bäume, idyllisch, und Regen gibt dem Bürger viel Zeit, um vor dem TV zu sitzen. Wahlkampfsendungen, die informieren sollen, den Bürger noch einmal zum Nach- oder Umdenken animieren, flimmern über die Mattscheibe. Jeder Moderator gibt sein Bestes, die Politiker alles.

Nachdem Muddi ein zweites Duell abgelehnt hat, macht man Bürgerfragestunden. Ganz volksnah. Einmal Merkels Duft schnuppern, ihn einsaugen wie Nasivin bei Schnupfen und dann nie mehr ausatmen. Einmal Schultzens Aftershave riechen, ihm die Hand schütteln und sie nie mehr waschen. Freude schöner Götterfunken und doch:

Immer dasselbe Lächeln. Muddi wird zu plötzlich bürgernah. Beugt sich zu offensichtlich herab von ihrem Thron, hört zu - der frustrierten Landärztin ebenso wie dem geschädigten Dieselfahrer, dem Altenpfleger, dem Deutschtürken, dem Afghanen, der seine Familie vermisst, der desillusionierten Schuldirektorin. Für alle hat sie ein bezauberndes Lächeln, das man sonst nie von ihr sieht und eine Antwort. Irgendeine Antwort. Nur eine arme Rentnerin jedoch bringt Merkel ins Schlingern, Lösungen bietet sie keine an. Altersarmut ist doch „Einzelfälle“. Der Schuldirektorin, die Integrationsproblem anspricht, verspricht sie ein Brainstorming mit diversen Direktorenkollegen und sich selbst. Na, klasse! Den Altenpfleger will sie besuchen im Heim. Bestimmt- na klar!

Bilder, die zu Herzen gehen, bleiben hängen, ein Down-Syndrom-Mädchen kämpft per Ablesen vom Zettel gegen die Abtreibung noch in den letzte Monaten, ein Syrer sagt: „Ich liebe Sie, Frau Merkel, Sie sind wie Papa und Mama.“. Da geht einem doch echt das Herz auf. Gut inszeniertes Theater, Show-Bizz.

Schöner noch als jeder Rosamunde –Pilcher- Film!

 

Schulz macht es nicht viel anders, setzt noch einen drauf, indem er profane Anbiederungsgespräche über Wohnorte führt und sich neben jeden Fragesteller setzt, um ostentativ Nähe und Gleichstellung zu symbolisieren. Herzlichkeit. Man möchte es ihm abnehmen. Und doch wirkt das alles inszeniert, sowohl bei der einen wie auch bei dem anderen.. Es ist, als schwämmen die großen Politiker im karibikfarbenen Wasser des Wahlkampfes wie ein hübsches Segelschiff. Und wenn der Wahlkampf vorbei ist, dann fährt das edle Schiff davon und der Wähler bleibt am Strand mit seinem müffelnden Stockfisch zurück.

 

Die Wahlbarometer fragen um und fragen um, die Ergebnisse scheinen klar zu sein und verändern sich nicht großartig. Vergessen scheinen die Fehler Merkels, die meisten Deutschen sind mit ihrem Dasein zufrieden. Merkel wird bleiben. Sagen sie. Wie das alte Bild an der Wand, das man nicht abnehmen kann, weil sonst durch den hellen Fleck, den es hinterließe, klar würde, wie verschossen die alte Tapete schon ist. Wie das alte Fahrrad, das man immer noch fährt, weil man es seit dreißig Jahren schon tut. Weil diese Frau die einzige ist, die uns aus der Krise führen kann, die sie doch selbst herbeigeführt hat und die eine Partei wie die AFD stark gemacht hat.

 

Das Einzige, was in dieser Tretmühle spannend ist, ist die Frage, wer mit ihr koalieren wird. Wen das Fallbeil trifft und wer sich wieder einmal wie FDP und SPD vor dem nächsten Prädestinierten zermalmen lässt von einem dominanten und arroganten Hosenanzug. Seine Farbe darf sich der Kandidat auswählen. Wäre dann aber auch schon alles…

 

So überlegt nun der intellektuelle Wähler, wen er als kleine Partei wählen könnte, um je nach Gemütslage CDU oder SPD an die Regierung zu bringen. FDP, den smarten Lindner, der sich wirtschaftlich bürgernah gibt und den wohl nur seine fetten Augenränder mit dem gemeinen Proleten verbinden?

Die Linken, denen immer noch der Geruch der SED anhaftet, wie einem Hund, der Durchfall hat der Gestank von Kacke am Hintern?

Die Grünen, die sich, wann immer es geht, gegen Polizei und für noch mehr Asylanten aussprechen und doch nicht gegen Massentierhaltung tun?

Diese Wählertaktik mag gewaltig in die Hose gehen, wenn man berücksichtigt, dass viele Unbenannte eine Partei wählen und ihr zum Einzug in den Bundestag verhelfen werden, die gruseligerweise Denkmäler gegen Judenverfolgung als Schande bezeichnet und die Leistung von Wehrmachtssoldaten als Tapferkeit lobt.

 

Letztlich könnte also eine Regierung entstehen, in der die Grünen als ungeliebtes Enfant terrible in die Regierung gehoben werden, um eine CDU oder SPD ebenfalls dorthin zu bringen. Ebenso denkbar wären

Unregierbarkeit, weil irgendwie keine Koalitionen Mehrheiten hätten und eine AFD über 20 Prozent.

Ein Eklat. Aber möglich.

 

Merkel hat diese neue Partei stark gemacht mit ihrer Ignoranz gegen ihre eigenen Bürger, die die Folgen ihrer missratenen Flüchtlings-Renten- und Sozialpolitik ausbaden müssen.

Jetzt ist sie da, die AFD und man denke an den Zauberlehrling. Die Geister, die ich rief…Merkel wird im Osten verpfiffen und verbuht. Aber was nützt es. Hündisch ergeben wählen ihre Anhänger sie, wenn man den Demoskopen glauben darf. Aber wie war das mit Trump, der gegen alle Demoskopen gewann?

 

Jeder, der nicht wählt, ist einer zuwenig.

Der Wähler jedoch schaut eine Wahlkampfshow nach der anderen und von anfänglichen Abenden, wo er noch spannungsgeladen Chips kaute, löffelt er jetzt nur noch lustlos Fruchtjoghurt light. Frei nach dem Motto: „Da sitzt er nun der arme Tor und ist so schlau als wie zuvor“.

(C)Aylin

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.09.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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