Christa Astl

Faszination der Sprache


 

Sprachentwicklung und frühe Förderung

 

Sprache ist wohl das wichtigste Kulturgut der Menschen. Viel wurde darüber schon von Psychologen und Soziologen geschrieben, ja die Philosophie hat den eigenen Zweig der Sprachphilosophie. Woher kommt die Sprache, wie hat sie sich entwickelt und entwickelt sie sich noch immer, all das ist mir aber hier zu weitgreifend.

Ich möchte an dieser Stelle etwas zum Verständnis beitragen, dass ich in letzter Zeit öfter Geschichten, von einem fünfjährigten Kind erdacht und erzählt (!), wiedergebe.

 

Den Dingen einen Namen geben, bezeichnen wie sie aussehen, was man tut, es dem anderen mitteilen ..., schon in früher Kindheit beginnt es. Anfangs „spricht“ der Zeigefinger, deutet auf die Objekte, dann heißt es: „Da!“ Bald versucht das Kind, den Dingen Namen zu geben. Mama, Papa, Auto, Wauwau … werden meist die ersten klaren Worte sein.

Und meine Tochter hat mit dem Hund um die Wette gebellt. Er bellte das fremde Kind am Balkon an, und das Kind rief ihn nach ihm mit „Wau-Wau!“

Kinder beobachten und lernen, probieren aus, wollen das zeigen, in unserem Falle hören lassen, was sie „erarbeitet“ haben. Köstlich, was da manchmal für Silben herauskommen, aber man darf nicht zu früh erzieherisch und sprachfördernd einschreiten und das Kind verbessern. Entweder es weigert sich dann überhaupt zu sprechen oder es antwortet auf andere Weise:

Meinem Enkel fiel das „R“ noch schwer, chinesisch wollte er nicht, also ließ er das „R“ einfach aus. Mancher Dialekt macht das heute noch. Einmal blätterte Enkelchen in Opas Werkzeugkatalog. Auf jeder Seite fand er etwas, das ihm gefiel, und sagte: „…des bauch i!“ (kein Tippfehler) Opa wollte korrigieren, sagte vor: „Des brauch i, brrrauch i, …“ Enkelchen schaut zu Opa auf, blättert um zum nächsten Bild und meint: „Und des will i!“. Den Sinn hat er sehr wohl verstanden und auf seine Weise korrigiert.

Immer mehr Worte lernt das Kind, entdeckt seine Umgebung, benennt sie, lernt durch Fragen: „…is des?“, später: „Was ist das?“. Immer wieder die gleiche Frage zum selben Ding, das nervt schon manchmal. – Aber es kommt noch schlimmer!

Wenn es den Dingen auf den Grund gehen will, das Warum, Wozu, Weshalb erforschen will. „Warum ist der Himmel blau?“ – „Warum wächst die Blume?“ – "Warum regnet es?“ Alle Eltern, Onkel, Tanten, Großeltern wissen genug derartige Fragen. Man erklärt mit Geduld, (oft schon zu genau), denn Kinder müssten ja richtig aufgeklärt werden (meint man). Man glaubt endlich die Neugier befriedigt zu haben, und schon kommt das nächste „Warum?“ wie als Antwort auf die Erklärung. Oft scheint es mir ein beliebtes Spiel der Kleinkinder, zu schauen, wer die größere Ausdauer hat…. Am besten, man antwortet dann mal mit einer Gegenfrage.

Es heißt, Märchen und Geschichten vorlesen sei gut für die Sprachentwicklung. Leider überwiegen oft die Trickfilme im Fernsehen oder Computer, wo es den Kindern wohl gefällt, wenn sich alles bewegt, die dazu passenden Worte sind meist nicht kindgemäß, vor allem nicht sprachbildend. Schon gar nicht die Sprechblasenkommentare.

Wie anders ist es, wenn die Mama, der Papa, oder jemand anderer selber eine Geschichte erzählt, oder auch vorliest. Die Kinder hängen an den Lippen, wollen kein Wort verlieren, ihre Mienen spiegeln den Inhalt der Geschichte wider. Noch vertiefender ist es, anschließend die Geschichte mit dem Kind gemeinsam in eigenen Worten zu wiederholen,  oder durch Fragen das Kind selber zum Erzählen zu animieren. Ich bin immer erstaunt, wie viel auch an den nächsten Tagen noch vom Erzählten hängen geblieben ist. Wenn ich das Kind erzählen lasse, fällt es automatisch in meine Erzählform, ob ich jetzt im Dialekt oder in Hochsprache erzählt habe, es verwendet sogar ähnliche Sätze. Antwortet es nur mit einzelnen Worten, frage ich nach, es entsteht dann ein Dialog, durch den die Ausdrucksweise gefördert wird.

Dialoge mit kleinen Kindern können herrlich erfrischend sein, und auch für uns Erwachsene bleibt es eine Herausforderung, uns in die kindliche Denkweise einzufühlen. Und erstaunlich, wie sich Kinder schon „winden“, um etwas klarzustellen oder genau zu erklären – wenn man nachfragt. Gemeinsam kann man dann versuchen, eine Gute-Nacht-Geschichte zu erfinden.

Ich habe einmal nicht gewusst, was ich erzählen soll und meinen Enkel aufgefordert: „Fang du mal an…“ – Und los ging es: „Da war einmal….“ Wechselweise ist dann eine Geschichte entstanden (Der Fliegenpilz). Das Spiel machte Spaß, er probierte es immer wieder, und ich schrieb einfach mit, so wie er erzählt hat. Gleich anschließend musste ich sie vorlesen und er hat schon kritisch geurteilt. Z.B. „ Der Anfang gefällt mir nicht, das schreiben wir anders….“  Letzthin beim Spaziergang durch den Wald entstand eine völlig neue Form von „Hänsel und Gretel“….

Ich sammle die Geschichten und schenke sie ihm dann zum Schulanfang. Dann hoffe nur sehr, dass diese kindliche Fantasie nicht durch zu strenge Lehrer zunichte gemacht wird.

 

ChA 21.09.17

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.09.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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