Marit Jöns

Immer wieder nice mit dir!

Nervös wische ich meine Hände an der schwarzen Leggings ab und vergrabe sie in den Taschen meines dunkelblauen Hoodies. Ein schneller Blick nach rechts und links verrät mir, dass wir allein sind. Wer sollte auch sonst mitten in der Nacht auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums herum schleichen? Mal abgesehen von zwei Sprayern, die das Territorium ihrer Gang markieren müssen? Ich blicke zu Jacky herüber und sehe, wie die ganz in schwarz gekleidete Gestalt ihren Sportsbag auf den Asphalt gleiten lässt. Kiss my Airs, steht darauf. Automatisch wandert mein Blick zu ihren Sneakern; Wir tragen ein identisches Paar Air Max.

Aus dem Augenwinkel nehme ich das Flackern einer einzelnen Straßenlaterne wahr, ein kalter Windhauch lässt mich ein wenig frösteln. Irgendwo in der Ferne bellt ein Hund, neben mir höre ich nur das Geräusch der Sprühdose und Jackys leise Fluchen.
"Jacky Abla? Was los?", frage ich erschrocken.
Anstatt zu antworten hält sie mir ihre Hände hin, rote und silberne Farbe hat sich in ihre Haut gefressen. An der Mauer das Gebäudes steht in silberner Farbe 1316, mit den roten Outlines hat sie ebenfalls begonnen. Ich sehe ihr dabei zu, wie sie diese vollendet. Jetzt fehlt nur noch der Tag im unteren Ende der Sechs und sie ist fertig...
"Was Macht ihr da?", höre ich eine unfreundliche Männerstimme rufen und drehe mich um. Im flackernden Licht der Laterne sehe ich einen älteren Herren mit einem kläffenden Hund stehen.
"Bildende Kunst!", antwortet Jacky grinsend, schmeißt ihre Sachen in den Sportsbag und rennt los. Ich laufe ihr hinterher, denn ich weiß, dass sie mich nicht zurücklassen will.
"Ich rufe die Polizei!", hören wir den Alten noch brüllen, doch wir laufen einfach weiter.

Ein gutes Stück entfernt bleiben wir schließlich stehen.
"Wow, Mila! Du bist Beste! Immer wieder nice mit dir!", meint Jacky und zündet sich mit ihrem gepunkteten Feuerzeug eine Zigarette an. Auch mir bietet sie eine an, die ich, obwohl ich eigentlich nicht rauche, annehme. Mit meiner Sestra zusammen fühle mich so frei, dass ich sogar Dinge tue, die ich allein nie tun würde.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.10.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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