Sven Werfel

KULTURBANAUSE

 

KULTURBANAUSE

 

 

Ich hatte mir frühzeitig Mühe gegeben, dass dieser scheiß Apparat in meiner Hand nicht allzu oft klingelt. Nicht ganz ohne böse Blicke meine Freunde und Bekannte und auch in dem Wissen, nicht in die Hotspots der Gesprächskultur und den sogenannten sozialen Medien einzusteigen.

 

Gesprächskultur ist als Begrifflichkeit ohnehin, dehnbar geworden. Kultur, ist ein großes Wort und so wie ich das in meinem Umfeld beobachte, stellt sich Kultur eher so dar, dass Kultur meist aus kulturell abfeiern, kulturell abhängen oder kulturell einkaufen besteht. Kultiviert arbeiten gehen, ist nur mittel zum Zweck.

Ich bin also mega unkultiviert.

 

Mit kultiviertem abfeiern soll wohl gemeint sein, im wiederkehrenden Wochenzyklus sonntags, sich für den Dickschädel zu bedanken aber sogleich die voran gegangene Nacht zu loben. Man hat es ja so übertrieben aber es hat sich gelohnt.>> Man ist ja jung und schlafen kann´ste wenn du unter der Erde liegst.. <<

Schon der Gedanke an die Musik lässt mich zu einem wahren Kunstbanausen werden.

 

Ich hab doch schon einen an der Klatsche, also warum sollte ich mir, mitten in der Nacht, im flockigen 150 Bpm Marsch, Hirn tötende Epilepsie erzeugende unregelmäßige elektronische, wertfreie musikalische Zottelklänge, in mein unkultiviertes Birnchen rein fräsen und somit den gesunden Tag-Nacht-Zyklus, meines, ohnehin schon über-kultivierten Körpers, stören.

Wenn das der Maßstab für Kultur ist, ja, dann bin ich der natural born Kulturbanause.

 

Ich denke der ein oder andere wird jetzt geneigt sein, mit seiner Streit-Kultur, in Form eines netten Kommentars, sich an mich zu wenden und mir doch die Fehlerhaftigkeit meiner Aussage, näher zu bringen. Kultur-relevant, modern in herablassender Form, gerne auch im Rudel und gerne auch mit der Anmerkung das Donald Trump ein elender Bastard sei und man ihn irgendwie stoppen müsse, Hauptsache, andere machen das und nicht man selbst. Man will sich ja nicht die Finger schmutzig machen!

Ja, Kultur verbindet, doch ist nicht jeder ein wahrer Kulturexperte.

 

Was das kulturelle Abhängen, neudeutsch chillen, angeht, muss ich gestehen, bin ich völlig raus. Nebst lauter Musik, die ein aufkommendes und tiefgründiges Gespräch stört und lauter macht als notwendig, ertönt permanent der Messenger, der die aktuelle Statusmeldung der Zielperson-X wiedergibt, derer Informationsgehalt, zu meist, Nichtigkeiten enthält, wie z.B. „ ..und was machst du so?“ --“Party, voll langweilig... is aber nix los, und bei dir?!“

 

So sitzen die Protagonisten ihrer eigenen Daily-Soap auf dem Sofa, schweigen sich an und kommunizieren im besten Fall, über den Daddel-mini-computer miteinander.

Kernthema des heutigen Austausches neuester Tatsachen ist, dass gerade frisch eingetroffen Smartphone X-747-8654 mini. Das muss ich haben,denn außer mir hat es noch niemand. Spitzenreiter und damit, King of the Ring für die nächsten 5 Wochen. Top!

Außerdem haben die Chinesen eine neue Website mit haufenweise Billig-Ramsch-Artikeln auf den Markt gebracht. Gefertigt aus Sondermüll, denn hier keiner haben will und Chemikalien, die hier nicht einmal ein Chemiker anfassen würde, geschweige denn anziehen. Aber was soll´s. Kost nur ein Euro und wenn ich später dann ein Bild schicke, dass zeigt, dass die Ware nicht so ist, wie ich sie bestellt habe, dann bekomme ich den Scheiß auch umsonst, läuft.

 

Kultur ist ein großes Wort. Was soll ich mit einem analogen Kafka, wenn ich doch einen digitalen Google habe? Hauptsache, ich weiß wo es geschrieben steht und dann gibt es ja noch copy & paste, reicht doch. Sieht gut aus und gibt was auf meiner Profilseite her. Macht ohnehin nicht so viele Klicks und Däumchen.

 

Die moderne Digitalisierte Welt ist Fluch & Seegen zu gleich.

Den Fluch, ich mach es kurz, habe ich oben beschrieben.

 

Der Seegen ist aber weit größer und umfangreicher als das, was wir bis lang kannten.

Ich habe in den letzten Jahren quasi, nur aus der Neugier heraus, einen Pseudo-Bachelor in diversen Fachbereichen gemacht.

Die unendliche Fühle, des mir gebotenen Sinn und Unsinns, in Form des World-wide-webs, bietet mir die universelle Bibliothek. Der Zugang zu Wissen, welches im Normalfall nur den Proffs und Studies der Welt vorbehalten ist.

 

Habe ich ein Problem mit meiner Heizung, schaue ich einfach ein Tutorial und lasse es mir kurz und präzise in (meist) 15 min. erklären. Handwerker vielleicht gespart. Brauche ich Hilfe bei der Abrechnung, kein Problem.

War ich in der Schule nicht der hellste Stern, und das trifft auf mich zu, dann kann ich mich selber weiter bilden ohne auch nur das Haus zu verlassen, eine Schule zu besuchen und somit auch die nervigen, überflüssigen und kontraproduktiven Abschlusstests über mich ergehen zu lassen, die ohnehin nur dafür sorgen, dass ich das gerade frisch angeeignete Wissen, vor lauter Abneigung wieder fallen lasse.

 

Ja ich bin ein Kulturbanause!

Ich bin ein Kulturbanause, da ich etwas haben möchte, dass ich auch weiter geben kann und nicht nur konsumieren.

Ich bin ein Kulturbanause, da ich sehe, dass der Weg der eingeschlagen wurde, kontraproduktiv, wenn nicht sogar schädlich ist .

Und ich bin ein Kulturbanause, da ich weiß das, dass was ich hier geschrieben habe, lediglich meine subjektive Meinung ist und viele da draußen es sicherlich anders sehen.

Und das ist auch gut so, selbst wenn es mir nicht gefällt.

 

Was ist schon eine Kultur wert, derer Halbwertzeit lediglich auf einer Zeitspanne eines Gerätes oder eines Trends beruht?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.10.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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