Marlene Remen

AN DICH VI

An Dich, mein Kind, mein Marcel, will ich diesen Brief schreiben, an Dich.
Gestern war ich bei Dir, nach fast 2 Monaten und sah deine Qualen, dein Leid.
Dein Körper in dieser verkrümmten Haltung, geschüttelt von den spastischen
Krämpfen, deine Atemnot und die aufgerissenen Augen. Wieder hattest du
erhöhte Temperatur und diese Schwitzattacken, sie kamen Schlag auf Schlag.

Deine Hände, deine lieben Hände, die mich so oft gehalten haben, so vieles
für uns hier getan haben, sie sind nach innen gedreht und die Finger in einer so
grotesken Weise stehen sie, es ist unerträglich für mich, dies anzusehen.
Mit diesen Fingern konntest du das kleinste Schräubchen eindrehen und deine
Geduld bei so Vielem, sie fehlt mir so sehr. Es gab kein Problem, was du nicht
lösen konntest.

Nun weißt du nicht einmal, wer du bist und wie dein Leben war. Es wurde dir an
diesem Tag vor fast 5 Jahren genommen und mir ist dieser furchtbare Tag immer
vor Augen. Wo war er, den sie den Gütigen, Gerechten und Beschützer nennen ?
Er war nicht da, weil es ihn nicht gibt und auch nie gegeben hat. Denn gäb es ihn,
wie kann er zulassen, daß den Menschen so unsagbares Leid geschieht ? Manchmal
wünsche ich mir, dein Leben, dein Herz wäre an diesem Tag stehen geblieben und
du müßtest diese Qualen nicht erleiden.

Wie sehr habe ich um dich gebeten und dafür gekämpft, damit du geboren werden
konntest , war das vielleicht nicht Recht ? Doch, das war es und ich würde es immer
wieder tun. Und dich genauso lieben, wie ich es in all den Jahren getan habe und
immer tun werde. Dies wird niemals aufhören, in meinem Herzen bleibst du auf ewig.
Es wird der Tag kommen, an dem wir Beide wieder zusammen sind und ich es dir
wieder sagen kann :

Meine Liebe wirst du niemals verlieren, sie wird immer bei dir sein, mein geliebtes Kind.





 

Mein Marcel, im Garten blühen die Schneeglöckchen,
so viele, sie blühen nur für dich, mein Kind.

Ein Rotkehlchen sah ich heute hier,
mir schiens, als wärs ein Gruß von dir.
Und kann ich auch nicht bei dir sein, mein Kind,
niemals bist du allein.


In meiner Träume Garten, da bist du stets bei mir.
Dort höre ich dein Lachen, dort bist du immer hier.
Marlene Remen, Anmerkung zur Geschichte

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