Anne Eckardt

Rachespiele (TvP) 1

Ich lag bereits seid Stunden wach in meinem Bett und starrte die Zimmerdecke an. Nichts mehr mit Glanz und Luxus. Seid vielen Jahren waren die Distrikte an der Macht und dies bedeutete das wir Kapitolbewohner nun unter ihrer Herrschaft lebten. Und da gab es noch ein Problem: Die Rachespiele. Jedes Jahr worden 12 Mädchen und 12 Jungen aus dem Kapitol ausgelost und in eine der Arenen gesteckt in dehnen damals die Hungerspiele statt gefunden hatten. Im letzten Jahr war es die Arena der 43 Hungerspiele gewesen in der sich unsere Tribute bekämpfen mussten. Welche es in diesen Jahr sein würde wusste ich nicht und wollte es wenn ich ehrlich sein sollte auch gar nicht wissen. Ich war 16 Jahre alt und mein Name WÜRDE dieses mal 16 Lose in der Trommel haben. Wenn es nur nach dem Alter ginge. Es war eine neue Regel eingeführt worden, der sogenannte "Losewürfel". Einige Wochen vor der Ziehung der neuen Tribute mussten sich alle Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren auf dem Platz versammeln auf dem früher immer die Wagenparade stattgefunden hatte. Dort musste jeder von ihnen einmal einen großen, hölzernen Würfel auf einen Tisch werfen. Die Lose in der Trommel wurden anschließend mit der geworfenen Zahl multipliziert. Und ich Pechvogel hatte eine 6 geworfen! Also hatte 96 Lose in der Trommel "gewonnen". Es waren zwar nur 96 unter mehreren Tausend aber die Gefahr war vorhanden.


 

Ich stand langsam auf und ging durch mein leeres Zimmer in den Flur. Das mein Vater auf Grund seiner früheren Position im Kapitol zur Strafe jedes Jahr 30 Wochen lang in den Steinbrüchen in Distrikt 2 arbeiten musste und somit während der Ziehung nicht anwesend war, machte die Sache nicht besser. Ich selber musste auf Grund meiner 16 Jahre nur 8 Wochen lang nach Distrikt 9 auf die Weizenfelder oder nach Distrikt 4 in die Fischfabrik. Das war alles nur halb so wild. Wahrscheinlich würde mein Vater von der Ziehung nicht viel mitbekommen. Es gab während der Mittagspause nur eine Zusammenfassung zu sehen. Arbeitsfrei würde er erst bekommen wenn ich gezogen werden würde. Dann musste er sich zusammen mit den anderen Eltern der Tribute die ganzen Spiele im Fernsehen anschauen.

Als die Sonne vollkommen über den Horizont geklettert war hatte mich schon gewaschen, mich angezogen und war hinunter in den das Erdgeschoss unseres kleinen Hauses gegangen. Das Erdgeschoss bestand nur aus einem einzigen Raum den man mit 12 Schritten von der Tür bis zur hinteren Wand durchquert hatte. Das Obergeschoss war genau so klein, nur dass dieses noch einmal durch eine Trennwand in zwei Schlafräume geteilt war. Im Erdgeschoss war unsere Wohnküche plus ein Bereich den wir als Badezimmer verwendeten. Dieser war durch ein einfaches Holzregal von der Küche getrennt. In dem Holzregal stand fast alles was ich besaß: Eine Kiste mit Familienfotos, ein Schulbuch in dem die Geschichte Panems stand, zwei selbstgemachte Blumenvasen aus Ton, sowie ein alter, ab gekuschelter Stoffbär. Hinter dem Regal stand ein großer, viereckiger Holztisch mit drei Stühlen. Wenn ich daran dachte das mir meine Eltern mal erzählt hatten dass es sich bei dem Kapitol mal um die Hauptstadt unseres Landes Panem gehandelt haben soll, konnte ich dies manchmal kaum glauben. In den Jahren nach der Rebellion wechselten sich die Distrikte mit dem Regieren ab. Dieses Jahr war Distrikt 5 dran. Jeder der Distrikte verfügte über ein eigenes Trainings- und Unterkunftscenter für die gezogenen Tribute.

Die gezogenen Tribute werden mit dem Hovercraft vom Kapitol in den jeweiligen Distrikt gebracht und dort gleich in das Trainingscenter geführt. Dieses durften wir anschließend bis zum Start der Spiele nicht mehr verlassen.

Ich hatte bereits Gerüchte gehört das es in diesen Gebäuden absolut Furchtbar sein musste. Von dem Luxus in dem die Tribute lebten, als das Kapitol nach die Hauptstadt Panems war, war nichts geblieben.


 

Ich hob den Deckel eines Tontopfes hoch und nahm mir aus ihm einen Happen Haferbrei. Ein vollkommen normales Essen hier im Kapitol. Jeder Bewohner des Kapitols bekam zudem pro Woche ein Laib Brot, etwas Margarine, sowie eine Packung Dosenfleisch. Familien deren Kinder in die Spiele gehen mussten erhielten als „Belohnung“ etwas mehr.

Die nächsten Stunden verbrachte ich damit mich auf die Ernte vorzubereiten. Ich wusch misch, kämmte meine Haare und steckte sie zu einem lockeren Zopf nach oben. Anschließend zog ich mein schlichtes, dunkelgrünes Erntekleid an. Es reichte mir gerade so bis zur Mitte meiner Unterschenkel hinab. Dann kroch ich in meine Sandalen. Ich war fertig für die Ernte der Tribute für dieses Jahr.

Als es wenig später an der Tür klopfte wusste ich das sie kommen würden um mich abzuholen. Ich öffnete und sah zwei große, in dunkle Rüstungen gekleidete Männer vor der Tür stehen. „Wir sind gekommen um sie für die Ernte abzuholen Mrs. Conner“ sagte einer der Beiden zu mir. Das er dabei seine rechte Hand auf seine Waffe gleiten lies entging mir aber trotzdem nicht. „Ja“ antwortete ich und folgte den Männern zu einem großen Bus, welcher nur wenige Straßen weiter neben einer niedrigen Hecke geparkt war. In dem Bus saßen bestimmt schon mindestens 30 andere Kinder und Jugendliche. Ich stieg ein und setzte mich neben einen kleinen, vielleicht 14 Jahre alten Jungen dessen Augen ins Leere blicken. „84“ flüsterte er. „Du bist 84 drin?“ fragte ich leise und er nickte. Ob wohl er eine geringere Chance hatte gezogen zu werden als ich zitterte er am ganzen Körper. „Und du?“ fragte er. „96 mal“ sagte ich knapp. Es dauerte weniger als 15 Minuten bis wir auf dem großen Platz ankamen auf dem einst immer die Wagenparade der Tribute stattgefunden hatte. Von den Rängen sehen uns jubelnd die Bewohner der Distrikte zu. Eine riesengroße, goldfarbene 5 schwebte als Hologramm über dem Platz in der Luft. Ein Symbol für den regierenden Distrikt.

Wir stiegen aus dem Bus und mussten uns anschließend in Reihen aufstellen. Für jedes Geschlecht und jedes Alter eine Reihe. Ich stellte mich in die Reihe der Mädchen im Alter von 16. Niemand sagte ein Wort als Johann Gray, der diesjährige Bürgermeister des Kapitols die niedrige Tribüne am Ende des Platzes betrat. „Willkommen!“ sagte er „Zur Ziehung der Tribute der diesjährigen Rachespiele!“ Jubel brach auf den Rängen rings um uns herum aus. Im selben Moment fuhr neben der Tribüne ein großer Bildschirm aus dem Boden auf dem in Endlosschleife Bilder aus dem Krieg gegen das Kapitol gezeigt wurden, immer wieder unterbrochen von Gesichtern von Tributen die unter der Herrschaft des Kapitols in den Arenen sterben mussten. Ich achtete nicht mehr auf die Bilder, dies alles kannte ich zu genüge. „Na dann“ begann Johann „Lasst uns beginnen. Und wie immer: Ladys Fürst.“ Er ging zu der großen Kugel in der sich 96 mal der Name Emie Conner befand. Er zog einen der Zettel heraus, faltete ihn auseinander und lass laut vor: „Johanna Bluebird!“ Einige Reihen neben mir, in der Gruppe der Mädchen im Alter von 13 tat sich nur wenige Augenblicke später etwas: Die Wachen führten ein kleines, dunkelhaariges Mädchen zur Tribüne. Ich war so geschockt von dem Anblick das ich die nächsten 5 Namen nicht mitbekam. Ich sah nur wie die Gruppe der Mädchen auf der Tribüne immer größer wurde.

Emie Conner!“ Ich zuckte zusammen als ich meinen Namen hörte. Rings um mich herum brachen die Reihen auf. Ich sah wie sich mir von rechts zwei dunkel gekleidete Wachen nährten. Sie führten mich zur Bühne wo ich mich neben das Mädchen stellte welches zuerst gezogen wurden war.

Als sich kurze Zeit später 12 Mädchen auf der Bühne befanden, waren die Jungs an der Reihe. Von diesen Ziehungen bekam ich nur mit das als erstes gleich hintereinander zwei Brüder gezogen wurden. In meinem Kopf ging ich unzählige Möglichkeiten meines Todes durch. Wenn sich in den Distrikten keine Sponsoren für mich interessieren würden, könnte ich in einer Wüste verdursten, oder in einer tief verschneiten Gebirgslandschaft erfrieren. Es gab so viele Möglichkeiten wie ich ums Leben kommen könnte.

Kaum waren alle Tribute ausgelost erschien über dem Platz ein Hovercraft. Es landete und wir wurden an Bord geführt. Die Zeiten in denen die Tribute mit dem Zug abtransportiert wurden, waren schon lange vorbei. Im Inneren gab es nur einen länglichen Raum an dessen Wänden pro Seite je zwölf sesselartige Stühle aus Metall und Kunststoff angebracht waren. Jeder Stuhl war mit Gurten versehen um sich während des Fluges anschnallen zu können. Ich setzt mich neben ein dunkelhaariges Mädchen welches sofort vor Angst begann sich in den Handrücken zu beißen. Automatisch legte ich ihr meine Hand auf den Unterarm, wobei sie leicht zusammen zuckte. Sie sah zu mir herüber. „Nicht....“ sagte ich sanft „....du tust dir nur selber weh.“ Sie nickte. „Wie heißt du?“
fragte sie mit leicht zittriger Stimme. „Emie.....Emie Conner“ stellte ich mich vor. „Clara Moore“ sagte sie. Der Flug mit dem Hovercraft nach Distrikt 5 dauerte eine gefühlte Stunde.

Als es zur Landung ansetzte sah ich aus dem Fenster und erkannte mehrere Reihen von alten Hochspannungsmasten in der Ferne. Früher einmal führten diese zum Kapitol. Heute hatten wir, wenn wir Glück hatten, vielleicht eine Stunde Strom am Tag. Wobei es letzten Winter einmal einen, fast 3 Wochen andauernden, Stromausfall gab. Ich war froh das wir einen Holzofen im Haus hatten.

Der Weg vom Landeplatz des Hovercrafts zum Trainingscenter war kurz. Es waren vielleicht nur 30 Meter. Genau vor uns befand sich ein hohes Eisentor welches der einzige Durchgang durch die ca. 7 Meter hohe Mauer war. Gleich dahinter befand sich das Trainingscenter dieses Distriktes. Als wir das Tor durchquert hatten kamen wir auf einen kleinen ca. 20 m² Meter großen Hof den das Trainingscenter wie ein riesiges U umschloss. Das Gebäude selber schien aus Stahlbeton zu bestehen und besaß im Erdgeschoss und im ersten Stock nicht mal Fenster. Nur der zweite Stock und das Dachgeschoss hatten welche. Ins Innere des Gebäudes führte nur eine einzige, zwei Meter große Eisentür welche von Außen mit Holzplatten verkleidet wurden war, doch als wir durch die Tür hindurch gingen konnte ich das glänzende Metall auf der Innenseite der Tür erkennen.
Kaum waren wir alle hindurch gegangen verschlossen sich automatisch die Türen hinter uns. Im Inneren gab es einen ca. 20x10 Quadratmeter großen Raum der auf seiner linke und rechten Seite je eine Metalltreppe hatte die hinauf zu jeweils einer Holztür führten. Auf der linken Tür stand in silbernen Buchstaben groß das Wort: Mädchenschlafsaal und auf der rechten, ebenfalls mit silbernen Buchstaben: Jungenschlafsaal.

In der Eingangshalle empfing uns Darvin, der Leiter des Trainingscenters. Er begrüßte uns mit einigen kurzen Worten und erklärte uns anschließend den Morgigen Tagesablauf. Trainiert wurde von Morgens um 7 bis Nachmittags um 6. Dazwischen gab es je eine einstündige Frühstücks, bzw. Mittagspause.


 

Anschließend schickte er uns in die jeweiligen Schlafsäle. Ich folgte den anderen Mädchen nach oben. Hinter der Tür erwartete uns ein ca. 12 Meter langer und 5 Meter breiter Raum in dem auf jeder Seite je 6 Betten standen. Obwohl das Wort „Betten“ eigentlich falsch war, Holzliegen wäre ein passenderes Wort. Auf jeder lag eine dünne Matratze, eine Wolldecke, ein Kissen.
Neben jedem der Betten stand ein Metallschrank in dem unsere Trainingssachen hingen. Jeder von uns ging zu einer der Liegen. Ich öffnete den Schrank und sah eine dunkelblaue Trainingshose, ein schwarzes T-Shirt sowie schwarze Turnschuhe. Daneben erblickte ich noch ein schlichtes weißes Nachthemd. Ich setzte mich auf die Kante meiner Liege und blickte in Richtung Boden. Die dunkelbraunen Holzdielen bildeten einen merkwürdigen Kontrast zu den weißen Wänden und der Decke von der nur drei Lampen an Stromkabeln herunter hingen. Da der Raum keine Fenster besaß würde dies wohl eine der dunkelsten Nächte in meinem Leben werden.

 

Ich schlug die Augen auf. Es war dunkel im Schlafraum der Mädchen. An den Bewegungen links und rechts von mir merkte ich das ein paar der anderen ebenfalls schon wach waren. Am liebsten hätte ich gewusst wie spät es war doch ich sah nirgends wo eine Uhr. Wie spät es tatsächlich war merkte ich nur wenige Minuten später als sich das Licht im Schlafraum automatisch von alleine anschaltete. Ich kniff die Augen zusammen, ob wohl ich eigentlich damit hätte rechnen müssen. Ich stand auf, kroch aus meinem Nachthemd und ging zu einer kleinen Glastür die sich am Ende des langen Raumes befand und die in eine Art Gemeinschaftsbad führte. 24 Schlichte Waschbecken mit silberfarbenen Wasserhähnen zierten die Wände in diesem ersten Raum des Bades. Links neben den Becken führte ein Türrahmen mit einer hölzernen Schwingtür in eine große Gemeinschaftsdusche. Als ich mit meiner Morgentoilette fertig war ging ich gemeinsam mit 4 anderen Mädchen zurück in den Schlafsaal und zog meine Trainingskleidung an. Das T-Shirt war untenherum etwas zulang doch alles in allem passte sie mir. Nach dem ich mich angezogen hatte schaute ich noch einmal an mir herunter und fand dass ich für den heutigen, ersten Trainingstag bereit war.

 

Als wir Tribute wenig später die Trainingshalle betraten war ihr Innerer Aufbau das Erste was mir auffiel: Die Halle war, durch dicke auf den Boden angebrachte Linien, in vier quadratische Abschnitte unterteilt. Alle von gleicher Größe aber unterschiedlicher Ausstattung. In jedem der Abschnitte gab es unterschiedliche Stationen zum Training. Das man sich nicht aussuchen durfte in welchem der Bereiche man trainierte war etwas, was ich erst jetzt erfuhr. Mario, der Cheftrainer, begrüßte uns, und lies uns anschließend alle in einen großen, dunkelroten Stoffbeutel greifen in dem sich kleine farbige Steintäfelchen befanden auf dem Zahlen von 1 bis 4 standen. Je nach dem welche Zahl man zog musste man in das entsprechende Trainingsquadrat gehen. Dieses durfte man bis zum Ende des Trainingstags nicht mehr verlassen. Die Zeiten in dem die Tribute frei von Station zu Station gehen konnten waren, wie so vieles andere auch, Geschichte seid die Distrikte bestimmten wo es lang ging. Als der Trainer mit dem Beutel bei mir ankam kniff ich die Augen zusammen, griff hinein, und zog eines der kleinen Täfelchen heraus. Als ich meine Augen wieder öffnete sah ich mir das Täfelchen an und erkannte die Zahl 3. Also musste ich in das Quadrat mit den Überlebensstationen. Ich begab mich zusammen mit 6 anderen Tributen in das von mir gezogene Quadrat. Während der nächsten Stunden probierte ich neben dem Hängematten flechten, Feuer machen und Fallen für Kaninchen bauen nicht an die Arena zu denken in die sie uns dieses Jahr stecken würden. Sobald wir in der Arena waren würde es laut durchgesagt werden in welcher der Hungerspielarenen wir und befanden doch vorher nicht.

 

Alles in allem verging die Zeit bis zur ersten Pause sehr schnell. Diese wurde durch einen lauten Glockenschlag ankündigt. Wir gingen alle aus der Trainingshalle hinaus. Neben dieser führte auf der linken Seite ein Korridor zu der dunkelbraunen Eingangstür des Speisesaals. In diesem war bereits das Frühstück vorbereitet. Auf einem langen Tisch, in der rechten Seite des Raumes stand dies, stand das was man uns Kapitoltributen anscheinend als Frühstück gestattete: Trockene Brötchen, Haferflocken mit Milch, Butter, Wurst, Käse, und zum trinken kalter Pfefferminitee. Ich nahm mir einen Plastikteller, ein Messer und einen Becher aus Pappe die am oberen Ende des Tisches standen. Anschließend legte ich zwei Brötchen mit Käse auf den Teller und fühlte einen Becher Tee. Anschließend setzte ich mich an einen der Tische im Raum. Eigentlich hatte ich keinen Hunger, trotzdem aß ich die beiden Brötchen auf. Ich merkte aber gleich wie mein Magen begann zu rebellieren. „Schön drinnen bleiben“ dachte ich mir. Ich wollte mich nicht übergeben.

Als das Frühstück zu Ende war, ging ich wieder in die Trainingshalle zurück um weiter meine Überlebensfähigkeiten zu trainieren. „Mein Bruder war letztes Jahr in den Spielen“ sagte der Junge neben mir leise. Ich blickte zu ihm herüber. „Er starb gleich am ersten Tag.“ „Ist er am Füllhorn gestorben?“ fragte ich und der Junge nickte. Letztes Jahr hatte es alleine während des Blutbades am Füllhorn 14 Tote gegeben und während eines Gewitters in der ersten Nacht weitere 3 Tote. Damit gab es alleine in den ersten 12 Stunden der Spiele 17 Tote Tribute.


 

Ich versuchte meinen Arm mit einer Schicht aus Schlamm, Moos, und Baumrinde zu tarnen was mir gar nicht mal so schlecht gelang. Das nächste was ich probierte war mit Hilfe eines alten Lappens, einen Stockes, und etwas Draht eine Falle für Kaninchen zu bauen. Ich versagte dabei aber kläglich. Das stellen einer Falle für Flusskrebse und Forellen mit Draht und Stöcken gelang mir schon wesentlich besser. Trotzdem brauchte ich eine geschlagene halbe Stunde bis die Löcher zwischen den Streben endlich die passende Größe hatten das kein Fisch entwischen konnte. Wenn ich daran dachte das man sich weder darauf verlassen konnte das es in der Arena so etwas wie Kaninchen, Forellen oder gar Flusskrebse gab wurde mir komisch. Wenn mich keiner der Distrikte sponserte konnte ich mich nur auf meinen Jagderfolg verlassen, doch wenn ich mir meine Fallen so ansah, sah es damit im Moment sehr schlecht aus.

Wenn ich an die Spiele von vor 5 Jahren dachte, als sich die Tribute in der Arena der 74. Hungerspiele einen sehr blutigen Kampf auf Leben und Tod lieferten, wurde mir schlecht. Doch dies war bei diesen Spielen, in einer von Wald dominierten Arena, nicht die Hauptgefahr. Über 40 % der Tribute erfroren in den Nächten als die Temperaturen in den Keller sanken. 4 Tribute waren sogar so „blöde“ und zündeten Nachts ein Feuer an. Das dies ein sicherer Weg in den Tod war, war eigentlich klar.

In diesem Moment fiel mir auf das mir die Falle, die ich bauen wollte, vollkommen misslungen war. Ich hatte die Schlinge auf der falsche Seite des Holzstockes befestigt. Mit einem leisen seufzen baute ich die Falle wieder auseinander und probierte es noch mal von vorne. Diesmal konzentrierte ich mich nur auf den Draht und den Stock an dem er befestigt war. Als er einigermaßen fest war nahm ich einen zweiten Stock und löste die Falle damit probeweise aus. Die Schlinge zog sich um das untere Ende des Stockes zusammen und mit einem Ruck schwang die Falle im hohen Bogen durch die Luft. „Sehr gut“ sagte der Trainer. Wenn ich Draht hatte konnte ich vielleicht so eine Falle bauen um mir etwas essbares zu erjagen. Das hieß....wenn es überhaupt Draht am Füllhorn zu erobern gab. In diesem Moment viel mir auf das ich bereits viel zu viel an die Spiele, die Arena und all diese Sachen dachte. Ich musste mich auf das Training konzentrieren und durfte meine Energie nicht damit verschwenden.

Die nächsten Stunden gelang es mir, unter einiger Anstrengung, meine Gedanken auf das Training zu fokussieren und nicht auf die Spiele oder die Arena.

Plötzlich berührte mich jemand am Arm. Es war einer der Trainer. „Es ist Mittagspause“ sagte er. Ich nickte und ging aus der Halle hinaus in den Speisesaal. Das Mittagessen für die Tribute schien heute nur aus einer Linsensuppe mit Brötchen und Wurst zu bestehen. Zwar sagte mir mein Magen dass ich mich am besten gleich auf die Suppe stürzen sollte, doch ich zögerte erst und begann nur langsam zu essen. Irgend etwas sagte mir dass ich mich darauf einstellen sollte eine Weile ohne regelmäßige Nahrungsaufnahme zurecht zu kommen.

Ganz neben bei, und ohne das ich es wollte, begann mein Gehirn wie ferngesteuert sich meine Chancen bei den Spielen auszurechnen. Wenn ich mir meine Gegner zu ansah würde ich mir meine Chancen als gar nicht mal so schlecht ausrechnen, keiner von uns wog mehr als 35 Kilo. Niemand war überdurchschnittlich groß oder stark. Ich blickte mich in dem Raum um wobei meine Augen auf Clara kleben blieben. Clara, ich hatte sie fast vollkommen vergessen! Ich stand auf und ging zu ihr. „Ist alles in Ordnung?“ fragte ich und sie nickte als Antwort. Ich sah wie sie mit ihrem Essen spielte. Ihr Blick wanderte auf dem Tisch herum und sie wirkte genau so mutlos, wie auf dem Weg hier her. „Wollen wir uns nicht verbünden?“ wobei die Frage ohne Erlaubnis aus meine Mund gekommen war, doch ich sah wie Clara nickte. „Verrätst....“ setzte sie an „....verrätst du mir noch mal deinen Namen?“

Ich hörte an ihrer Stimme dass ihr die Frage peinlich war. „Emie“ sagte ich lächelnd, um ihr zu zeigen dass ich es ihr nicht übelnahm, und sie nickte.

Am liebsten wäre ich noch sitzen geblieben als das Mittagessen zu ende war, doch ich musste ja mit den anderen weiter trainieren.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.10.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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