Gertraud Widmann

Taxi - Navi - und ich


Es gibt überall schwarze Schafe - auch unter den Taxifahrern.
Auch mit Einigen, die dachten mit einer Frau könnten sie ruhig
zweimal um den selben Block fahren und dann kassieren, hatte
ich schon Bekanntschaft gemacht. Aber dass ich jetzt in einen
Wettstreit mit einem Navi würde treten müssen, daran habe ich
nicht im Traum gedacht ...


Ich hatte meinen Mann im Krankenhaus besucht und wollte mit
dem Taxi nach Hause fahren. An der Pforte hatte man mir einen
Wagen bestellt, auf den ich nun vor dem Haupteingang wartete..
So  weit, so gut.
Das Taxi kam und ein mürrisch drein blickender Mann mittleren
Alters,  rief aus dem Wagenfenster:
»Sie haben einen Wagen bestellt?«
»Ja.«.
Der Taxi-Fahrer öffnete die Tür und ich stieg ein.
»Wohin?«
»Nach Puchheim-Bahnhof.«.
»Wieso Bahnhof?«
»Dieser Ort ist geteilt und deshalb gibt es Puchheim-Bahnhof
und Puchheim-Ort.«.
»Straße, Haus-Nummer!«
»Das sage ich ihnen dann, wenn wir dort sind.«.
»Ich muss das gleich wissen, ich muss in Navi eingeben.«.
Auch recht.
Abgesehen davon, dass ein Taxifahrer eigentlich alle größeren
Ortschaften im Umkreis von 50 Kilometern kennen muss (so
zumindest sagte mir ein "Alter Hase" der Taxizunft ), ER kannte
sie jedenfalls NICHT - und sein Navi auch nicht. Ja und meine
Straße wollte es schon gleich gar nicht annehmen.
Und der Taxometer lief und lief ...
   Nach etlichen Versuchen hatte das "Technische Wunderwerk"
die Straße schließlich „akzeptiert“ und wir konnten losfahren.
Gleich nach der Krankenhaus-Ausfahrt wollte der Fahrer nach
abbiegen.
»Bitte, sie müssen nach links, vorne an der Kreuzung rechts und
dann immer geradeaus bis Puchheim!«, meldete ich mich zu Wort.
»Aber das Navi meint ...«
»Das ist mir egal, ich fahre diese Strecke nicht zum ersten Mal.
Und wenn wir erst einmal in Puchheim sind, sage ich ihnen,
wie`s weiter geht. «.
»Aber das Navi …«
Schön langsam wurde ich grantig, waren wir doch bis jetzt noch
keine fünf (!) Meter gefahren.
»Ich sage es ihnen jetzt in aller Ruhe: Ich wohne dort schon seit
fast fünfzig Jahren und das dürfen`s mir glauben, dass ich diesen
Weg dorthin in- und auswendig kenne.«.
Inzwischen hatten wir doch tatsächlich die Bundesstraße erreicht
und fuhren ohne weitere Diskussionen, oder einer Unterhaltung,
stillschweigend geradeaus.
Allerdings mehrmals unterbrochen von:
»Immer noch geradeaus?«
»Ja, immer noch geradeaus!«

Am Ortseingang von Puchheim meldete ich mich wieder:
»Da vorne an der Ampel bitte nach links abbiegen.«.
»Aber Navi sagt nach rechts?«
»Rechts ist nur eine Schule und ein großer Sportplatz!«
Er bog nach links ab.
»Da ist eine Unterführung?«
»Und, gibt`s da ein Problem?« Ich konnte mir ein Grinsen nicht
verkneifen.
»Einfach unten durch fahren, wieder geradeaus - und fertig!«
Bei der nächsten Seitenstraße - ich hatte es fast befürchtet - kam
was kommen musste:
»Das Navi meint, jetzt rechts …?«
Ich glaub`  ich bin im falschen Film - jetzt sing ich`s ihm dann,
dachte ich mir. Höflich aber bestimmt wiederholte ich:
»Immer geradeaus!« Und nach einer Weile: »Dort vorne an der
Ampel nach rechts und dann wieder geradeaus.«.
Wenn jetzt das Navi „links“ sagt, spring ich aus dem Auto! Nein,,
es sagte gar nichts mehr ...
Nach ca. hundert Metern war die Fahrt zu Ende. Ich bezahlte (viel
zu viel wie ich später erfuhr), wünschte ihm noch eine gute Fahrt
und  draußen war ich.

Aber eines ist sicher, so oft geradeaus“  habe ich in meinem
ganzen Leben noch nie gesagt

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