Norbert Wittke

Links oder rechts



Die meisten der jüngeren Leute werden nicht mehr wissen, dass es früher Schneider gab, die Kleidung per Maß anfertigten oder Änderungen an Bekleidungsstücken vorgenommen haben. Das Geld war in der Nachkriegszeit nicht so locker, dass jeder gleich neue Bekleidung kaufen konnte. Im Verhältnis zum damaligen Einkommen waren die Preise für neue Kleidung relativ hoch.

Ich erinnere mich, dass mein erster Anzug mit 18 Jahren ein umgearbeiteter Anzug meines Vaters war, dunkelblau mit Streifen. Meine Mutter ging mit mir zu einem Schneider, der von mir Maß nahm, um die Umarbeitung des Anzuges vorzunehmen. Er steckte nachdem er mit Kreide die Änderungszone gezeichnet hatte mit Nadeln ab.
Meine Mutter monierte, dass die Hose im Schritt auf der linken Seite beulte. Der Schneider musste lächeln. Dann erklärte er, dass die meisten Männer Linksträger seien. Die Konfektion habe dieses Problem erkannt und linksseitig mehr Spielraum gegeben, damit das Geschlünz nicht eingeengt wird. Deshalb haben die Hosen in der Regel links eine kleine Beule im Normalzustand.

Jetzt in der heutigen Zeit, wo links oder rechts im politischen Bereich große Irritationen aufwirft. fiel mir diese Geschichte wieder ein. Ich überlegte und dachte, da bekommen die Schneider endlich wieder Arbeit. Wo nun sogar die CSU die AFD rechts überholen will, kann ich mir nicht denken, dass ein Rechter Linksträger sein möchte. Darum müssen die Anzughosen wohl in kurzer Zeit auf Rechtsträger umgeändert werden. Auch bei den Neuwaren ist dies eine große Aufgabe für die Konfektionshersteller.
In Zukunft stelle ich mir so vor, dass die Geschäfte getrennte Ausstellungen für Links- und Rechtsträger haben werden.  Wer will auch schon seinen Dödel richtungsverkehrt gegen seine politische Auffassung tragen. Allerdings dürfte dabei die politische Mitte zu kurz kommen, oder sie müsste sich damit abfinden. dass eine Dauerbeule in der Mitte zu sehen sein würde, aber so könnte man dann auch seine politische Einstellung darstellen. Vielleicht wäre es dann auch eine Werbung in eigener Sache.


24.10.2017                                          Norbert Wittke



 

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