Wolfgang Hengstmann

Don Luigi

Seit Don Luigi die Macelleria seines Vaters übernommen hatte, blühte das Geschäft. Die Leute kamen aus den umliegenden Dörfern ins kleine Städtchen am Meer, um bei Don Luigi einzukaufen.
Er hatte ein Händchen für feine Fleisch- und Wurstspezialitäten und alles war immer frisch. Die Käufer rissen ihm die köstlichen Salsicce und die Salame förmlich aus den Händen. Und wenn einmal wieder Prosciutto di Parma im Angebot war, standen die Menschen bis auf die Straße.
Auch wenn manche munkelten, der Parmaschinken wäre wohl eher von einer Sau aus den umliegenden Dörfern und hätten Parma nie gesehen.
Don Luigi war ein ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft und wurde von allen ehrerbietig gegrüßt, wenn er am Stammtisch mit den Honoratioren Karten oder Domino spielte, oder am Sonntag im Festgewand mit seiner Frau die Kirche besuchte.
Er achtete seine Frau Marisa und vergötterte seine zwei Enkel Tommaso und Benedetto.
Und wenn er einer armen Witwe oder einem Rentner etwas verkaufte, konnte es schon geschehen, dass er den Preis großzügig abrundete.
Natürlich wurde der eine oder andere neugierig, wenn spät in der Nacht ein Kleintransporter auf seinen Hof fuhr und Don Luigi mit dem Fahrer die Ladung ins Kühlhaus schleppte.
Vielleicht ist irgendwo in den Bergen eine Sau vom Lastwagen gefallen, dachte der sich dann und schwieg.

Das förderte natürlich auch Neider, denn sein Kollege, der in diesem idyllischem Städtchen auch eine Metzgerei betrieb, stand oft in seinem leeren Laden.

Nun kam es, dass spät am Abend, Don Luigi saß noch in der Taverne bei einem Negroamaro, eine unauffällige Limousine vor seinem Haus hielt und ein Mann Don Luigis Frau herausklingelte.
Die lamentierte und zeterte über den späten Besuch, aber die beiden Carabinieri hielten sie davon ab, Don Luigi telefonisch zu alarmieren.
Ein anderer Mann, der zuständige Veterinär aus der Provinzhauptstadt, ließ sich den Kühlraum aufschliessen.
Alles schien in bester Ordnung, die Schweinehälften hingen an ihren Haken, die Kühltemperatur stimmte aufs Tüpfelchen, in der Wurstküche war alles so hygienisch, wie es besser nicht sein konnte.
Die Mannschaft wollte schon wieder abziehen, als der Veterinär einen in der Ecke etwas versteckten Gefrierschrank entdeckte und ihn öffnete.

Eine Viertelstunde später klickten in der Taverne die Handschellen um Don Luigis Handgelenke.
Er wurde zu langjähriger Haft, abzusitzen im Hochsicherheitsgefängnis von Asina, verurteilt.

Seitdem ist Don Luigis Macelleria, die jetzt von seiner Frau geführt wird, oft leer.
Die Qualität hat spürbar nachgelassen, die Salami und der Schinken, der jetzt nicht mehr aus Parma stammt, schmecken den Leuten nicht.

Und das alles, weil der Veterinär im Gefrierschrank diese blau angelaufene gefrorene Hand gefunden hat. Don Luigi hatte über all die Jahre als Mitglied der „Ehrenwerten Gesellschaft“ die Aufgabe gehabt, Schnüffler auf Nimmerwiedersehen verschwinden zu lassen.

Don Luigis Salame erfreuen sich großer Beliebtheit. Was ist nur ihr Geheimnis, die spezielle Zutat, die sie so unwiderstehlich macht?


Don Luigis Geheimnis – Wer versagt, ist verloren

Entsetzen spiegelt sich in Paolos Augen, als er wach wurde.. Er lag gefesselt und geknebelt splitternackt auf einem rauen Steintisch.
Er erinnerte sich dumpf an den vergangenen Abend. Don Luigi war sehr freundlich zu ihm gewesen, trotz des Verlustes, den er, Paolo, zu verantworten hatte. Don Luigi bot ihm sogar noch einen Likör an. Dann verschwamm seine Erinnerung. Trotz seiner mißlichen Lage war er erleichtert, Don Luigi hatte ihn nicht umbringen lassen, noch nicht. Vielleicht konnte er sich mit einem Lösegeld befreien.
Paolo versuchte den Kopf zu bewegen. Er war nackt und ihm fröstelte. Der Raum sah aus wie ein Unterschlupf der Schafhirten, die durch die Macchia streiften. Er hörte draußen die Schafe blöken. Aber es war kein Stall, nicht mit diesem großen, kalten Steintisch. Siedendheiß fiel ihm ein, das konnte nur die Hütte sein, in der die Hirten ihre Schafe schlachteten. Neben dem großen Kessel an der gegenüber liegenden Wand war Feuerholz aufgeschlichtet und die Messer am Wandregal blitzten und blinkten.
Hier würde ihn niemand finden. Die Hirten gehorchten der Omerta und würden sich nie in Don Luigis Angelegenheiten mischen. Von ihnen konnte er keine Hilfe erwarten. Er versuchte sich von den Fesseln und vom Knebel zu befreien, aber der, der ihn gefesselt hatte, verstand sein Handwerk. Seine Hände fühlten sich taub an, ebenso seine Füsse. Sie waren eiskalt und wurden nicht mehr richtig durchblutet. Die Kälte breitete sich in seinem Körper aus. Plötzlich hörte er Stimmen, Frauenstimmen. Endlich Hilfe, vielleicht Wanderer, die die Gegend durchstreiften. Wie sollte er sich bemerkbar machen? Doch da kamen die Frauen auch schon in die Hütte. Paolo schloß erleichtert die Augen, sie würden ihm helfen. Bald war seine Qual vorbei.
Doch was war das? Die beiden Frauen machten keine Anstalten ihn zu befreien. Paolo traute seinen Augen nicht, sie zogen sich vor seinen Augen aus, nackt, bis auf einen winzigen Slip.
Während die Eine das Feuer unter dem Kessel entfachte, griff die Rothaarige nach einem langen, scharfen Messer und kam auf ihn zu. Er verspürte einen Stich ins Gesäß. Am Rande seines Blickfeldes sah er, wie eine Hand die Nadel der Spritze wieder aus seinem Fleisch herauszog.

„Gleich wirst du nichts mehr spüren“, die Rothaarige lächelte ihn an. „Don Luigi braucht mal wieder die spezielle Zutat, die seine Salame so berühmt gemacht haben. Du verstehst?“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.10.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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