Andreas Vierk

Fragen zum Thema Geburt

Sehr geehrte Damen,

 

kürzlich bin ich Großonkel geworden. Alle Bekannten gratulieren mir, aber ich weiß nicht, warum. Ich habe den Knaben schließlich nicht zur Welt gebracht. Aber es brennen mir anlässlich seiner Geburt ein paar Fragen auf den Nägeln. Nein, ich frage Sie nicht nach dem großen Schmerz des Gebärens, den mir bisher keine Frau hinlänglich schildern konnte. (Na gut: die Buddhisten können das Nirvana ja auch nicht beschreiben. Philosophisch betrachtet, kann man nämlich nichts Transzendentes mit immanenten Begrifflichkeiten erklären; das wäre so, als versuchte man, Phantasie an die Wand zu nageln. Na gut: manche Leute können sich meinetwegen ihre Phantasie auch ans Knie nageln – aber ich schweife von Thema ab.)

 

Ich habe oft gehört, dass eine Frau entbunden hätte… Moment. Muss es nicht heißen, sie wäre entbunden worden (nämlich von ihrem Kind)? Oder ist das Kind von der Mutter entbunden worden? Muttersprachlich wäre beides möglich. Vorher waren die beiden mit der Nabelschnur verbunden. Aber sind Mutter und Kind nach dem durchtrennen dieser Schnur wirklich voneinander entbunden? – Sie sind es nicht, sondern sie sind vielmehr mindestens für die nächsten 20 Jahre miteinander verbunden. Das Kind scheint das auch schon früh zu ahnen. Deshalb bekommt es ja nach der Geburt meistens einen ordentlichen Schreikrampf. Und auch die Mutter sieht nicht von den Qualen der Geburt so fertig aus, sondern weil sie plötzlich die Erkenntnis überfällt, dass sie das Balg nun für ein Vierteljahrhundert an der Backe hätte.

 

(Und außerdem: wenn ich mein Smartphone an das Ladekabel lege – ist es dann eins mit der Steckdose?)

 

Na gut. Die Frau hat das Kind also nun zur Welt gebracht… Moment. Der Fötus war doch schon im Bauch seiner Mutter physisch auf der Welt, also philosophisch betrachtet, immanent. Bin ich also nicht mehr von dieser Welt, wenn ich mir die Bettdecke über den Kopf ziehe? (Na gut: ich bin seit 54 Jahren nicht ganz von dieser Welt, sonst würde ich ja nicht solchen Unsinn schreiben).

 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Andreas Vierk

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Andreas Vierk schreibt seit seinem zehnten Lebensjahr Prosa und Lyrik. Er verfasste die meisten der Gedichte des „Septemberstrands“ in den Jahren 2013 und 2014.

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