Hella S.

Die roten Linsen

In meinem Küchenschrank träumte eine Packung roter Linsen seit Jahren vor sich hin. Ich mag keine Linsen und deshalb wollte ich mal die roten probieren, vielleicht schmeckten die ja besser. Nach einem Probeessen verschloss ich die Packung wieder, denn auch die mochte ich nicht. Inzwischen waren wieder ein paar Jahre ins Land gegangen, die Packung wurde von einer Ecke in die andere geschoben, denn sie sahen immer noch frisch aus. Endlich kaufte ich Suppengrün, aber auch das änderte nichts, sie schmeckten mir einfach nicht. Getrocknete Linsen verderben nicht so schnell und irgendwann würde ich sie noch verwenden. Ich fragte Freunde und Bekannte, keiner wollte sie haben. Einfach wegschmeißen konnte ich sie nicht, denn ich war in der schlechten Zeit nach dem Krieg aufgewachsen, da wirft man nichts weg.

Inzwischen waren zehn Jahre vergangen und die Linsen leuchteten immer noch rot und sie rochen auch nicht schlecht. Was tun? Unterdessen beschäftigte ich mich mit dem Garten und da bei mir so viele Tiere zu Gast sind, kam mir die Idee, ihnen die Linsen anzubieten. Zum Glück regnete es alle zwei Tage, sodass die Linsen weich wurden. Ganz schnell verschwanden diese schönen roten Linsen, alle zwei Tage warf ich wieder welche auf den Boden. Wem schmeckten sie denn nun? Erst dachte ich an die gefräßigen Tauben, doch dann erwischte ich eines morgens meine Haselmaus die sich eine Linse schnappte und damit ins Versteck lief. Ach deshalb konnte ich meine Erdbeeren wieder alleine essen. Als nächstes entdeckte ich Nacktschnecken, die sich mit meinen Linsen vergnügten und mir sonst auch keine Erdbeere gönnten. Es wurden immer mehr und so steute ich Schneckenkorn, denn sie sind die einzigen Tiere, die ich nicht in meinem Garten haben möchte. Zu meinem Schreck verschwand auch das Gift ganz schnell und dann erwischte ich die Haselmaus dabei, wie sie es verzehrte. Sie lebt immer noch und die Schnecken sind Geschichte. Als letztes holte sich ein Spatz ein paar Linsen und nun sind sie alle weg. Jetzt muss ich mich nicht wundern, wenn es in meinem Garten pubst: Aus dem Mäuseversteck oder vom Baum und vielleicht hat auch die eine oder andere Schnecke überlebt.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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