Kai Tepper

Jagd - Eine Leseprobe. Wenn es euch gefällt schreibe ich weite

Begegnung

Zuerst war es ganz still, doch dann hörten sie das Scharren und Schnüffeln an der Tür. Die Menschen in dem Raum sahen sich ängstlich an, die junge Frau begann leise zu weinen. Ihr Freund bewegte sich langsam auf den Grillspieß zu, der auf dem Tisch lag. Eine Diele knarrt. Alle hielten den Atem an, dann ertönte von draußen ein markerschütterndes Heulen, das in ein tiefes Knurren überging und das Wesen dort draußen kratzte an der Tür. Das war zu viel für die junge Frau, sie schrie. Ihre Mutter presste ihr die Hand auf den Mund und flüsterte ihr zu, dass sie still sein sollte. Der junge Mann mit dem Spieß schwitzte, war aber ganz blass. Unsicher fragte er an die drei anderen Männer was er jetzt machen solle. Sie winkten ihn zu sich zurück. Die kleine Hütte oben vor dem Wald war nicht größer als zehn Quadratmeter, beinhaltete aber einen Tisch und eine klein Spülecke. Die Fenster waren mit Holzverkleidungen abgedeckt und man konnte nicht hinaussehen. Doch das machte nichts, draußen es war sowieso stockdunkel, nur der schwache Schein der glühenden Kohl im Grill verbreitete etwas Licht.

Dieses Licht schimmerte rötlich auf dem schwarzen Pelz des Wesens, was um die Hütte schlich. Es freute sich doch noch Beute gefunden zu haben. Beute, die nicht so leicht zu töten war wie das Reh, dessen Blut noch an seinen Lefzen hing. Doch so langsam wurde es ungeduldig. Der Geruch der Angst und des Urin den jemand in die Hose abgesetzt hat, trieben seine Mordlust in die Höhe. Es hörte den Atem und leises Getuschelt der Menschen. Das Wesen ging hinter die Hütte.

Was in Gottesnamen war das dort draußen? Die Menschen hatten keine logische Erklärung. Erst dachen sie es wäre ein tollwütiger Hund, als sie vorhin noch am Feuer saßen und sich friedlich unterhalten hatten und das Heulen über den Hang kam. Ein älterer Mann hatte noch Witze gemacht, aber als sie den Todesschrei eines Rehs gehört hatten und dann ein immer näher kommendes rascheln, waren sie schnell in die Hütte gerannt. Und jetzt saßen sie hier. Mitten in der Nacht. Ohne Telefon, ohne Waffen. “Ein Wolf”, sagte einer der jüngeren Männer und schaute dabei, als erwartete er Gelächter. Aber keiner lachte, schauten nur verwirrt.

Mit einem Sprung war das Wesen auf dem Dach und schaute sich um. Geifer tropfte auf den Boden und die Zunge schnellte in gieriger Erwartung vor und zurück.. Etwas Wasser hatte sich dort gesammelt und es trank davon. Hoch am Himmel stand der Mond, sein Gott. Ehrfurchtsvoll lies es ein langes Heulen ertönen, dann viel ihm der Riss in dem Dach auf.

Ein dumpfer Aufschlag lies die Menschen in der Hütte zusammen zucken. Alle schauten nach oben. Sie konnten die Schritte des Wesens hören und das es etwas trank. Es klang wie bei einem Hund, nur lauter, gieriger. Die Gesichter der Menschen waren ausdruckslos als das Heulen erklang, nur die Auge verrieten ihre Todesangst. Sie hatten um den Tisch eine Art Kreis gebildet und hielten sich mehr oder weniger im Arm, nur der junge Mann stand mit dem Spieß in der Hand alleine dar. Sein Blick war auf seine Freundin gerichtet, die schluchzend bei ihrer Mutter hing. Plötzlich hörten sie ein Scharren, erst zaghaft, prüfend. Sie sahen hoch an die Decke und dann fiel es allen auf. Da war ein Riss. Nur ganz leicht, aber groß genug, das Wasser durchkam. Das Wesen hatte Intelligenz! Es sucht systematisch nach einem Weg ins Innere der Hütte. Diese Erkenntnis traf sie wie ein Schock. Alles ging auf einmal rasend schnell. Der Spalt riss durch die Kraft und Wut des Wesens auf und die Krallen wurden sichtbar. Die Frauen kreischten, der junge Mann stand erstarrt da. Die Klaue zog sich zurück…

Stille.


 
Plötzlich, mit einem gewaltigen Schlag, rammte das Wesen seine Schnauze durch das Loch und der Kopf hing zur Hälfte drin. Die Panik der Menschen hätte nicht größer sein können.

Endlich sah es sie, seine Beute. Und erst dieser Geruch, einfach köstlich. Angst und Blut. Das junge Weibchen schien ihre Tage zu haben. Und da, das Männchen mit seine starken Muskeln, ein würdiges Opfer. Die brutalen Kiefer des Wesens schnappten nach ihm, krachten mit einem furchtbaren Geräusch zusammen. Daneben. Die Wut lies es alles rötlich schimmernd sehen. Eines der ältern Männchen schrie etwas. Dann durchzuckte ein heftiger Schmerz das Wesen und Eins seiner Augen war mit einem mal blind. Es zog den Kopf zurück.

“Schlag zu verdammt, lass es nicht reinkommen<“, schrie ein Mann zu dem jungen Kerl. Und plötzlich löste sich seine Erstarrung und voller Entsetzen und panischer Kraft hieb er den Spieß ins Auge des Monstrums. Ein ekliges Jaulen stieß es aus und zog den Kopf zurück, hinaus ins Dunkle. Der stechende Schmerz lies es taumeln und es fiel über den Rand der Hütte. Benommen und hinkend kroch es zu dem Dickicht am Rand des Waldes und lies sich nieder.

Die heftige Gegenwehr hatte es verunsichert, dennoch brannte die Gier in ihm.

Die Menschen hatten den lauten Schlag gehört, als das Wesen runter fiel und sahen ihre Chance. Der junge Mann, voll unter Adrenalin, öffnete die Tür der Hütte. Er sah nichts, drehte sich zu den anderen um und winkte ihnen. Dann rannte er los, die ganze Gruppe hinterher. Hoch zu den Autos, in Sicherheit. Das Wesen sah sie laufen, sah wie seine Beute davon kam. Ein langes und wütendes Heulen drang aus seiner Kehle, dann setzt es zur Verfolgung an. Die Gruppe war fast an den Autos, als das Heulen ertönte und etwas großes, schwarzes aus dem Unterholz brach. Ein Druck auf die Fernbedienung, die Türen sprangen auf und sie schmissen sich regelrecht in die Autos.

Türen zu!

Erleichtertes Aufatmen war in dem hinteren Wagen zu hören. Doch was war das? Ein großer dunkler Schatten bewegte sich auf das vordere Auto zu, flog durch die Luft und landete krachend auf der Frontscheibe des Autos.

Mit seinen Pfoten versuchte es die zersplitterte Scheibe aufzureißen. . Geistesgegenwärtig zog die Mutter der jungen Frau ein Pfefferspray aus dem Handschuhfach und schoss eine ganze Ladung in die Schnauze des Wesens. Es sprang zurück und verzog sich knurrend.

Endlich sprangen die Autos an und die Menschen fuhren los, am Rand des Waldes vorbei, durch die Felder, Heim. Sie hatten es geschafft…

Das Wesen lief blind und geruchlos durch die Dunkelheit. Dann legte es sich hin. Wartete… Ah, der Geruch kam wieder, das war das Wichtigste. Es ging zu der Hütte und schnüffelte. Zog den Geruch der Menschen tief in die Nase. Prägte sich ihn ein… Es lief es zu dem Platz wo die Autos standen, zog die Lefzen hoch und witterte. Minutenlang stand es wie eine groteske Figur im Mondlicht da, dann lief es los. Die Nacht war noch jung; die Jagd hatte begonnen …

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Kai Tepper).
Der Beitrag wurde von Kai Tepper auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Adina - Mein Freund, der Baum von Margit Marion Mädel



Diese Geschichte erzählt von einem kleinem Mädchen, welches durch ihre Ängste eine ganze Stadt bewegen kann, um Schäden an der Natur, die von Menschen verursacht wurden, wieder gut zu machen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Horror" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Kai Tepper

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Nebelnacht von Uwe Janatzek (Horror)
... und ist vermutlich bewaffnet von Ingo A. Granderath (Zwischenmenschliches)