Anne Eckardt

Rachespiele (TvP) 2

Der Gang zurück zu den Überlebensstationen fiel mir irgend wie schwer.

Während ich probierte aus Stöcken und Plastikplanen einen Regenschutz zu bauen hoffte ich heimlich das ich Morgen mit meiner Trainingsstation mehr Glück haben würde.

An diesem Abend wäre ich am liebsten sofort gleich todmüde ins Bett gefallen. Ich ging nur sehr widerwillig in den Speisesaal neben der Trainingshalle. Zum Abendessen gab es nur eine Suppe und dunkle Brötchen mit Käse oder Wurst. Ich aß nur ein Brötchen. Auf die Suppe, die aussah als bestände sie nur aus Brühe mit ein paar kleinen Nudeln darin, befriedigte meinen Magen auf gar keinen Fall.

Ich seufzte und war froh das wir alle gleich nach dem Abendessen in unsere jeweiligen Schlafräume geschickte wurden. Ich zog mich im Schlafsaal schnell um, lies mich auf mein Feldbett sinken und vergrub mein Gesicht im Kissen. Da ich vollkommen k.o. war schlief ich auch tatsächlich gleich ein.

Mein Schlaf war voller verwirrender Träume und Alpträume. Immer und immer wieder sah ich mich selber auf dutzende Arten sterben. Mal wurde ich von riesigen, monströsen Mutationen zerfleischt, ein anderes mal köpfte mich einer meiner Mittribute mit bloßen Händen während ihn vor den Bildschirmen eine Menschenmenge anfeuerte. Gerade als er meinen Kopf nach oben hob lies mich ein Geräusch aufschrecken. Ich saß aufrecht im Bett. Es war stockdunkel im Schlafsaal der Mädchen und vollkommen still. Ich war schweißgebadet und spürte wie mir mein Nachthemd am Körper klebte. Leise stand ich auf und schlich mich durch den Schlafraum in das Gemeinschaftsbad. Ich hatte keine Ahnung ob wir dieses Nachts überhaupt benutzen durften, doch ich musste mich einfach abduschen. Ich kroch aus meinem Nachthemd und stellte mich unter eine der Duschen. Dann drehte ich langsam den Hahn auf. Lauwarmes Wasser floss über meinen Körper und ich merkte wie sich mein Herz langsam beruhigte. Ich fragte mich heimlich was meine Eltern eigentlich gerade machten. Wahrscheinlich hatten sie nach ihrer Arbeit eine Zusammenfassung des heutigen Trainings gesehen. Ich weiß nicht wie groß ihre Hoffnung war das ich lebendig aus den Spielen zurück kommen würde, meine eigene war es jedenfalls nicht. Wenn ich in der Arena auch nur einen Tag überlebte war ich gut.

Nach dem ich das Wasser wieder abgestellt hatte sah ich das in dem kleinen Holzregal neben der Badezimmertür ein einzelnes, weißes Handtuch lag. Ich nahm es mir und wickelte mich darin ein. In diesem Moment sah ich wie sich neben mir die Tür bewegte. Es war Clara. Im selben Augenblick bemerkte ich dass sich in dem Holzregal eine Klappe, an der Rückwand einer der Fächer, öffnete und ein neues, frisches Handtuch herausrollte. Jetzt verstand ich das System dahinter: Jedes mal wenn jemand durch die Tür ging wurde eine Art Automatik aktiv die immer ein frisches Handtuch in eines der Fächer fallen lies. „Ist alles in Ordnung,Emie?“ fragte mich Clara als sie mich sah und ich nickte als Antwort.

Ich ging zurück in den Schlafsaal, zog mir meine Trainingssachen an und ging in die Halle. Dort war ich anscheinend die Erste, doch die Trainer waren schon da.

Heimlich hoffte ich ja das ich heute bei der Auswahl der Trainingsstation mehr Glück haben würde. 4 andere Tribute waren ebenfalls schon da. Ich konnte es nicht glauben das Morgen bereits der letzte Trainingstag war. Übermorgen mussten wir vor dem ganzen Land zeigen was wir gelernt hatten und den Tag darauf waren wir bereits in der Arena. Als alle Tribute versammelt waren mussten wir wieder in den Beutel mit den Täfelchen greifen. Diesmal zog ich zu meiner großen Freude eine 2. Ich musste in das Quadrat mit den Nahkampf-Techniken. Wenn ich mich so umsah, merkte ich das einige der anderen Tribute weniger Glück gehabt hatten als ich. Sie waren in dem gleichen Quadrat gelandet in dem sie gestern schon waren. Doch darauf konnte ich mich jetzt nicht konzentrieren. Ich ging hinter eine Absperrung aus blau-weiß gestrichelten Gummibändern und übte mich im Ringen. Dass mich der Trainer binnen 4 Sekunden auf der Matte hatte entmutigte mich ziemlich. Ich war weder besonders gut im Ringen noch hatte ich Erfahrung damit wie man mit Schwertern oder Keulen umging. Die Keule die ich hoch hob wog mindestens 25 Kilo! So etwas konnte ich nie und nimmer tragen, geschweige den irgend wie dazu benutzen um einen Gegner tot zu schlagen. Ich musste mich also, wohl oder übel darauf konzentrieren eventuelle Verfolger mit einem Messer abzuwehren. Das hieß: Wenn es Messer gab!


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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