Helene Birkner

Messer sind seine Spezialität

Heute ist es so weit. Heute ist der Tag. Ich habe es mir lange überlegt und habe es geplant. Wir schreiben heute eine Arbeit, heißt alle haben ihre Handys zu hause, wie es in den Schulregeln steht. Der Alarm stört nicht. Ich will ja nur diesen Bitchs zeigen, was es bringt jemanden immer wieder zu beleidigen und zu mobben, nur weil ich nicht so dünn bin wie sie es wollen!

Mark legt vorsichtig das Messer, dass in ein Tuch gewickelt ist, in seinen Schulrucksack. Damit seine Mutter keinen Verdacht schöpft, nimmt er sich wie immer einen Schokoriegel mit. „Tschüss Mark!“ „Tschööö!“ ruft er etwas genervt. Er ist aufgeregt, aber weil er alles durchgegangen ist, was passieren könnte, fühlt er sich gleich zeitig sicher. Er braucht zu Fuß nur fünf Minuten zur Schule. Wenn die Polizei kommt, und droht auf mich zu schießen, macht mir das nichts.Ich habe eh kein Grund mehr zum Leben. Warum sollte mich das kümmern?

An der Schule angekommen, kommen ihm die Mädchen entgegen, die wie jeden morgen sich über ihn lustig machen: „Das ist eigentlich eine total weite Hose, aber bei seinen dicken Beinen ist sie skinny! Wie fett er ist! Wenn der irgendwann mal wie durch ein Wunder dünn ist, denkt er bestimmt, dass er fliegt, weil er dann locker zwanzig Kilo leichter ist!“ Sie fangen beide total laut an zu lachen und gehen weiter. Mark hat seine Hände zu Fäusten geballt.

Ruhig bleiben, nach heute hat das ein Ende!

Er hat seine Fäuste so eng geschlossen, dass er schon blutende Wunden von seinen Fingernägeln hat.

Die erste Unterrichts Stunde verläuft ganz normal. Zu Marks Schock, hat Matti, ein ebenfalls unbeliebter Schüler sein Handy doch mit.

Das kümmert dich nicht, du wirst das durch ziehen. Jetzt oder nie!

Mark steht auf. Die Mädchen vom Morgen kichern hinter ihm. Als er aber das Messer raus holt, sind alle still.

Es gucken mich alle an, wie ich es wollte. Ich schaffe das. Las einfach deinen Gefühlen freien Lauf!

Ihm fällt auf, das er das Messer auf den Lehrer gerichtet hat. Die Mädchen hinter ihm, fangen an zu kreischen, als er sich dreht und das Messer auf sie zeigt. „Warum...Warum könnt ihr nicht einmal...NICHT EINMAL!!!“, fängt er an leise zu stottern und schließlich zu brüllen an,“NICHT EINMAL MICH NICHT AUSLACHEN? MICH EINMAL NORMAL BEHANDELN? IHR MISTSTÜCKE!!! IHR AFEKTIERTEN ZICKEN!!! IHR SCHEIß SCHLAMPEN!!!“ „Wir finden bestimmt eine Lösung!“ versucht der offenkundig total überforderter Lehrer den Jungen zu beruhigen. „DREI JAHRE LASSE ICH MIR DAS JETZT GEFALLEN! DREI VERDAMMTE JAHRE WERDE ICH VON DIESEN DREI MISTSTÜCKEN GEMOBBT! ICH HALTE ES NICHT LÄNGER AUS!“ brüllt Mark aber weiter.

 

Ich brauche nicht mehr Leben.Spätestens jetzt ist es eh vorbei. Ich werde immer der dicke verrückte mit dem Messer bleiben!

Nach diesem Gedanken dreht er das Messer erneut. Diesmal liegt es an seinem eigenen Hals.

Ich schaffe das, ich weiß, dass es das richtige ist.

Er drückt das Messer so feste an seinen Hals, dass er eine dicke warme Flüssigkeit seinen Hals runter laufen fühlt.

Ich blute! Umso besser! Jetzt kann mich keiner mehr aufhalten!

Im gleichen Moment springt sein Sitznachbar Lars auf und will ihm das Messer aus der Hand reißen. Ohne darüber nach zu denken, rammt Mark ihm das Messer in die Seite.

OH MEIN GOTT!!! Das ist Lars! Was habe ich nur getan? Aber...vielleicht ist es besser so. Jetzt verstehen sie wie ernst es mir ist!

Mark sieht sich um. Alle rennen aus dem Zimmer und schreien, der Lehrer telefoniert, wahrscheinlich mit der Polizei. Matti ist zu Lars gelaufen und versucht die Blutung zu stoppen.

Das kann ich mir nicht länger ansehen.

Mark rennt ebenfalls aus dem Zimmer und lässt sich von der Strömung mit reißen. Als er schließlich draußen ist, sieht er die Polizei. Schnell drängt er sich wieder in die Schule.

Ok, was tust du jetzt Mark? Denk nach! Am besten du versteckst dich irgendwo und wartest bis alle draußen sind, damit so was wie mit Lars nicht noch mal passiert. Dann stellst du dich. NEIN! Ich muss es ihnen zeigen! Alle, die heute von mir verletzt werden haben es verdient!

Mark ging entschlossen durch das Schulgebäude. In dem Flur, vor der Tür, die zum Schulhof führt, kommen ihm zwei Mädchen entgegen. Er stellt sich hinter einer der vielen Säulen und wartet. Als sie an ihm vorbeigehen, rammt er der einen das Messer in den Bauch. Die andere schreit und versucht weg zu rennen. Bevor sie aber um die nächste Ecke gehen kann, hat sie schon ein Messer im Oberschenkel. Kurz darauf, noch im gleichen Flur, kommen ihm noch mehr Kinder entgegen.

Einfach weiter gehen, ab und zu das Messer benutzen und dann über den Schulhof weg laufen.

Das sein Plan nicht aufgeht, merkt er, als er die fünf Polizei Wagen auf dem Schulhof sieht.

Ich muss doch irgendwo raus können!

Dachte er sich und drehte sich um. Er sah Matti, wie er gerade mit Lars durch den Flur ging, wo etwa zehn Schüler verletzt auf dem Boden liegen. Entsetzt über seine eigene Tat, versteckt sich Mark in der Jungen Toilette. Durch einen Schlitz in der Tür, beobachtet er, wie Matti immer wieder mit Verletzten raus geht, und sie zu einem Rettungswagen bringt. Als er einmal mit einem Polizisten redet, schlich sich Mark aus der Toilette, um mehr zu hören.

Dieses Arsch! Der hat denen bestimmt meinen Namen gesagt!

Als Matti wieder rein kommt, hat er kurz darauf ein Messer von hinten in der Schulter stecken. Langsam dreht er sich um und guckt Mark direkt in seine wütenden Augen. Nach etwa zwei Sekunden dreht sich Matti um und rennt in die Jungen Toilette.

Eigentlich mochte ich ihn. Schade!

Mark folgt ihm und geht in die andere Kabine. Er guckt vorsichtig unter den Wänden durch und sieht keine Füße.

Er hockt auf dem Deckel! Schlau, aber du musstest gerade Luft holen, Matti! Ich höre dich!

Mit einem grinsen tut Mark es ihm gleich und hockt sich ebenfalls hin. Langsam steht er auf. Blitzschnell guckt er über die Wand und wirft das Messer direkt in Mattis Hals. Dieser sieht ihn mit weit geöffneten Augen an, während er vom Toilettendeckel kippt. Seine Augen werden glasig. Er atmet nicht mehr.

Wirklich schade um ihn, ich mochte ihn wirklich! ABER WER SEINE SCHNAUZE NICHT HALTEN KANN MUSS EBEN FÜHLEN!!!

Mark geht aus der Kabine und öffnet die Tür einen Spalt. Die Polizisten sind immer noch da. Einer spricht gerade irgendwas in ein Funkgerät. Dann nimmt er sich plötzlich ein Megaphone und sagt: „Hallo Mark. Es ist alles gut. Wir wissen, dass du dich in der Jungentoilette versteckst und das hier hörst. Bitte komm da raus und gib uns das Messer. Dann wird alles wieder gut. Wir sind uns klar, dass du wütend bist. Wir können zusammen eine Lösung finden, wenn du jetzt raus kommst!“ Verdammt! Wenn ich jetzt raus komme, denken sie es ist wegen dem was sie gesagt haben. Da bei will ich hier raus, damit ich eine geringere Strafe bekomme. In den Knast komme ich eh.

Nach fünf Minuten kommt Mark aus dem Jungenklo und geht auf den Schulhof. Der Polizist mit dem Megaphone lächelt und nickt ihm zu. „Hast du das Messer dabei?“ fragt er ruhig. „Nein!“ flüstert Mark und geht weiter auf sie zu. „Zeig uns bitte deine Hände!“ Er streckt die Hände aus. Zufrieden schmunzelnd geht Mark weiter, bis zwischen ihm und den Polizisten nun noch etwa zwei Meter sind. Er bleibt stehen und lächelt sie an. Aus der hinteren Hosentasche holt er das mit Blut verschmierte Messer, dass er zu vor aus Mattis Hals gezogen hatte. Als die Polizisten das sehen, war er schon zu spät. Blitzschnell hatte Mark dem ersten das Messer in den Bauch gerammt. Mit einem Schrei sackt dieser zu Boden. Die Polizisten holen sofort ihre Pistolen raus und zielen auf Marks Beine. „Ok. Mark höre mir zu. Wir wissen, das du uns nicht traust, aber wir können uns doch einigen. Es muss niemand verletzt werden!“ sagte einer der Polizisten vorsichtig. Im gleichen Moment bückte sich Mark und nahm sich die Pistole von dem toten Polizisten. Er hört, wie die Polizisten ihre Pistolen entsichern.

Sie hätten gar nicht schießen können! Tja, aber ich werde!

„WENN NIEMAND VERLETZT WERDEN MUSS...ODER SOLL, WARUM WURDE ICH DANN DREI JAHRE VERLETZT? WARUM? DAS HÄTTE DOCH AUCH NICHT SEIN MÜSSEN! TROTZDEM WAR ES SO! UND DESWEGEN IST DAS HIER SO!“ brüllt Mark und schießt. Ohne darüber zu denken schießt er einfach wild um sich herum. Drei Polizisten werden im Arm oder im Bein getroffen. Die anderen Cops schießen ebenfalls. Mark wird zwei mal im Bein und einmal an der Hüfte getroffen. Von Schmerzen gequält schreit er auf und fällt zu Boden. Ein Polizist rennt zu ihm und nimmt ihm sowohl das Messer, als auch die Pistole weg. Männer vom Rettungsdienst rennen auf ihn und die verletzen Polizisten zu und versorgen sie. Mittlerweile ist noch ein fünfter Rettungswagen angekommen. „Sind im Gebäude noch Verletzte Schüler?“ fragt einer von den Ärzten Mark, als er im Wagen liegt. „In der Jungentoilette ein Toter und im Flur davor noch ein paar Schüler. Sie hatten es verdient!“ Das letztere flüstert Mark nur vor sich hin, während ein anderer Sanitäter ihm eine Sauerstoffmaske aufsetzte. Er sah, wie ein Sanitäter in das Gebäude lief und mit einem verletzten Schüler wieder heraus kam. Ein andere rief noch Verstärkung.

So viele wurden von mir verletzt. Ein paar werden sterben, ein paar sind das schon! Ich bin ein Monster! Nein ich bin kein Monster, ich habe Monster. Ich habe Dämonen, ganz tief in mir, wie jeder Mensch. Bei mir sind sie aber nicht nur zum Vorschein gekommen, nein, sie haben mich kontrolliert! Vielleicht ist es besser, wenn ich weg gesperrt werde. Dann werden keine Menschen mehr verletzt. Am besten wäre, wenn ich sterben würde. Dann bestünde gar nicht mehr die Gefahr. Dann wären meine Opfer und ihre Familien glücklich.

Er stand auf, als der Sanitäter gerade mit einem anderen sprach. Er sah sich um. Nichts brauchbares. Eine Schublade war abgeschlossen. Er suchte nach einem Schlüssel, doch fand keinen. Als er die Jacke von dem Sanitäter, die im Wagen hing, durchsuchte, fand er einen kleinen Schlüssel. Er passte! Er schließt die Schublade auf. Es ist die Ausrüstung, die Ärzte brauchen, wenn sie operieren. Wahrscheinlich für einen Notfall. Er muss lächeln, als er ein Skalpell mit einer sehr langen Klinge sieht. Messer sind seine Spezialität.

Als der Sanitäter nach etwa zwei Minuten wiederkommt, findet er geschockt die Leiche des Jungen auf. An der linken Seite seines Halses klafft eine tiefe Schnittwunde, die extrem blutet. In seiner rechten Hand befindet sich das Notfallskalpell. Voller Blut.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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