Robert Zabek

dark side of the spoon

ihr selbstwertgefühl brachte stolze zwei gramm auf die waage.
so in etwa. viel zu viel eigentlich, doch ihr war es natürlich zu wenig.
und durch den mittelfinger, den sie sich jeden morgen nach dem frühstück
tief in den rachen rammte, wurde es natürlich auch nicht wirklich besser.
bauch rein, brust raus - "geile bitch!", rief sie ihrem spiegelbild in diversen
schaufenstern beim durch-die-city-schlendern, in gedanken gerne mal zu.
manchmal dachte sie dies aber auch laut, was in den gesichtern mancher für aufregung,
in den hosen anderer für erregung sorgte.
stets bemüht einen guten eindruck zu hinterlassen, der vieles war, aber sicher nicht wahr,
hatte sie auf ihrer selbst auferlegten mission, alle erfolgsleitern, samt gipfel, erklimmen bzw. besteigen zu müssen,
so manch männlicher führungskraft den kopf verdreht. so hatte es zumindest ausgesehen, von ihrer warte aus betrachtet. ihre perfiden pläne scheiterten jedoch jedes mal aufs neue am soziopathischen rückgrat eines jeden chefs und statt kuscheln samt beförderung gab es nach dem sex meistens einfach nur eine fristlose kündigung ohne abfindung.
als das schicksal, bzw. "widrige umstände" wie sie es nannte, ihr dann einen weiteren strich durch die rechnung
gemacht hatte und familie, freunde und arbeitskollegen - angewidert von ihrer rohheit -  das weite gesucht hatten, nannte sie es einfach
"jazz" und improvisierte augenscheinlich fröhlich weiter. an ihr konnte es ja nicht liegen. der wille zu überleben - ein raffinierter regisseur...
eines abends, er steckte noch in den kinderschuhen - eine flasche tequila und ein bisschen koks.
danach fortgehen, what else?!
ihre medikamente hatte sie ein paar tage zuvor, natürlich ohne absprache mit ihrem arzt, abrupt abgesetzt
und nun juckte es ihr in den fingern, und nicht nur dort.
es erschien ihr völlig normal in dieser lauhen sommernacht, in diesem einen lokal, einen wildfremden jungen mann
mit den worten "ich habe gestern mein kind abgetrieben, im 2. monat, darf ich mich auf deinen schoss setzen?"
zu begrüssen. nachdem sie ihm unmittelbar danach - ohne seine antwort abgewartet zu haben - in den schritt gefasst hatte,
schob er sie beiseite und verabschiedete sich. frei von jeglichem bedauern. zum ersten mal in seinem leben schien er wirklich stolz.
stolz auf sich, der versuchung widersagt zu haben.
der gedanke, sie wegen sexueller belästigung polizeilich anzuzeigen, war ihm als mann gar nicht erst gekommen.
die kurzhaarige braut neben der femme fatale - seit 2 stunden klebte sie bereits an ihrer seite - witterte nun endlich ihre chance und versuchte ihr glück.
der rücksichtslose kuss auf den mund der emotional doch etwas instabilen persönlichkeit wurde jedoch mit einem abwehrenden griff auf den sehr massiven vorderbau der lesbe erwidert,
mit dem sie das mannsweib von sich wegschob und es zurück an seinen platz verwies.
pussy lecken, nicht ihr ding. sie zappeln zu lassen, natürlich schon.
mit einem diplomatischen "lass uns vorher noch was trinken." verschaffte sie sich kurzzeitig so etwas wie ruhe.

als der kellner schliesslich die schnauze voll hatte, die beiden hatten ihn mit ihrem derben verhalten bereits einige kunden gekostet, schmiss
er sie unsanft aus dem lokal und riet ihnen noch, sich hier ja nie wieder blicken zu lassen.

eine sozialpädagogin, staatlich verifizierter schutzengel auf zeit und offenbar ihre betreuerin, wartete draussen bereits jenseits des gastgartens auf sie.

behutsam näherte sie sich ihrem sorgenkind und nahm es dann zärtlich an der hand.

"meinst du nicht, dass es an der zeit wäre jetzt heim zu gehen? es ist schon spät und ich glaube du hattest genug für heute..."

SCHON WIEDER SCHEISS KONKURRENZ! GOTTVERDAMMTE DRECKSFOTZE!, dachte sich die lesbe, die dem objekt ihrer begierde noch immer mit feuchter möse im nacken saß.

"fickt euch!"...ihr buttplug zuckte kurz, dann stampfte sie wütend davon, rein ins nächste lokal.

die beiden nahmen sich ein taxi.

was am rücksitz des wagens, an der innenseite der einen spalt weit geöffneten autofensterscheibe wie regentropfen aussah, das waren in
wirklichkeit ihre tränen, die stotternd das glas herunter kullerten. bei einem blick in den nachthimmel war es ihr plötzlich so vorgekommen,
als hätten sich die sterne zu dem umriss eines embryos geformt und seine schreie hallten noch lange nach.

laut.

tief in ihr.

zu hause angekommen, vor dem schlafen gehen, völlig allein, wieder einmal, überkam sie dann noch dieser gefährliche heisshunger auf ein bisschen löffelchen machen.

was sie dann auch tat.

im aufkochen war sie wirklich gut.

ein allerletztes mal, dann nie wieder, versprochen.

wie immer.

jedoch,

nach diesem schuss ins leere,
 

sah man sie nie wieder.

© Robert Zabek

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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