Jürgen Malodisdach

Kalle und Kalle ,die Fünfte

Hunger....oder auch Appetit, veranlaßten mich zum Öffnen des Kühlschrankes. Der war zwar nicht leer , wobei der Inhalt nicht den Erwartungen zum Stillen meiner Vorstellungen über ein interessantes Angebot entsprach.

Also sagte ich mir, gehe doch mal schnell in ein nahegelegenes Geschäft. Vielleicht ergeben sich Möglichkeiten zum Auffüllen der Lagerbestände.

Gesagt, getan, wanderte ich in den nächst gelegenen Markt. Schnappte mir einen Einkaufswagen und ging langsam durch die Regalreihen.

Mal hier und auch mal da nahm ich Etwas aus einem Regal und füllte so den Wagen. Dabei hatte ich kaum einmal einen Blick für die anderen Kunden übrig. So fiel mir auch nicht auf, daß ich seit einiger Zeit eine fast Begleitung hatte.

Fast wohl deshalb, weil ich erstens mit Niemandem verabredet war und zweitens hier aus den Menschenströmen keinen Bekannten zu einem Spaziergang in den Supermarkt eingeladen hatte.

Dachte ich jedenfalls. Denn schon wurde ich angesprochen.

Eine Frau mittleren Alters fragte mich nach den Eigenschaften einer Ware aus einem Regal. Ich konnte ihr auch nicht weiter helfen, überlegte aber, ob ich die Frau kennen sollte. Kam im Moment aber zu keinem Ergebnis.

Obwohl ich nach einer eingehenden Betrachtung meines Gegenübers, das Gefühl hatte, bekannte Züge in ihrem Gesicht erkennen zu können.

Und dann kam mir urplötzlich eine kleine Erleuchtung. Ich sah mir die Frau nochmal etwas genauer an, sie mich auch, und sagte zu ihr, Claudia ? Halb Frage , halb Erstaunen über die plötzliche Erkenntnis.

Naja, meinte sie, bin ich. Auch wenn ich jetzt vielleicht etwas anders aussehe. Bin gestern erst wieder aus dem Krankenhaus gekommen und noch etwas unsicher auf den Beinen und im Gesicht sowieso.

Das verstand ich nicht so richtig, wollte auch nicht neugierige Fragen stellen. Trotzdem war ich angenehm überrascht, daß sich Claudia ganz schön verändert hat. Bezugnehmend auf ihr Aussehen , das ich bisher von ihr kannte.

Wir hatten bisher keinen besonderen Kontakt miteinander, nicht einmal einen Formellen.

Trotzdem kam sie mir sehr vertraut vor.

Schön, das ich dich hier treffe Claudia. Eigentlich suche ich Kalle, also Karlheinz. Unser geplantes Treffen ist ja leider ins Wasser gefallen. Ja sagte sie, ich weiß und reichte mir die Hand.

Er ist immer noch im Krankenhaus, sagte mir aber nicht, warum.

Es ist auch nicht angenehm , inmitten vieler fremder Menschen , sich über private Angelegenheiten zu unterhalten. Die Neugier stand dabei den anderen Kunden sprichwörtlich im Gesicht geschrieben.

Es ist ja leider so , daß manche Leute Dinge wissen wollen, die sie nichts angehen.

Ich muß noch eine Menge einkaufen sagte Claudia zu mir. Wäre schön, wenn wir uns mal unterhalten könnten. Mir geht es genauso, sagte ich. Also gehen wir erst einmal, unsere Besorgungen machen. Und so ging jeder seiner Wege.

Ich suchte aus den langen Regalreihen alle die Dinge zusammen, die ich für notwendig hielt, um bei entsprechendem Appetit oder sonstiger Notwendigkeit, einen entsprechenden Vorrat zu haben.

Das dauert bei mir immer etwas länger und so verging die Zeit bis ich durch die Kassenzone gehen konnte. Dann stand ich endlich vor der Ausgangstür, hatte Claudia fast vergessen. Wir hatten uns ja auch nicht direkt verabredet.

War der Meinung, daß sie längst ihren Einkauf beendet hätte und bestimmt schon auf ihrem Nachhauseweg war. Aber das war ein Irrtum.

Claudia stand mit ihren vollen Taschen vor dem Eingang, mitten im Regen, der vor kurzer Zeit vom Himmel prasselte. Das tat mir leid. Wohnst du auch hier in der Gegend ? Nein ,sagte Claudia. In meiner Nähe gibt es keinen Supermarkt. Deshalb bin ich hierher gefahren, mit der Bahn, ein Auto habe ich nicht.

Kalle auch nicht, der hatte einen Dienstwagen. Da er aber nach seiner Entlassung schon Jahre von Hartz 4 lebt, kann er sich sowas nicht leisten.

Ich auch nicht. Ist es weit bis zu dir , ich meine, mußt du mit den vollen Taschen noch länger unterwegs sein? Es geht, ich bin es gewöhnt.

Ich mache dir einen Vorschlag, sagte ich. Hier , ein paar Meter weiter, steht mein Auto. Wir könnten uns hinein setzen und wenn du Zeit hast, erzähle mir ein bißchen was von euch. ich fahr dich dann nach Hause.

Außerdem spielen wir dem Regen ein Schnippchen. Ich will dir nicht deine Zeit stehlen sagte Claudia. Machst du nicht. Bei dem Regen und dann deine beiden schweren Taschen, sind nicht gerade sehr angenehm.

Na schön sagte sie . Ich öffnete die Türen des Autos und stellte die wirklich schweren Beutel in den Kofferraum. Claudia setzte sich rein. Jetzt sind wir im Trockenen.

Meine Bekannten würden sich wundern, daß sich jemand mit mir abgibt. Wieso das, fragte ich. Naja , mein ganzer Familien-und Bekanntenkreis ist leider böse auf mich. Hält mich für schuldig an der ganzen Misere mit Karlheinz und meiner eigenen herunter gekommenden Situation.

Und ist es so? Kaum, denn die wahren Gründe und Geschichten kennt ja kaum jemand. Auch Kalle nur zum Teil.

Sprecht ihr nicht miteinander ? Schon, oft aber nur über Belanglosigkeiten.

Sag mal bitte, du mußt aber nicht anworten, wenn es dir peinlich ist. Liebst du Kalle und ihr euch überhaupt noch, nach so vielen Jahren der Trennung ?

Ich glaube schon. Wir haben auch immer wieder einmal Sex miteinander. Und das ist sogar recht schön.

Aber weißt du, ich bin Alkoholiker. Halte eine Weile ohne Alk aus. Dann überkommt es mich aber immer wieder bis zum Zusammenbruch. Am Ende steht die Entgiftung im Krankenhaus.

Noch nehmen sie mich. Es wird aber der Punkt kommen, wo es nicht mehr geht und dann liege in meiner kleinen Bude in der Bewußtlosigkeit. Dann kann ich mir einen Strick nehmen oder irgendwelche Tabletten schlucken.

Bin ja gestern erst wieder als aufgemotzt, nicht geheilt, nur so leidlich wieder hergestellt , entlassen worden. Kalle weiß diesmal gar nichts davon. Er kann Alk nicht leiden. Hat kein Verständnis dafür und kann mir auch nicht wirklich helfen. Dabei liebe ich ihn wirklich, weiß jetzt einfach nicht weiter.

Dann war Ruhe und ich etwas gedankenversunken und deshalb sprachlos. Claudia saß da und weinte. Minutenlang war Stille im Auto. Bei ehrlich weinenden Frauen bin ich meist ratlos .

Was soll ich auch für Ratschläge geben. Die würden sowieso nicht richtig nützen oder auch nicht bei ihr positiv ankommen.

Jetzt mußte ich sie von ihren trüben Gedanken abbringen. Was macht eigentlich Kalle zwei, ich meine, eueren Hund ?

Ist er denn weg oder wie geht es ihm? Es ist ja ein freundlicher Kerl zu jedem Menschen und auch zu meinem Hund. Ich finde ihn nett. Auch wenn er immer so einen dicken Strick als Leine oder Ersatzhalsband umgelegt bekommt. Habt ihr keine richtige Leine für ihn ?

Dochdoch, sagte Claudia. Wir haben so ein Geschirr. Aber irgendwie paßt es nicht richtig. Das Ding war sogar ganz schön teuer. Es rutscht ihm aber immer über den Kopf und dann rennt er davon. Hört überhaupt nicht mehr. Keiner weiß warum er die Flucht ergreift. Wir sind doch freundlich zu ihm. Er rennt wirklich weit weg.

Wurde sogar schon von der Polizei eingefangen und ins Tierheim gebracht. Da er einen Chip am Kopf hat, hat man uns als Halter festgestellt und benachrichtigt. wir haben ihn dann abgeholt , kostet natürlich immer Geld, wovon wir immer zu wenig haben.

Wenn das öfter passiert, können sie uns unseren kleinen Freund auch wegnehmen. Das wäre nicht schön.

Jetzt ist er bei einem Wohnungsnachbar. Der versteht sich gut mit ihm und pflegt und versorgt ihn auch ordentlich . Der Mann ist aber auch schon ein betagter Rentner. Man weiß ja nicht, wie lange er sich um unseren Kalle kümmern kann. Wenn ich nach Hause komme, hole ich ihn ab und werde erstmal einen ausgiebigen Spaziergang mit ihm machen.

Gut , fahren wir jetzt zu deiner Wohnung. Übrigens, ich habe für Karlheinz ein Händy aus meinem Fundus. ist geladen und hat eine Nummer. Habe es hier im Auto. Möchtest du es mitnehmen? Ich weiß ja nicht wann ich Kalle wieder zu Gesicht bekomme.

Erich weiß auch Bescheid, besser gesagt seine Bardame Jutta. Jaja die vollbusige Jutta, ist aber eine nette Frau, sagte Claudia. Du darfst nur nicht alles so ernst nehmen was sie so sagt, wenn der Tag lang ist.

Nein behalte es mal, das Handy. Ich benachrichtige dich, wenn ich mehr über Karlheinz Bescheid weis.

Ich gehe Morgen zu ihm ins Krankenhaus. Gut Claudia, wir sind da. Alles Gute und schöne Grüße an Kalle. Vergiß deine Taschen nicht und einen schönen Tag noch.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 19.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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