Anne Eckardt

Elfenmond Kapitel 2

Langsam sengten sich die Schatten der Nacht über die Stadt und verfinsterten sie. Zumindest war es in der Stadt nicht genau so dunkel wie in den Seelen der Leute. Eines stand fest: Eine Liebe zwischen einem „Lichtwesen“ wie einer Elfe und einem „Geschöpf der Nacht“ wie einem Vampir würde niemals geduldet werden. Wir lebten, ja. Doch wie lange konnten wir der Unakzeptanz durch dir Gesellschaft entkommen?

Es ist dunkel“ sagte Purenia „Wenn wir die Stadt verlassen wollen, dann ist jetzt der günstigste Zeitpunkt.“ Aurora hielt noch einmal kurz meine Hand bevor ich als erster begann langsam die Sprossen der Metallleiter hinauf zu steigen. Ich brauchte nur gefühlte 30 Sekunden um das oberen Ende zu erreichen. Leise öffnete ich den Gully. Dieser schien sich am Ende einer langen Straße zu befinden die auf der einen Seite von Geschäften und Wohnhäusern und auf der anderen Seite von der Stadtmauer begrenzt wurde. Die Bauart der Häuser, mit ihren freiliegenden Balken unter den Dachvorsprüngen und den rechteckigen Fenstern, zeigte mir dass wir uns im Stadtviertel der Elfen befanden. Unter mir begann Aurora schon langsam die Leiter hinauf zu klettern. Mit einigen Sekunden Abstand folgte ihr auch Purenia. Ich kletterte aus dem Gully und half den beiden anschließend hinaus. Aurora atmete einmal ganz tief durch, sie war froh wieder an der frischen Luft zu sein. Nach dem auch Purenia aus dem Gully geklettert war verschloss ich, so leise wie ich nur konnte, den Deckel.

Und wie nun weiter?“ fragte Aurora und sah sich um. In ungefähr 40 Metern Entfernung konnte man die Silhouette von einem der Wachtürme erkennen die in regelmäßigen Abständen in die Mauer, die die Stadt umgab, integriert wurden waren. Wenn die Wachen auf diesem Turm uns entdeckten...Ich wollte es erst gar nicht wissen. Ich nahm Auroras Hand und zusammen liefen wir die dunkle Straße hinunter. Ab und Zu duckten wir drei uns wenn wir der Meinung waren, das wir aus einem der Fenster beobachtet wurden. Mein Atem ging schneller und ich blickte vorsichtig über meine Schultern. Dabei viel mein Blick auf etwas, was ca. 10 Schritte hinter mir ein einer der Häuserwände hing. Es war ein großes, weißes Blatt Papier auf dem ganz oben in großen Buchstaben das Wort GESUCHT stand. Aurora folgte meinem Blick. Sie versteinerte augenblicklich. Man sah sofort dass die beiden, gesuchten Personen auf dem Blatt wir beide waren. Die Regierung hatte anscheinend bereits über 7 Tausend Funken (die Währung der Elfen) auf unsere Köpfe ausgesetzt. Ich seufzte. Eines stand fest: Bald würde man nicht nur in der Stadt, sondern auch außerhalb davon nach uns suchen lassen. Aber erst einmal mussten wir aus der Stadt heraus. Wir liefen an einer langen Reihe von Häusern entlang deren Fenster allesamt von Außen mit schweren Holzplatten vernagelt waren und die insgesamt einen sehr heruntergekommenen Eindruck machten. Hier lebten die Feen. Ungefähr 400 von ihnen mussten im Dienste der Regierung in der Stadt als Sklaven arbeiten. Weitere etwa 500 Feen arbeiteten außerhalb der Stadtmauern auf weitläufig angelegten Gemüsefeldern. Ich sah wie Purenia ihre Muskeln anspannte. Es gefiel ihr nicht dass wir hier waren. Wie sie es geschafft hatte sich aus den, eigentlich schwer bewachten Gebäuden, zu befreien wusste ich nicht.

Am Ende der Häuserreihe kamen wir an eine Straßenkreuzung die durch eine dicke Linie aus schwarzen Pflastersteinen in der Mitte in zwei Hälfte geteilt war. Die untere Hälfte gehörte den Elfen und obere bereits zum Stadtteil der Vampire, deutlich gekennzeichnet durch das Bild eines Fledermausflügels, welches auf der oberen Hälfte mit schwarzer Farbe auf die Kopfsteine gemalt wurden war. Wir liefen über den Platz, immer darauf bedacht nicht die Linie zu überqueren. Plötzlich hörte ich etwas. Mein Körper reagierte schneller als mein Kopf. Ich schnappte mir Aurora und verschwand mit ihr in einem dunklen Hauseingang. Weniger als eine Sekunde später registrierte auch Purenia die drohende Gefahr und folgte uns.

Wir drei waren vollkommen still. Plötzlich marschierte ein ganzer Trupp von Soldaten der Vampire an uns vorbei. Sofort tauschten wir drei Blicke aus. „Was hat das zu bedeuten?“ fragte Aurora. „Bei besten Willen nichts gutes“ sagte ich.

Wir bewegten uns langsam die Straße hinunter, in der Hoffnung nicht noch mal jemanden zu begegnen der uns gefährlich werden könnte.

An der nächsten Straßenkreuzung war wieder alles ruhig. Das einzige Geräusch das ich hörte war ein leises klappern aus einem der Häusereingänge an der Seite des Platzes. Dabei merkte ich das erste mal Augen auf mir. Vorsichtig schaute ich über meine Schulter, sah aber zum Glück niemanden. In der zwischen Zeit liefen wir bereits die nächste Straße hinunter die uns geradewegs auf eines der riesigen Stadttore zuführte. „Wie sollen wir da durch kommen?“ fragte Aurora „Da stehen doch bestimmt 8 Soldaten und passen auf.“ Ich sah tatsächlich auf jeder Seite des Tores 4 Soldaten, von dehnen aber jeweils 3 in einem kleinen, hölzernen Gebäude saßen. „Wie sollen wir an dehnen vorbei kommen?“ fragte Purenia „Die sollen doch mit Sicherheit aufpassen dass ihr die Stadt nicht verlassen könnt.“ Ich blickte mich um. In diesem Moment sah ich sie. „Da unten“ sagte ich und zeigte auf die braune, hölzerne Bodenplatte die sich nur wenige Meter neben uns in einer Seitengasse neben einem Haufen Stoffsäcke befand. Ich hockte mich hin um an dem Metallring zu ziehen der an der linken Seite der Platte befestigt war. Ich zog und zog doch es dauerte mehrere Minuten bis sich die Platte endlich vom Untergrund löste und mit einem quietschenden Geräusch langsam nach oben aufschwang. Unter der Platte kam ein Schacht zum Vorschein der in ungefähr 3 Metern tiefe in einem dunklen Korridor endete. Da offensichtlich keine Leiter in den Schacht führte mussten wir hinunter springen. Ich landete mit einem dumpfen Geräusch in Mitten eines Schlammhaufens.

Der Boden des dunklen Korridors war nicht nur Knöcheltief mit Schlamm bedeckt sondern roch auch unangenehm nach Küchenabfällen und anderen Sachen die einem in der Nase brannten. „Wohin führt dieser Tunnel eigentlich?“ fragte Aurora wie beiläufig. „Zu einem alten Brunnen außerhalb der Stadtmauern“ antwortete ich „Ich war in einem dieser Tunnel vor ein paar Jahren mal heimlich, da her weiß ich das.“ Der Tunnel verlief schnurgerade durch den Untergrund. Ob und zu zweigten nur einige Rohre in die Wände ab und hin und wieder kam uns aus einem dieser Rohe Schmutzwasser und andere Sachen entgegen, dehnen wir aber zum Glück jedes mal ausweichen konnten.

Es dauerte noch eine ganze Weile das Ende des Tunnels zu erreichen, doch dann hatten wir es endlich geschafft. Genau vor uns war eine Treppe aus der Wand des Tunnels geschlagen wurden die spiralförmig einen senkrechten, alten Brunnenschacht hinauf an die Oberfläche führte. Dort war es inzwischen vollkommen dunkel und man hörte nur ein leises Insektenkonzert aus der Ferne. Wir gingen langsam die Stufen hinauf, wobei wir aufpassen mussten nicht auszurutschen und in die Tiefe zu stürzen. Hier und da gab es ein paar Aussparungen in der Mauer in dehnen man sich festhalten konnte. Dies war auch gut so den die Stufen der Treppe waren gerade mal so breit dass man mit beiden Füßen nebeneinander darauf stehen konnte. Ab und zu waren sogar schon Stufen teilweise weggebrochen, so das man sie nur seitwärts hinauf gehen konnte. Kurz bevor wir an der Oberfläche waren machte ich eine erschreckende Entdeckung. „Wartet!“ rief ich und blieb stehen, den genau vor mir fehlten die letzten 7 Stufen zur Oberfläche. Langsam drehte ich mich zur Seite und versuchte die drei Meter hinauf mit einem einzigen Sprung zu überwinden, was für mich kein Problem war.

Edaral“ Auroras leise Stimme wurde schwach von den Brunnenwänden zurück geworfen wodurch ein undeutliches Echo entstand. „Bitte warte Aurora“ sagte ich und blickte mich an der Oberfläche um. Dort lag allerhand Gerümpel und zurückgelassene Haushalsgegenstände herum. Zum Glück nahm ich nirgends wo andere Lebewesen war die uns gefährlich werden könnten. In der Ferne hörte man immer noch Insekten und leises rascheln in der Krone eines Baumes, wahrscheinlich von irgend einem Tier. Ich war mir sicher dass wir hier nicht in Gefahr waren und half anschließen Aurora und Purenia aus dem Brunnen.

Wo sind wir hier?“ fragte Aurora. Ich blickte mich um. „Das müsste der Drei-Krähen-Wald sein“ sagte ich „Vor ein paar Jahren war ich mal heimlich hier.“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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