Anja Pompowski

Heimliche Liebschaft

Neulich in diesem italienischen Restaurant dachte Julia, sie traue ihren Augen nicht. Denn drei Tische weiter saß Michael, der Mann ihrer besten Freundin Lisa; ihm gegenüber eine attraktive, junge Frau. Die Beiden strahlten sich regelrecht an, lachten ständig und hatten sich offenbar eine Menge zu erzählen.

 

Dass ausgerechnet der eine Affäre hat, hätte ich Michael wirklich nicht zugetraut, dachte Julia. Sie starrte das Liebespaar förmlich an. Jetzt hatte Michael der Tussi auch noch über den Arm gestrichen.

 

„Was gibt es denn da hinten so Spannendes zu sehen?“, fragte Julias Mann Jens schon leicht angesäuert. „Ich dachte, wir machen uns hier einen schönen Abend, aber du interessierst dich wohl eher für fremde Leute, als für mich.“ Er drehte sich kurz um, um zu schauen, was es da hinten zu sehen gab. „Ach, ist das nicht der Mann von Lisa? Du hast mir gar nicht erzählt, dass die Zwei sich getrennt haben.“

 

„Haben sie auch nicht.“

 

„Na, das ist ja wirklich interessant.“

 

Nach einer Weile verließen Michael und seine Geliebte das Lokal Arm in Arm, nach wie vor gut gelaunt. Julia schaute ihnen fassungslos hinterher.

 

„Hübsch ist sie ja. Garantiert seine Sekretärin“, mutmaßte Jens. „Wie sagt man doch so schön? Ne Sünde wert, die Frau.“

 

Wahrscheinlich hat er Recht, dachte Julia. Man hört ja oft, dass Männer, die in der Position sind, eine persönliche Sekretärin zu haben, früher oder später mit dieser eine Liaison anfangen. Aber ausgerechnet Michael? So wie der die Lisa ständig anschmachtet? Immer noch, nach all den Jahren. Insgeheim hatte Julia ihre Freundin stets um ihre glückliche Beziehung beneidet. Erst kürzlich dachte sie noch: Die Beiden führen eine viel bessere Ehe, als Jens und ich. Daraufhin hatte Julia sich vorgenommen, an ihrer Partnerschaft zu arbeiten, und sich deshalb dieses sündhaft teure, sexy Negligé gekauft.

 

Was mach ich denn jetzt, wo ich weiß, dass Michael eine Geliebte hat?, fragte sie sich. Soll ich Lisa davon erzählen? Vielleicht will sie es ja gar nicht wissen… Oder sie weiß davon und verdrängt es. Oder sie weiß es nicht, und wenn ich es ihr erzähle, trennt sie sich sofort von Michael; wenn sie es aber gar nicht erfahren würde, wäre seine Affäre in einigen Wochen möglicherweise beendet und Lisa und Michael könnten in fünf Jahren Silberhochzeit feiern. Mist, was soll ich nur tun? Julias Gedanken überschlugen sich. Warum musste Michael auch ausgerechnet heute mit seiner Sekretärin in diesem Restaurant essen? Hätte ich die beiden Turteltäubchen doch bloß nicht gesehen.

 

Die halbe Nacht lang grübelte Julia darüber nach, wie sie mit ihrem Wissen umgehen sollte. Gegen Morgen hatte sie entschieden: Sie würde ihrer Freundin erzählen, dass deren Mann eine Geliebte hat.

 

Noch vor dem Frühstück rief Julia bei Lisa an. Diese war vom Typ Lerche und um diese Uhrzeit bereits hellwach. „Hey, wo brennt`s? So früh rufst du Morgenmuffel doch nie an“, flachste die Unwissende ins Telefon.

 

„Also..“, begann Julia. „Ich müsste mal mit dir sprechen…“

 

„Hab ich mir fast gedacht, sonst hättest du sicher nicht angerufen“, erwiderte Lisa kichernd. „Leider ist das nur gerade ganz schlecht, denn Michaels Schwester Tina aus Berlin ist für ein paar Tage zu Besuch. Gestern hatte ich ganz schlimme Migräne, da mussten die Beiden leider ohne mich ausgehen. Aber heute geht`s mir wieder gut und wir Mädels haben den ganzen Tag für uns, das heißt, bis Michael aus dem Büro zurück ist. Wir gehen shoppen. Kommst du mit?“

 

„Äh…, ne, ne. Ich hab schon was anderes vor.“

 

„Ich rufe dich heute Abend an, dann kannst du mir ja erzählen, was du auf dem Herzen hast. Tschüüüss.“

 

Ach, so wichtig ist das nicht, wollte Julia noch sagen, aber da hatte Lisa schon aufgelegt.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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