René Oberholzer

Abstand genommen

Er ging immer einige Meter vor ihr. Und je älter die beiden wurden, desto grösser wurde der Abstand zwischen ihnen. Wenn sie an einer Verkehrsampel standen, durfte sie nicht gleich bei Grün mit ihm die Strasse überqueren. Sie musste auf das nächste Grün warten, während er auf der anderen Strassenseite kurz innehielt und sich die Beine vertrat. Wenn sie Sessellift fuhren, sass sie immer zwei Sessel versetzt hinter ihm. Wegen seiner höheren Geschwindigkeit ergab sich beim Skifahren der Abstand zwischen ihnen wie von selbst. Wenn sie im Selbstbedienungsrestaurant in der Schlange standen, war er immer einige Meter früher an der Kasse. Das Essen nahmen sie aber dennoch gemeinsam ein, er zahlte auch nachträglich ihr Essen, das sie zuvor mit ihrem eigenen Geld bezahlt hatte. Über das, was sie sprachen, gibt es keine verlässlichen Aussagen. Und als er gestorben war, sagte sie nur lakonisch: "Es war schon lange klar, dass er vor mir gehen würde."
 
 
© René Oberholzer                                     


 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (René Oberholzer).
Der Beitrag wurde von René Oberholzer auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Darf es noch etwas weniger sein? von Thomas M. Kupfer



In diesem Buch werden einige grundlegende Fragen geklärt, die sich ganz von selbst beim Lesen ergeben werden. Welche Fragen? Im Laufe der Zeit ist bei dem einen oder anderen vor lauter Alltagsstress die eigentliche Form des menschlichen Daseins in der Tiefe versunken. Ursache dafür ist einerseits das kleinere oder größere Missverständnis, dass man so viele Verpflichtungen in seinem Leben eingegangen ist und man deswegen annehmen könnte, man hätte keine Zeit mehr, um zu seiner inneren Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden. Andererseits führen alltägliche Zusammenhänge dazu, die Bedeutung vom Leben und Wirken als eher gering anzusehen. Zweifellos spiegeln sich Ihr Leben und Ihre gegenwärtigen Interessen im Hier und Heute wider, aber ist das schon alles? Ist das das wirkliche Leben? Man macht tagaus, tagein seinen Job. Man geht ins Bett, man steht wieder auf. Man hat vielleicht am Wochenende frei (sehr schön das Ganze), aber wo sind der Mut, die Weisheit und die Einsicht geblieben, die Ihnen Begegnungen mit Harmonie, Glück und innere Zufriedenheit bescheren können? Im Kern der Sache kreisen alle Überlegungen um die Frage, in welchem Zustand sich das eigene Leben heute befindet. Wie kann man etwas daran ändern? Wie kann man sich einen neuen Platz in seinem Leben einräumen, einen lebenswerten Platz?

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Lebensgeschichten & Schicksale" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von René Oberholzer

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Das Syndrom von René Oberholzer (Skurriles)
Wofür ? Warum ? von Rüdiger Nazar (Lebensgeschichten & Schicksale)
Komische Zahlen von Norbert Wittke (Glossen)