Wilhelm Wilts

Menschenverachtend?

Ich möchte hier eine Geschichte über verschiedene Ansichten erzählen. Für diese Geschichte wurde ich in meinem Umfeld übrigens ziemlich kritisiert. Die Geschichte wurde als menschenverachtend empfunden und man hat mir einen Mangel an Mitgefühl gegenüber meinen Mitmenschen vorgeworfen. Aber urteilt selbst:

Eine Geschichte über verschiedene Ansichten…

Auf einem weit erntfernten Planeten lebten einst zwei unterschiedliche Rassen. Da waren die Kryptoner, die den Planeten beherrschten und es gab die Restler, eine unterlegene Rasse, die sich mit dem Rest begnügen musste. Die Kryptoner hatten ein Problem. Es gab einfach viel zu viele von ihnen auf diesem Planeten und sie brauchten die Restler um auf dem Planeten Krypton überleben zu können. Und so kam es, dass es immer mehr Kryptoner gab denen es immer schlechter ging, weil es immer weniger Restler gab.

Eines Tages aber sagte sich ein reicher Kryptoner namens "Plus": „Ich kann das nicht mehr mit ansehen und ich möchte gegen dieses unendliche Leid etwas tun.“ Da er sich in einer Gemeinschaft mit zwei anderen Kryptonern mit den Namen "Minus" und "Null" befand, schlug er den anderen beiden vor, dass er den armen Kryptonern gerne helfen wolle. So sagte er dann zu den anderen beiden Kryptonern: "Da wir als Gemeinschaft mehr bewirken können als allein, müssen wir helfen, indem wir gemeinsam etwas von unserem Reichtum an die armen Kryptoner abgeben. Was meint ihr?"

Kryptoner "Minus", der zu dieser Gemeinschaft gehörte, war ein Zyniker, Skeptiker aber auch Realist, und stellte auch gern immer alles in Frage. 

Er stellte sich nun auch hier gegen den Vorschlag von "Plus" und sagte: „Da magst du vielleicht recht haben, dass du erstmal die armen Kryptoner aus der Misere hilfst. Aber was dann? Kann es nicht sein, dass eine vermeintlich gute Tat aus einem anderen Blickwinkel betrachtet auch Probleme schaffen kann oder das Problem sogar verschlimmert. Aus meiner Sicht schaffst du damit nur neuen Lebensraum für uns Kryptoner und schmälerst gleichzeitig den Lebensraum der Restler. Wir aber brauchen die Restler um auf Krypton überleben zu können. Du verschlimmerst letztendlich unser Problem nur. Daher sollten wir nicht den armen Kryptonern, sondern den Restlern helfen.“

Kryptoner Plus schrie entsetzt auf: „Wie kannst du nur so denken? Wenn wir den Restlern helfen, dann verlieren wir ja noch mehr Lebensräume. Die Lage von den armen Kryptonern würde sich noch weiter verschlechtern und viele müssten sterben. Wie kannst Du nur so herzlos sein?“

Kryptoner Minus antwortete: „Ansichtssache! Wer leidet denn mehr... wir oder die Restler?“ Minus wendete sich nun dem Dritten der Gemeinschaft, den Kryptoner Null, zu und fragte: „Was meinst Du, Null, denn dazu?“

Kryptoner Null, der gerne neutral blieb, sagte nur: „Wenn das tatsächlich so ist, dass wenn wir der einen Seite helfen und gleichzeitig die andere Seite damit belasten, dann denke ich, lass uns lieber nichts machen und wir können auch nichts falsch machen....“

Wer hat Recht?

Ich meine, alle drei Ansichten verdienen es respektiert zu werden. 
Wenn man diese Geschichte nun auf unsere Erde beziehen möchte, dann könnte man die Menschen mit den Kryptonern gleichsetzen und die Restler mit der Natur oder der Umwelt (Pflanzen, Tiere….).

Wer die Ansichten von Krypton "Minus“ und Krypton "Null“ verstehen möchte, der muss aus meiner Sicht zwei entscheidende Voraussetzungen mitbringen. Die erste Voraussetzung ist die Bereitschaft die Menschlichkeit (Herz) etwas auszublenden, um damit diese Ansichten oder die gesamte Problematik objektiv zu sehen. 

Die zweite Voraussetzung ist die Bereitschaft eine mathematische Gleichung zu akzeptieren. Eine mathematische Gleichung mit einzubeziehen, das klingt kalt und irgendwie herzlos. Eine mathematische Gleichung ist aber letztendlich nichts anderes wie ein Naturgesetz. 

Gerade die erste Voraussetzung ist, so denke ich, für viele eine schwer zu nehmende Hürde. Denn erst wenn man die Bereitschaft mitbringt dies objektiv zu sehen, wird man die 2. Voraussetzung überhaupt berücksichtigen wollen.

Die zweite Voraussetzung, die mathematische Gleichung, ist aus meiner Sicht die Folgende:

Der Lebensraum der Erde ist begrenzt und nicht unendlich. Der Lebensraum beträgt 100 %. Wir nehmen an, dass der Mensch anteilig davon x % nutzt. Der Rest des Lebensraums wird vom Rest, also der Natur / Umwelt, genutzt.. 
Die Gleichung ist simpel und lautet somit: Gesamter Lebensraum = Lebensraum Mensch + Lebensraum Natur (z.B. 100 = 50 + 50).

Die Situation auf der Erde ist die, dass mittlerweile rd 7,5 Mrd. Menschen auf der Welt leben und es zudem immer mehr Umweltprobleme gibt. Als da wären: Luftverschmutzung – Klimawandel, Abholzung (von artenreichen Wäldern), Artensterben (Tiere und Pflanzen) oder auch Bodenverschmutzung (durch Monokulturen, Überweidung..). Und diese Probleme, so denke ich, sind nicht von der Natur verursacht, sondern im Großen und Ganzen durch den Menschen verursacht. Und wenn man den Prognosen Glauben schenken möchte, dann wird die Weltbevölkerung in nur 100 Jahren auf über 10 Mrd. anwachsen. Man muss kein Prophet sein, wie die Situation dann aussehen dürfte.

Jetzt zu den Ansichten von Krypton "Minus“ und Krypton "Null“. 

Krypton "Minus“ sagte ja, wenn man einen Menschen in der Not hilft, dürfte dies nur von kurzer Dauer sein. Denn, wenn man einen notleidenden Menschen hilft, gibt man diesem Menschen wieder eine Chance zum Überleben und somit auch die Chance wieder eine Familie zu gründen und Kinder zu haben. Diese Chance hätte evtl. dieser Mensch naturgemäß nicht gehabt. Diesem Menschen wäre nun zwar geholfen, theoretisch müssten die Umweltprobleme aber dann weiter zunehmen und somit neues Leid für die Menschen schaffen. Denn der Mensch vergrössert ja dadurch seinen Lebensraum und verdrängt weiter den Lebensraum der Natur, den der Mensch zum Leben beraucht.

Das klingt natürlich kaltherzig. Sozial denkende Menschen empfinden dies als zutiefst verabscheuungswürdig und menschenverachtend. Aber ist das wirklich auch falsch was "Minus" damit sagte. Ich meine, wenn man die obige (menschenverachtende?) mathematische Gleichung berücksichtigt, kann man dann zu Krypton Minus sagen, dass er da so falsch liegt? Ich meine nicht. 

Krypton "Null“ hingegen berücksichtigt das Gegenargument von Krypton "Plus“ (=der, der den Menschen helfen möchte). Krypton "Plus“ sagte ja, dass er die Ansicht des Minus nicht verstehen könne, dass man eher der Natur als den Menschen helfen sollte. Was ja bedeuten würde, dass man den Menschen Lebensraum wegnimmt und der Natur wieder zurückgibt. 

Wenn man aber den Menschen wieder Raum wegnimmt, dann müsste das Leben für die Menschen logischerweise teurer werden und die (Umwelt-) Probleme des Menschen müssten sich somit auch verschlimmern. Viele Menschen dürfte es schwieriger fallen ihren Lebensstandard zu halten und müssten verarmen und diejenigen die schon arm waren, müssten evtl. sogar um ihr Leben fürchten. 

Dieses Problem sieht man in unserer Gesellschaft und in der Politik, wie ich meine, überall. Als da wären die Umweltaktivisten, die die Natur schützen wollen. Naturschutz ist aber nur möglich wenn die Menschen ihrerseits für ihren bisherigen Lebensstandard mehr bezahlen oder sie auf etwas verzichten. Was bedeutet, das Leben verteuert sich. Beispielsweise muss die Lebensmittelindustrie Lebensmittel, aufgrund Tier- und Naturschutzauflagen, teurer verkaufen als es ohne diese Auflagen möglich wäre u.s.w. (Was aus meiner Sicht natürlich auch richtig so ist)

„Krypton Null“ hat für sich somit gesagt, dass er dann lieber gar nichts machen wolle, um sich nicht schuldig zu machen. Das klingt für mich erstmal mutlos und ängstlich. Aber ist es das wirklich? Die Ansicht des Krypton "Null“ sagt so gesehen ja auch, dass er durch sein Nichtstun es der Natur überlässt, was aus seiner Entscheidung wird. 

Ich selbst denke, dass unabhängig welche Meinung von Plus, Minus und Null sich durchsetzen sollte, die Natur sich letztendlich durchsetzen wird. Egal ob man dies oder jenes macht. Die Natur, wird mit ihren Waffen, also die Waffen die wir Umweltprobleme nennen, letztendlich immer wieder einen für die Menschen leidvollen Ausgleich sorgen.

Weiter denke ich, dass wir die Überbevölkerung (aus meiner Sicht unser Hauptproblem!), die ja die Umweltprobleme und unser Leid (Hunger, Krieg, Seuchen…) verursacht, nur dann in den Griff bekommen, wenn wir den ständigen Wachstum der Menschheit (kontrolliert) in den Griff bekommen. Aber da bin ich ziemlich skeptisch. Denn erst dann, wenn man dauerhaft ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur erreicht, so denke ich, wird es auch weniger Leid für die Menschen und auch für die Natur geben..

Wie seht ihr das?

P.S.
Menschenverachtend? Versteht mich mit dieser Geschichte bitte nicht falsch. Ich versuche stets Menschen zu achten und jeder, der auf der Erde lebt, hat sicherlich eine Chance glücklich auf der Welt zu leben verdient . Ich finde es gut wenn Menschen anderen Menschen helfen und denen, die keine Chance mehr haben, eine Chance geben. Achtenswert finde ich aber auch, wie bereits erläutert, die Ansichten von "Minus" und "Null". 

Wenn ich aber etwas verachte, dann ist es der unaufhaltsame Bevölkerungswachstum!

Von daher...

Ich bin gegen jeglichen unnatürlichen Anreiz der geschaffen wird um die Bevölkerung weiter wachsen zu lassen. (Reicht es z.B. nicht aus, nur ein oder max. zwei Kinder staatlich zu fördern?....)

Ich bin gegen religiöse Ansichten, die die Verhütung verbieten oder verteufeln.

Ich bin für Geburtenkontrolle, um damit wirksam ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu erreichen.

...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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